Zeit, sich mal wieder zu Gemüte zu führen, dass eine Hautfarbe kein lustiges Kostüm ist.

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Warum Blackfacing im Fasching immer noch ein Problem ist

Zeit, sich mal wieder zu Gemüte zu führen, dass eine Hautfarbe kein lustiges Kostüm ist.

Man möchte meinen, dass das Thema inzwischen zu allen durchgedrungen ist, dennoch tauchen sie immer wieder auf: Kostüme oder Faschingsartikel wie dunkle "Afrikaner-Schminke" – bis heute tatsächlich erhältlich in zahlreichen Shops.

Dabei sollte inzwischen klar sein, dass eine Ethnie, eine Kultur oder eine Hautfarbe eben kein witziges Faschings-Outfit für Weiße ist.

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Was ist Blackfacing?

  • Über den tatsächlichen Ursprung von Blackface ist man sich bis heute uneinig, die frühesten Belege reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück
  • Das heute bekannte Blackfacing, bei dem rassistische Stereotype vermittelt werden, hat seine Wurzeln jedoch im US-amerikanischen Theaterbereich.
  • Anfang des 19. Jahrhunderts war es bei sogenannten "Minstrel Shows" gang und gäbe für Weiße SchauspielerInnen, sich das Gesicht schwarz zu bemalen, oftmals kombiniert mit großen, wulstig gemalten roten Lippen.

Schwarze wurden dabei wohlgemerkt nicht nur verkörpert, sondern vielmehr parodiert, karikiert und verspottet. Die Darstellungen schürten schon damals negative Stereotype und wurden nicht selten auch genutzt, um Sklaverei zu verharmlosen: Dem überwiegend Weißen Publikum wurde nämlich oft vermittelt, das Leben in Sklaverei sei ja gar nicht so schlimm – PlantagenarbeiterInnen und Hausangestellte wurden in besagten Shows oft singend und tanzend gezeigt, so etwa das bekannte "Jim Crow"-Stereotyp.

Journalistin und US-Korrespondentin Kerstin Zilm erklärt im Interview mit "Deutschlandfunk", dass Schwarze in "Minstrel Shows" als "unzivilisiert, als faul, als dumm, als feige, als auf Sex versessen dargestellt" wurden. Es sei "ein gezieltes Degradieren" von AfroamerikanerInnen "zu Karikaturen".

In den letzten Jahren gab es auch hierzulande immer wieder Diskussionen zum Thema Blackfacing – im deutschsprachigen Fernsehen war es Anfang der 2000er fast schon Standard für Weiße KomikerInnen, in Blackface aufzutreten, etwa um berühmte Schwarze Persönlichkeiten wie Bruce Darnell, Nadja abd el Farrag oder eben Kanye West (siehe: Oliver Pocher am Wiener Opernball 2014) zu parodieren. Erst seitdem immer wieder auf die rassistische historische Bedeutung von Blackfacing hingewiesen wurde, gilt Blackfacing auch im deutschsprachigen Raum als verpönt. 

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Blackfacing bei Sternsingern: Spielt Absicht eine Rolle?

Auch zur Faschingszeit herrscht inzwischen mehr Bewusstsein dafür, dass ein Gschnas unter dem Motto "Afrika", wie es 2013 noch in einer Gemeinde in Oberösterreich abgehalten wurde, keine besonders gute Idee ist – ein ausgewachsenes Blackfacing-Event würde im Jahr 2024 jedenfalls nicht völlig kommentarlos an uns vorübergehen.

Ebenso wie die Kritik an der schwarzen Gesichtsfarbe der Heiligen Drei Könige im deutschsprachigen Raum jedes Jahr lauter wird – das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" rät inzwischen sogar offiziell davon ab, Kinder oder Jugendliche dunkel zu schminken, obwohl die Absicht dahinter – die Darstellung eines "Afrikanischen Königs" – eigentlich eine andere ist als bei den spöttischen "Minstrel Shows": "Auch wenn dieses 'Blackfacing' nichts mit dem Schminken beim Sternsingen zu tun hat, bringen es doch viele Menschen damit in Verbindung. Es kann also für Menschen störend oder verletzend sein, wenn sie sehen, dass Sternsinger sich schwarz schminken", heißt es auf der entsprechenden Website.

Warum die Absicht beim Blackfacing eben kein Rolle spielt, bringt Comedian Roy Wood Jr. in einem Skit der "Daily Show" auf den Punkt: "Blackface ist wie Rauchen im Flugzeug: Vor langer Zeit war das mal akzeptabel, aber jetzt wissen wir, dass es den Menschen um uns Schaden zufügt. Genau deshalb ist es egal, ob es böse gemeint ist oder nicht."