Rammstein & Till Lindemann: Schwere Vorwürfe erhoben

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Vorwürfe gegen Till Lindemann: Anwälte werden aktiv

Rammstein-Frontmann Till Lindemann sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Jetzt wurden Anwälte eingeschaltet.
Dario Bojic

Gegen die deutsche Rock-Band Rammstein werden schwere Vorwürfe erhoben. Eine Konzertbesucherin aus Irland berichtet davon, unter Drogen gesetzt und misshandelt worden zu sein. Beim Konzert am 22. Mai in Vilnius, Litauen, soll sie zu der Pre- sowie Afterparty der Band eingeladen worden sein. Weibliche Fans sollen für diese Partys extra im Vorfeld selektiert worden sein, lauten die Vorwürfe. Besonders der Frontmann der Band, Till Lindemann, steht im Fokus der sich noch entwickelnden Geschichte.

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Sex verweigert: Lindemann soll wütend geworden sein

In einer Reihe von Social-Media-Postings erklärte die Konzertbesucherin Shelby Lynn, ein Rammstein-Fan aus Irland, dass sie von einer vermeintlichen Mitarbeiterin des Teams, Alyona Makeeva, im Vorfeld zu den beiden Partys eingeladen wurde. Sie hatte Makeeva auf Instagram eine Nachricht geschrieben, woraufhin sie die Einladung erhielt.

In ihren Instagram-Highlights sammelte Lynn alles, was sie finden kann, um die Vorwürfe zu untermauern: Videos der Nacht, Augenzeugenberichte, Fotos und Chatverläufe. Auch andere Frauen sind hervorgetreten und haben ihre Geschichten geteilt, weitgehend mit relativ großen Ähnlichkeiten zu Lynns Erzählungen, die meisten jedoch anonym. Zahlreiche Fans mutmaßen nun, dass die geschilderte Art von Missbrauch und Selektion systematisch vom Team geduldet, gar unterstützt sei. Die konkreten Vorwürfe der Gewalt und Betäubung richten sich gegen das gesamte Organisationsteam der Band, eine Vergewaltigung wirft Lynn niemandem vor.

Laut Lynn soll Till Lindemann wütend geworden sein, als sie ihm (sie vermutet unter Drogeneinfluss) klargemacht hatte, dass sie keinen Sex mit ihm wolle. Er soll sie zuerst nicht gehen lassen haben. Am nächsten Tag habe Shelby am ganzen Körper blaue Flecken, Druckstellen und Handabdrücke festgestellt, Lindemann habe sie aber nicht angefasst. Die Konzertbesucherin hält fest, dass sie zu dem Zeitpunkt zwar getrunken hatte, die konsumierte Menge aber in keiner Relation zu ihrem "fast Zombie-artigen" Zustand stand. 

Einige Nutzer:innen auf Social Media werfen Shelby Lynn vor, alles nur aus Gründen der Aufmerksamkeit zu erfinden. Dieses streitet dies ab. Auf dem Rammstein-Subreddit wurde ihr erstes, erklärendes Posting sofort gelöscht und mit einer 90-tägigen Sperre bestraft, "sie solle sich nichts ausdenken", hieß es. Eine Kurzfassung ihrer Geschichte gibt es hier, ebenfalls auf Reddit.


 

Shelby führte ein mehrstündiges FaceTime-Telefonat mit der litauischen Polizei und versuchte, eigenen Angaben zufolge, alles, um mit zuständigen Behörden zusammenzuarbeiten. Bei den geheimen Partys seien Handys tabu, deswegen gestalte sich das Auftreiben von etwaigem Beweismaterial schwierig.

Till Lindemanns Exfreundin Sophia Thomalla spricht

Im Rahmen der Berichterstattung meldete sich auch die Exfreundin des Rammstein-Frontmanns Lindemann der deutschen "Bild" gegenüber zu Wort  –  Moderatorin und Schauspielerin Sophia Thomalla nimmt diesen in Schutz und sagte, dass alle Vorwürfe frei erfunden seien "von einer Person, die sich auf dem Rücken eines Rockstars für fünf Minuten Ruhm verschaffen möchte."

Offizielles Statement der Band

Mittlerweile gab die Band auch ein offizielles Statement zu den Vorwürfen rund um Till Lindemann ab und erklärte über Instagram, dass sie dies "sehr getroffen" hätte und sie die Situation "außerordentlich ernst" nehmen würden. Es sei ihnen wichtig, dass Fans sich bei ihren Shows wohl und sicher fühlen. Sie baten die Fans außerdem, keine Vorverurteilung vorzunehmen, da die Band auch Rechte habe.

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YouTuberin Kayla Shyx erzählt von Aftershowparty

In einem YouTube-Video erzählte die deutsche Influencerin Kayla Shyx, dass sie mit einer Freundin ein Rammstein-Konzert besuchte und dort von einer Frau angesprochen wurde, ob die beiden auf eine Aftershowparty gehen möchten. Anstatt auf die offizielle Aftershowparty geführt zu werden, wurden Kayla und Lena mit anderen Fans in einen kleinen Raum geführt, wo laut Shyx Angaben schon andere Frauen auf zwei Ledersofas saßen, einige davon hätten "benommen" gewirkt, wie "Zombie-Mädchen". "Auf einmal macht's Klick und ich denk mir: 'Digga, das ist grad gar nicht gut. Ich bin grad in einer gar nicht guten Situation'", erinnerte sich Shyx zurück. 

Die YouTuberin und ihre Freundin hätten sich sehr eingeschüchtert gefühlt, zudem mussten sie vor dem Betreten des Raumes ihre Handys abgeben. Eine andere junge Frau habe Shyx erzählt, dass Till Lindemann schon vor dem Konzert in den Raum gekommen wäre, um Frauen auszusuchen, die ihn sexuell befriedigen sollten.

Nachdem die Influencerin mit ihrer Freundin aus der Situation geflüchtet war, sollen die anderen Frauen aus diesem Raum angeblich zu Till Lindemanns Hotel gefahren worden sein. Die YouTuberin wäre schockiert gewesen, dass sie quasi für "eine Orgie rekrutiert" wurde, wie sie in dem Video erzählt. 

Die 21-Jährige betont, dass nie kommuniziert wurde, dass es bei dieser sogenannten Afterparty zu Sex mit Till Lindemann kommen sollte. Laut Shyx hätten ihr mehrere Frauen erzählt, dass sie ähnliche Erfahrungen mit dem Rammstein-Frontmann gemacht hätten. 

 

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Rammstein gehen Vorwürfen rechtlich nach 

Die Band hat laut Angaben der dpa nun beschlossen, selbst den Vorwürfen gegen Till Lindemann nachzugehen. Dafür haben die Musiker nach dem Tourstart in Vilnius in Litauen eine Anwaltskanzlei eingeschaltet. Es soll die Sachlage geklärt werden, die unter anderem auch den Einsatz von Drogen ohne dem Wissen der Beteiligten im Umfeld des Konzertes beinhaltet. 

 

Jene Anwaltskanzlei ist laut "ORF" nun damit beschäftigt, Bandmitglieder, die Crew und jegliche sonstigen Mitarbeiter:innen zu den Vorwürfen zu befragen. Auch die bekannten betroffenen Frauen sollen in den Prozess eingebunden werden. Da die Kanzlei jegliche Vorwürfe jedoch als "ausnahmslos unwahr" betitelt, werden wohl auch rechtliche Schritte gegen manche Frauen eingeleitet werden.

Von der "Backstagehelferin" bekannt als Alyona, welche mehrere betroffene Frauen beschrieben haben, soll sich die Band inzwischen getrennt haben.

Gleichzeitig will die Anwaltskanzlei auch gegen "unzulässige Verdachtsberichterstattung vorgehen", wie aus einem Medienstatement hervorgeht.  "Soweit gegen die Grundsätze der Verdachtsberichterstattung verstoßen wurde, werden wir auch hiergegen für unseren Mandanten umgehend rechtlich vorgehen", schreiben die Anwälte von Till Lindemann.

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Frauenministerin Raab meldet sich zu Wort

Im Zuge der Debatte kam auch die zwei im Juli anstehenden Rammstein-Konzerte in Wien ins Gespräch. Am 26. und 27. Juli sind jeweils Shows im Ernst-Happel-Stadion geplant, wofür trotz der Kontroverse nur noch wenige Karten übrig sind. Auch die ÖVP-Frauenministerin Susanne Raab meldete sich anlässlich auf Twitter: „Die Videos und Berichte vieler Frauen über sexuelle Gewalt bei Rammstein-Konzerten schockieren und machen mich sehr betroffen. Ich halte die Debatte in Deutschland über Möglichkeiten zum besseren Schutz von Frauen bei den Konzerten für richtig. Die Veranstalter und die Stadt Wien sind im Hinblick auf die geplanten Rammstein-Konzerte im Juli gefordert, geeignete Schutzkonzepte zu erstellen.“

Offizielle strafrechtliche Ermittlungen wurden bislang nicht eingeleitet. Es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Wer Erfahrungen mit Gewalt oder sexuellen Übergriffen erlebt oder in der Vergangenheit erlebt hat, kann sich kostenlos und anonym an die Frauenhelpline gegen Gewalt 0800/222-555, www.frauenhelpline.at, an die Onlineberatung für Mädchen und Frauen im HelpChat, www.haltdergewalt.at, an die Frauenhelpline für gehörlose Frauen, www.oegsbarrierefrei.at/bmf/hilfseinrichtungen/ oder an die Männerberatungsstelle unter 0720 / 70 44 00, https://www.maennerinfo.at wenden.