"Baby Reindeer": Wer ist die echte Martha Scott?

Rentierbaby - Baby Reindeer
Im Interview mit Piers Morgan offenbart sich die britische Fiona Harvey als die Inspiration für "Baby Reindeer".

Die Reise von "Baby Reindeer", ursprünglich ein Ein-Mann-Stück von Richard Gadd, spiegelt eine beeindruckende Entwicklung in der Welt der Leinwandkünste wider. Zuallererst beim Edinburgh Festival Fringe 2019 aufgeführt, erzählt das Stück, das nun von Netflix adaptiert wurde, eine zutiefst persönliche Geschichte, die auf Gadds eigenen Erfahrungen mit einer Stalkerin basiert. Seine fesselnde Darstellung und eindrucksvolle Erzählweise brachten ihm schnell Anerkennung und Auszeichnungen ein.

Die Netflix-Serie folgt Donny (gespielt von Gadd), einem Barkeeper, der Martha eine kostenlose Tasse Tee anbietet. Dies ist der erste von vielen Fehlern und der Beginn einer gefährlichen Obsession, die sein (ohnehin schon chaotisches) Leben auf den Kopf stellt.

Wer ist die echte Martha Scott?

Nur wenige Tage nachdem der Netflix-Überraschungshit "Baby Reindeer" in aller Munde war, meldete sich Fiona Harvey bei "Piers Morgan Uncensored" und erklärte, dass sie die Inspiration für die Geschichte der Martha Scott in der beliebten Netflix-Serie gewesen sei. Als Motivation für diesen Schritt nannte sie Massen von Internet-Trollen, die ihr sogar Morddrohungen geschickt hätten. Als Betroffene wollte sie damit ihr Recht auf Selbstverteidigung wahren. Doch wie sind sie ihr eigentlich auf die Schliche gekommen?

Nach der Veröffentlichung der Serie explodierten die Streamingzahlen, und alle wollten wissen, um wen es sich bei diesem "auf Tatsachen beruhenden" Kunstwerk handelte. Sean Foley, einer der Schauspieler, wurde fälschlicherweise beschuldigt, der echte Darrien zu sein, der Donny sexuell missbraucht. Seitdem werde wegen "aller verleumderischen, beleidigenden und bedrohenden Posts" gegen ihn ermittelt, twitterte Foley. Auch die fast schon antagonistisch wirkende weibliche Hauptfigur musste eine reale Identität haben, und die fanden die Heerscharen des Internets anhand alter Twitter-Posts im Handumdrehen.

Von Mai 2014 bis November 2015 schickte Fiona Harvey 19 öffentliche Tweets an den Macher von "Baby Reindeer", alle ohne Antworten seinerseits. Teilweise wirkt sie dabei zu vertraut, wie beispielsweise: "Habe mich mit Doug versöhnt, was dich sicher freuen wird. ich habe jetzt frei, werde aber später anrufen:"

In einem ihrer Tweets lobt sie seinen Hintern und empfiehlt anderen, sich seine Show anzusehen.

In 18 weiteren Tweets dieser Art unterhält sie sich mit dem Schöpfer der Serie, als hätten sie sich gerade zu zweit unterhalten. Wiederum hat Richard Gadd auf keinen dieser Tweets geantwortet. Im Interview mit Piers Morgan hingegen ist sie es, die ihn als "psychotisch" bezeichnet und behauptet, er habe sie in einem besonders schlechten Licht dargestellt. Die Kommentare unter dem Interview folgen dem Tenor, sie habe sich mit dem Interview nur selbst ins Bein geschossen. "Ich bin überzeugt, sie ist definitiv Martha", scherzen beispielsweise einige in den Kommentaren.

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