APA - Austria Presse Agentur

Aschermittwoch: Was bringt die Fastenzeit wirklich?

Nach der heißen Karnevalsphase steht die traditionelle Fastenzeit vor der Tür. Doch welche Vorteile hat es, zu fasten?
Sophie Unger

Die Tradition des Fastens kommt in den meisten großen Weltreligionen vor. Die traditionelle Fastenzeit im Christentum dauert von Aschermittwoch bis Karsamstag vor Ostern, also in diesem Jahr vom 14. Februar bis zum 30. März. Sie wird teils auch Passionszeit genannt und soll an die Leidensgeschichte von Jesus bis zu seiner Kreuzigung erinnern, der an Karfreitag gedacht wird.

Wie lange fasten?

Christ:innen fasten in dieser Zeit für 40 Tage und besinnen sich so auf ihren Glauben. Sonntage werden jedoch nicht mitgerechnet, so dass die Fastenzeit 46 Tage dauert. Traditionell wird unter Fasten der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder eine Reduktion der Nahrungsaufnahme verstanden. Ähnliche Traditionen gibt es im Judentum vor Jom Kippur sowie im Islam im Ramadan.

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Welche Möglichkeiten gibt es neben dem Nahrungsverzicht?

Heute ist die Fastenzeit für viele eher eine Zeit allgemeiner Einkehr und Reflexion. Die Bandbreite der Möglichkeiten ist groß. In der evangelischen Kirche gibt es die Aktion "Sieben Wochen ohne". Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto "Komm rüber! Sieben Wochen ohne Alleingänge" und will dazu anregen, die Gemeinschaft neu zu entdecken.

Was ist Klimafasten?

Anregungen für Klimagerechtigkeit und Umweltschutz dagegen will die Aktion "Klimafasten" der Kirchen geben, die in jeder Fastenwoche für ein anderes Thema sensibilisieren möchte. Eine Woche widmet sich etwa der Ernährung, eine andere der Mobilität.

Fasten: Digital Detox

Medienexperten empfehlen darüber hinaus eine "digitale Auszeit", also den bewussten Verzicht auf Fernsehen, Computer und Smartphone. Angesichts des steigenden Medienkonsums und seiner Folgen stößt dies bei vielen Menschen auf Resonanz, auch wenn sie nicht religiös sind. Um Kinder und Jugendliche zum Medienfasten zu animieren, sollten Familien aber gemeinsam festlegen, welche Geräte an welchen Tagen und zu welchen Zeiten Pause haben sollen.

Nach einer Umfrage der Krankenkasse DAK-Gesundheit von 2023 verzichteten 61 Prozent oder etwas weniger als zwei Drittel der Menschen in Deutschland schon einmal für mehrere Wochen gezielt auf ein bestimmtes Genussmittel oder Konsumgut. In der Verzichtsrangliste ganz oben stehen Alkohol und Süßigkeiten, gefolgt von Fleisch. Vielen geht es demnach vor allem um gesundheitliche Aspekte. Auch der Wunsch, weniger zu rauchen sowie weniger Medien zu konsumieren, spielte für die Menschen in der Umfrage eine große Rolle.

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Was bringt das klassische Fasten?

Beim klassischen Fasten, das nicht zwingend einen religiösen Hintergrund haben muss, wird für eine bestimmte Zeit völlig oder teilweise auf Essen verzichtet. Befürworter:innen versprechen sich davon Wohlbefinden, "Reinigung von Körper und Geist" - aber auch Gewichtsreduzierung sowie Entspannung.

Wenn der Körper keine oder weniger Nahrungsenergie erhält, stellt er sich auf den sogenannten Fettstoffwechsel um. Der Organismus greift seine Energiereserven an, vor allem die körpereigenen Kohlehydratreserven in Leber und Muskeln, Körpereiweiß und anschließend die Fettreserven. Fasten aktiviert die körpereigene "Müllabfuhr", die sogenannte Autophagie. Dadurch kann der Körper seine Zellen selbstständig reinigen, defekte oder schadhafte Moleküle werden abgebaut oder kleingehäckselt, und neue Energie wird gewonnen. Eine klassische Fastenkur dauert meist sieben bis zehn Tage.

Was sollte dabei beachtet werden - und hilft es beim Abnehmen?

Grundsätzlich gilt: viel trinken. Auch Bewegung ist bei einer Fastenkur wichtig, um Muskelabbau vorzubeugen. Gerade wer strikt fasten will, sollte zuerst mit einem Arzt sprechen. Das gilt vor allem bei Vorerkrankungen. Kindern, Schwangeren und Stillenden wird vom Fasten generell abgeraten.

Wer abnehmen möchte, dem helfen Fasten oder vorübergehende Diäten indes nur bedingt. Wer dauerhaft Gewicht verlieren will, muss seine Ernährung grundsätzlich umstellen und sich ausreichend bewegen. Eine Möglichkeit ist das Intervallfasten, bei dem über einen langen Zeitraum tage- oder stundenweise auf Nahrung verzichtet wird.