Alles, was du über eine Abtreibung in Österreich wissen musst

Ist eine Abtreibung in Österreich legal? Und wenn ja, wie viel kostet der Schwangerschaftsabbruch? 
Wie läuft ein Schwangerschaftsabbruch in Österreich ab? Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Alle Fragen zum Thema Abtreibung.

Unter einer Abtreibung versteht man den Abbruch einer Schwangerschaft. Laut "MeinMed" werden Schätzungen zufolge zwischen 20.000 bis 30.000 Schwangerschaftsabbrüche jährlich in Österreich durchgeführt. Doch sind diese in Österreich überhaupt legal? Wie alt muss man sein, um einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen?

Wir haben die wichtigsten Fragen für euch zusammengefasst. 

Ist eine Abtreibung in Österreich legal? 

Die Abtreibung ist in Österreich seit 1975 durch die sogenannte Fristenlösung laut § 97 im Strafregisterbuch nicht strafbar. Jedoch nur, solange die Schwangerschaft nach Beginn innerhalb der ersten drei Monate (vor der 16. Schwangerschaftswoche) und nach einer ärztlichen Beratung durch eine/n MedizinerIn abgebrochen wird.

Zudem ist die Abtreibung nicht strafbar, wenn die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren in Gefahr ist oder das Risiko besteht, dass das ungeborene Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt auf die Welt kommt. Der Abbruch ist ebenfalls nicht strafbar, wenn die Schwangere zurzeit der Befruchtung unmündig war -- also zwischen sieben und 14 Jahren

Wird der Schwangerschaftsabbruch nach den ersten drei Monaten durchgeführt, können ÄrztInnen oder auch die Schwangere selbst laut § 96 im Strafregisterbuch beispielsweise mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen bestraft werden. 

Ist eine Abtreibung unter 18 Jahren erlaubt?

Wie das digitale Amt Österreichs erklärt, können Jugendliche ab dem 14. Geburtstag die Einwilligung für einen Schwangerschaftsabbruch selbst erteilen. Ein/e Beziehungsberechtigte/r muss nicht zustimmen. Diese Regelung verfällt jedoch, wenn die Schwangere beispielsweise eine geistige Beeinträchtigung hat. Vor dem 14. Geburtstag ist eine Zustimmung des/der Erziehungsberechtigten immer notwendig. 

Wie läuft der Schwangerschaftsabbruch ab? 

Laut dem öffentlichen Gesundheitsportals Österreichs gibt es drei Alternativen, um einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen. 

Absaugung des Schwangerschaftsgewebes

  • Die Absaugung (Vakuumaspiration) des Schwangerschaftsgewebes ist ab der fünften bis 14. Schwangerschaftswoche möglich. Der Eingriff kann unter einer Vollnarkose oder örtlichen Betäubung erfolgen. Die Absaugung dauert nur einige Minuten und ist laut dem Gesundheitsportal sicher, zudem gebe es nur selten Komplikationen. Das Schwangerschaftsgewebe kann in 99 Prozent der Fälle vollständig entfernt werden. 

Ausschabung der Gebärmutter (Kürettage)

  • Eine weitere Variante der Abtreibung erfolgt mit einer Kürettage. Dabei wird das Schwangerschaftsgewebe aus der Gebärmutter herausgenommen. Der Eingriff wird unter einer Vollnarkose durchgeführt, dauert jedoch wesentlich länger als beispielsweise die Absaugung und wird auch mit einem höheren Komplikationsrisiko verbunden. Die Ausschabung wird jedoch vor allem dann durchgeführt, wenn nach einer anderen Abtreibungsmethode Gewebereste im Uterus der Frau verblieben sind, die noch entfernt werden müssen. 

Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch 

  • Seit 1999 ist die Abtreibungspille Mifegyne in Österreich zugelassen. Das Medikament soll vor allem bei Frühschwangerschaften sehr zuverlässig sein. Die Pille kann bis zur neunten Schwangerschaftswoche beziehungsweise dem 63. Tag (gerechnet ab der letzten Periodenblutung) verwendet werden. Aus medizinischen Gründen wird die medikamentöse Abtreibung inzwischen als Standardmethode angewendet. 
  • Die Abtreibungspille soll in 95 bis 98 Prozent der Fälle erfolgreich sein. In zwei Prozent der Behandlungen muss nachträglich noch eine chirurgischer Eingriff durchgeführt werden, um das restliche Schwangerschaftsgewebe zu entfernen. 
  • In Österreich darf die medikamentöse Abtreibung nur von FachärztInnen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Ordinationen, Spitälern oder Ambulatorien durchgeführt werden. 

Ist eine Abtreibung schmerzhaft?

Vor allem nach dem chirurgischen Eingriff können Schmerzen – ähnlich wie Krämpfe während der Periode – und leichte Blutungen auftreten, da sich der Uterus zusammenzieht, sobald er entleert ist. PatientInnen, die sich für eine lokale Betäubung, beispielsweise während der Absaugung entscheiden, könnten während der Prozedur ein bis zwei Stiche im Uterus spüren, bis der/die ÄrztIn die Betäubung verabreicht. 

Wie viel kostet eine Abtreibung in Österreich? 

Laut dem digitalen Amt Österreich übernimmt die Sozialversicherung die Kosten des Schwangerschaftsabbruchs, wenn dieser aufgrund medizinischen Gründen notwendig ist. Laut dem öffentlichen Gesundheitsportals Österreichs kann man in vielen Gemeinden unter bestimmten Voraussetzungen auch einen "Antrag auf finanzielle Unterstützung oder Kostenübernahme" stellen. Dieser erfolgt an die Bezirkshauptmanschaft oder das Sozialamt.

Ansonsten ist eine Abtreibung generell privat zu bezahlen: Auf k.at-Nachfrage bei der Beratungsstelle Pro:Woman in Wien wurde mitgeteilt, dass der Schwangerschaftsabbruch 580 Euro kostet. 

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