Giftwolke über Deutschland? Was steckt dahinter?

Große Wolke breitet sich über den Häusern einer Stadt aus
In sozialen Medien sprechen auffällig viele von einer Giftwolke, welche von Polen nach Deutschland zieht. Was ist dran?

Wenn aus mangelnder Kommunikation eine halbe Verschwörungstheorie wird: Seit Anfang der Woche kursieren in den sozialen Medien unzählige Meldungen über eine angebliche Giftwolke, die sich derzeit von Polen aus über Deutschland ausbreitet. Gezeigt werden Bilder eines Brandes und auch die passenden Schlagworte "Chemiebrand" oder eben "Giftwolke" lassen sensationslüsterne Menschen sofort in den Fingern kribbeln.

Doch was steckt wirklich dahinter? Müssen wir uns Sorgen machen? Nein, müssen wir nicht.

Brand in Einkaufszentrum, Mülldeponie oder Fabrik?

Tatsächlich berichtet "n-tv" Anfang dieser Woche von einem Großbrand im polnischen Einkaufszentrum "Marywilska" in Warschau. Fast alle der 1.400 Geschäfte seien ausgebrannt. Zeitgleich gab es Anfang Mai einen Brand in einer Fabrik in Berlin-Lichterfelde, über den in den sozialen Medien immer noch berichtet wird. Da TikTok & Co. nicht die zuverlässigsten Nachrichtenquellen sind, kann es hier zu einer Vermischung verschiedener Vorfälle gekommen sein.

Fakt ist, dass es drei Brände gab, zwei davon allerdings mehrere hundert Kilometer entfernt in Polen und jener in Berlin bereits vor zwei Wochen.

Gepaart mit einer Prise Social-Media-Sensationalismus wird daraus schnell eine virale Falschmeldung, Musik für die Ohren von Verschwörungstheoretiker:innen, die behaupten, dass der Bevölkerung etwas vorenthalten wird. Doch wie TikToker "HerrAnwalt" richtig berichtet, gab es auch in Polen einen Brand auf einer Mülldeponie (ORF berichtete), bei dem den Anwohner:innen geraten wurde, die Fenster zu schließen, wie es bei Bränden überall üblich ist.

Einige Videos präsentieren animierte Windkarten und auch solche, die zeigen, dass die Luft in bestimmten Regionen Deutschlands Mängel aufweist. Schon die ganze Woche weht ein Südostwind aus Polen nach Deutschland, aber eine offizielle Interpretation und Warnung durch Fachleute steht noch aus.

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