Zara Kampagne steht in Kritik: Erinnert an Gaza?

Unsplash Rue S

Zara Kampagne in Kritik: Erinnert an Leichentücher in Gaza

Eine Werbekampagne des Textilherstellers Zara steht in Kritik. Sie soll an Bilder von Leichen in Gaza erinnern.

Modeshoots bedienen sich vieler Inspirationen – oft verfolgen sie auch politische oder aktivistische Agenden. Im Falle der neuen Zara Kampagne mit dem Titel "The Jacket" stoßen sich viele Kund:innen jedoch an der Ästhetik. Diese erinnert sie nämlich an Bilder von Toten aus dem Gazastreifen, die in weiße Tücher eingewickelt gezeigt werden.

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Die Kampagne

Die Bilder, die laut Inditex bereits im September aufgenommen wurden (Am 7. Oktober eskalierte der Israel-Gaza-Konflikt), zeigen das amerikanische Model Kristen McMenamy, wie sie in einem Lederlook in einer Art Kunst-Studio posiert. Rings um sie sind halbfertige Statuen, Schutt, beschmierte Leinwände und Verpackungsmaterial. Manche dieser Statuen sind bereits eingepackt und scheinbar zum Transport bereit. Eine davon, eingewickelt in weißes Papier, hält das Model in den Armen und schaut fordernd in die Kamera.

Berichterstattung aus Gaza und weiße Leinentücher

Die Darstellung erinnerte einige Nutzer:innen an traurige Bilder aus dem Katastrophengebiet Gaza. Die Pressefotografien zeigen Menschen, die ihre Hinterbliebenen umarmen und auch die Menge an Toten, die der Krieg bereits gefordert hat. Leichen werden bei islamischen Bestattungen traditionellerweise in ein weißes Leinentuch eingewickelt, das Kefen genannt wird. Dieses ist regelmäßig in den Bildern aus Gaza zu sehen, wie "SZ" berichtet.

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Auf Social Media ging die Kampagne mittlerweile viral und wurde von Nutzer:innen stark kritisiert – unter dem #boycottzara wird sogar dazu aufgerufen, nicht mehr bei der Marke einzukaufen. In den Kommentaren Online werden Parallelen zwischen den Werbefotos und den Bildern aus Gaza gezogen. Die Mode-News-Seite "Diet Prada" beschuldigt Zara sogar des Anti-Palästina-Verhaltens und zitiert Kund:innen, die sich wundern, ob sich die Marke über Genozid lustig macht. Manche sollen sich sogar fast "verschwörungsmäßig" der Bildinspektion verschrieben haben und in den Zara-Fotos eine zusammengeknüllte Karte Palästinas im Schutt entdeckt haben wollen. Ob das so stimmt?

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Wie reagiert das Unternehmen?

Die Bilder wurden mittlerweile vom Unternehmen entfernt, mit der Erklärung, dass dies nicht gezielt passiert sei, sondern im Zuge eines "Content Refresh Process", also des Updatens von Inhalten auf der Startseite und der App passiert wäre. Zara veröffentlichte außerdem ein Statement über Instagram, in dem sich das Unternehmen bei allen entschuldigt, die es verletzt habe sowie den kreativen Ansatz der Kampagne erklärte. Zuvor wurden auch Vermutungen laut, dass es sich um gefälschte Bilder handelt. Nach "Watson" sei es aber unwahrscheinlich, dass die Bilder durch KI generiert, oder verändert wurden. 

Ähnliche Fälle wie diese gab es in der Vergangenheit bereits zuhauf: Der Vorwurf Balenciaga würde Pädophilie propagieren oder Anzüge von LOEWE, die Ähnlichkeit mit der Uniform von KZ-Häftlingen hatten, sind noch in unserer Wahrnehmung präsent. Sensibilität für politische Themen ist von Lifestyle-Unternehmen nun mehr denn je gefragt.