APA - Austria Presse Agentur

Alkoholkrankheit meist Folge von Depressionen oder Burn-out

Fünf Prozent der Österreicher sind alkoholkrank. In der überwiegenden Zahl der Fälle stecken dahinter Depressionen und/oder ein schweres Burn-out-Syndrom. Die erklärte am Donnerstag der Ärztliche Leiter des Anton Proksch Instituts, Michael Musalek, bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Die allermeisten Menschen trinken in Österreich nicht, weil es so gut schmeckt, sondern weil sie die Wirkung der Substanz Alkohol brauchen", sagte der Psychiater. "In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, dass Depressionen und Burn-out nicht so sehr die Folge einer Alkoholkrankheit sind, sondern dass sie die Ursachen eines hohen Alkoholkonsums sind."

Alkohol werde quasi "als Medikament" eingesetzt: Um psychische Probleme zuzudecken, scheinbar Spannungszustände und Ängste zu lösen. "Dabei ist Alkohol in höheren Dosen selbst Depressions-fördernd", sagte Musalek. Das "Wirkungstrinken" sei das Problematische.

Ein frühes Bemerken solcher Umstände und entsprechende Hilfe bzw. Therapie seien entscheidend, betonte der Experte aus Anlass der aktuellen "Dialogwoche Alkohol" in Österreich. Eine Schwierigkeit sei auch, dass der Burn-out bisher nicht generell als Krankheit akzeptiert ist. Der Grund dafür, wie der Psychiater feststellte: "Ein Burn-out beginnt im Gesunden. Erst in einem schweren Stadium landet man bei einer Krankheit." Während im Frühstadium Beratung ausreiche, müsste in schweren Fällen natürlich eine Behandlung erfolgen. Wiederum stehen dabei depressive Zustände im Vordergrund.

Die Zahl der Betroffenen ist groß. "45 Prozent der Erwachsenen weisen in Österreich eine Burn-out-Gefährdung auf. Acht Prozent sind dadurch als krank zu betrachten", zitierte Musalek eine aktuelle Studie. Dem gegenüber leiden ein Prozent der Menschen an einer Psychose. Bei den Alkoholkranken zeigt sich laut dem Experten ein "massives Aufholen der Frauen", während die Männer eher einen sinkenden Alkoholkonsum aufweisen.

Fast völlig unerforscht ist in Österreich die Situation beim Gebrauch bzw. der Abhängigkeit von Schlaf- und Beruhigungsmitteln (Tranquilizer). Auch sie haben ein hohes Suchtpotenzial. Wiederum stehen im Hintergrund oft Depressionen und/oder Burn-out.

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