Eine neue Studie zeigt, dass Einsamkeit unser Sterberisiko drastisch erhöhen kann.

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Einsam an Weihnachten: Studie weist auf erhöhtes Sterberisiko hin

Eine neue Studie zeigt, dass Einsamkeit unser Sterberisiko drastisch erhöhen kann.
Selma Tahirovic Selma Tahirovic

Besonders zur Weihnachtszeit verbringen viele von uns die Feiertage mit ihren Liebsten, sei es mit der Familie oder ihren Freund:innen – Einsamkeit ist hier eher ungewöhnlich, oder? Leider nicht, wie eine Presseaussendung des österreichischen HIlfswerks zeigt. Vor allem ältere Menschen leiden in dieser Zeit unter Einsamkeit und/oder sozialer Isolation. 

Und wäre dies nicht bedrückend genug, zeigt eine neue Studie, dass die Einsamkeit unser Leben erheblich verkürzen kann. Forscher:innen aus Schottland haben einen auffälligen Zusammenhang zwischen fehlenden persönlichen Besuchen von Angehörigen und einem erhöhten Sterberisiko festgestellt. Die Untersuchungsergebnisse wurde in der Zeitschrift "BMC Medicine" veröffentlicht.

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Fünf Punkte der sozialen Interaktion 

Die Wissenschafter:innen untersuchten den Einfluss sozialer Interaktion auf die Sterblichkeit. Die Studieergebnisse zeigen, dass soziale Faktoren usnere Gesundheit erheblich beeinflussen können. Vor allem soziale Isolation sei seit Beginn der Corona-Pandemie ein Problem geworden. ein

  • Das Forscher:innen-Team unter der Leitung von Hamish Foster untersuchte Daten von 458.146 Erwachsenen, die an der britischen Biobank teilnahmen. 
  • Diese Teilnehmer:innen mit einem Durchschnittsalter von 56,5 Jahren wurden zwischen 2006 und 2010 in die Datenbank aufgenommen. 

Während ihrer ersten Teilnahme füllten sie einen detaillierten Fragebogen aus, der sich auf fünf Schlüsselaspekte der sozialen Interaktion konzentrierte. 

Dazu gehörten 

  • das persönliche Gefühl der Einsamkeit,
  • die Fähigkeit, sich jemandem anzuvertrauen,
  • die Häufigkeit der Besuche von Freund:innen und Familie,
  • die Teilnahme an wöchentlichen Gruppenaktivitäten
  • und die Frage, ob die Befragten allein leben.

Die Teilnehmer:innen wurden zwölf Jahre lang beobachtet, im Untersuchungszeitraum verstarben 33.135 Proband:innen.

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Höheres Sterberisiko durch Einsamkeit

Die Studie entdeckte einen eindeutigen Zusammenhang zwischen allen fünf Arten von sozialen Interaktionen und einem erhöhten Sterberisiko. Insbesondere das Fehlen physischer sozialer Interaktionen, wie Besuche von Angehörigen, wirkte sich stärker auf das Sterberisiko aus als das subjektive Gefühl der Einsamkeit oder Isolation.

  • Die Untersuchung ergab, dass das Sterberisiko bei Personen, die nie Besuch von Freund:innen oder Verwandten erhielten, um 39 Prozent erhöht war. 
  • Die Studienautor:innen stellten zudem fest, dass die Teilnahme an wöchentlichen Gruppenaktivitäten den Proband:inenn, die von Familienbesuchen völlig isoliert waren, keinen nennenswerten Nutzen brachte. 
  • Befragte, die nie Besuch bekamen und nicht an Gruppenaktivitäten teilnahmen, hatten ein fast ebenso hohes Sterberisiko (49 Prozent) wie diejenigen, die zwar an Gruppenaktivitäten teilnahmen, aber dennoch ihre Familie nicht regelmäßig sahen (50 Prozent).

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Besuche können Sterberisiko senken

Die Studienergebnisse zeigen auch, dass bereits gelegentliche Besuche von Freund:innen und Verwandten (einmal im Monat) eine schützende Wirkung haben können. Das Sterberisiko kann dadurch deutlich gesenkt werden, was vor allem im hohen Alter wichtig ist. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ratschläge, Interventionen und politische Maßnahmen möglicherweise so zugeschnitten werden müssen, dass sie verschiedene Aspekte der sozialen Bindung berücksichtigen und auf die Gruppen mit dem höchsten Risiko abzielen", schreiben die Autor:innen im "BMC Medicine". 

Auch wenn die Feiertage sehr anstrengend sein können, bieten sie ebenfalls die Möglichkeit, auch an Menschen zu denken, die in sozialer Isolation leben, sich einsam fühlen oder keine Familie und/oder Freund:innen mehr haben. Der Besuch bei deinen Großeltern, bei deinen allein lebenden Nachbar:innen oder Bekannten könnte also dazu beitragen, dass sich diese Personen während der Feiertage gesehen und akzeptiert fühlen. 

Vergiss nicht: Auch jüngere Menschen können von Einsamkeit betroffen sein!

Hilfe gegen Einsamkeit

Seit 2020 wird die Plattform gegen Einsamkeit vom Sozialministerium unterstützt. Sie agiert seitdem als "Sammlung einer Vielzahl von Informationen und Ressourcen zur Bekämpfung von Einsamkeit". 

Wer Selbstmordgedanken hat oder an Depressionen leidet, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits ein einzelnes Gespräch. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich rund um die Uhr kostenlos unter der Rufnummer 142 an die Telefonseelsorge wenden. Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt ÄrztInnen, Beratungsstellen oder Kliniken. www.suizid-praevention.gv.at