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7 Frauen erzählen, welche Tampon-Alternativen ihr Leben verbessert haben

"Ich weiß jetzt viel genauer über mein Blut Bescheid, weil es nicht einfach nur in einem Watteding verschwindet."

Wir Frauen verbringen monatlich drei bis sieben Tage mit unserer Menstruation – und das zirka 40 Jahre lang. Etwa 3000 Tage unseres Lebens menstruieren wir durchgehend. In dieser Zeit verbraucht eine Frau 10.000 bis 17.000 Tampons oder Binden, und das bedeutet Müll, Unannehmlichkeiten und Kosten für jede von uns. Denn nicht alle fühlen sich mit der Standard-Option Tampon wohl, manche fühlen sich nicht gut dabei, so viel Müll zu produzieren oder wollen Geld sparen. Kein Wunder also, dass sich (nachhaltige) Alternativen zum herkömmlichen Tampon großer Beliebtheit erfreuen. Da gäbe es zum einen die Menstruationstasse in verschiedenen Ausführungen, Soft Tampons, die oft auch als Schwämmchen bezeichnet werden, oder Binden.

Um abseits von blumigen Werbeclaims und alarmierenden Rezensionen zu erfahren, wie Frauen im Alltag mit Menstruationstassen, Binden oder Schwämmchen umgehen, haben wir nachgefragt.

Marie-Louise*, 27, verwendet den Ziggy Cup

Ich verwende den Ziggy Cup, das ist eine pinke Menstruationstasse, seit etwa einem halben Jahr. Ich war lange auf der Suche nach einer sauberen Möglichkeit, um auch während der Periode Sport machen und Sex haben zu können. Über YouTube bin ich dann auf den Ziggy Cup aufmerksam geworden. Im Gegensatz zu anderen Menstruationstassen ist er diskusförmig und hat eine dünnere Auffangschale. Anfangs war es ungewohnt, weil das Einführen ein bisschen weh getan hat und der Cup nicht richtig saß. Mittlerweile geht das Einführen in Sekundenschnelle und ist absolut unproblematisch. Beim Sport spüre ich ihn nicht und bisher ist auch noch nichts daneben gegangen. Auch beim Sex finde ich ihn super: Mein Freund meint, man spüre ihn als Mann zwar ein bisschen, aber das sei nicht unangenehm oder gar schmerzhaft.

Kontrapunkte: Wenn man den Cup herausnimmt, passiert es leicht, dass die Schale knickt und das Blut komplett ausläuft. Das Herausnehmen verursacht also eine ziemliche Sauerei, wenn man gerade stärkere Tage hat. Ich entferne den Cup immer unter der Dusche. Im Gegensatz zu anderen Mentruationstassen hat der Ziggy Cup nämlich auch keinen Stiel, an dem man ihn herausziehen kann. Für unterwegs finde ich ihn also nicht wirklich geeignet. Bei der Reinigung verwende ich heißes Wasser und einen sanften Toy Reiniger. Das Säubern ist extrem wichtig, da darf man nicht nachlässig sein. Die Verwendung des Cups ist somit mit mehr Aufwand verbunden, als Tampons es sind. Dafür ist er angenehmer zu tragen, man fühlt sich auch irgendwie sauberer und auch der Sex während der Periode ist entspannter. Zumindest für mich.

Bianca, 30, verwendet Binden

Schon seit dem Beginn meiner Periode, die ich mit 13 Jahren bekommen habe, habe ich Tampons verwendet, weil mir die dicken Binden einfach zu unangenehm waren. Mit Tampons habe ich mich dann viele Jahre durch meine Periode gehantelt, weil ich auch viel Sport mache und Binden da einfach sehr unpraktisch sind. Seit einigen Monaten greife ich allerdings hauptsächlich wieder zu dünnen, flexiblen Binden, weil meine Periode nicht mehr so stark ist wie noch vor einigen Jahren und ich seit einiger Zeit Tampons als sehr unangenehm empfinde. Besonders ärgerlich ist es für mich, wenn man auf Toiletten in der Arbeit oder in Lokalen keine Mistkübel findet, um gebrauchte Tampons oder Binden zu entsorgen.

Ich habe in den letzten Jahren meinen Lebensstil immer mehr ökologisch nachhaltig ausgerichtet, vor allem bei Kosmetika und Lebensmitteln, und bin daher auch auf der Suche nach Alternativen zu Tampons und Binden. Meine Freundin verwendet seit einiger Zeit Menstruationstassen, und schickt mir immer wieder 1+1-Angebote, aber bisher konnte ich mich dazu noch nicht überwinden, weil ich mir das Handling sehr schwierig vorstelle.

Rebecca, 29, verwendet unter anderem Schwämmchen

Je nachdem, wo ich bin, verwende ich die Menstruationstasse, Tampons oder Schwämmchen. Letzteres aber eher fürs Schwimmen, im Sommer, oder für Sex. Die Schwämmchen habe ich vor zirka zwei Jahren zum ersten Mal gekauft und benutzt. Ich bin in den Urlaub geflogen, wollte entspannt baden und während meiner Tage Sex haben. Ich hatte damals einen neuen Partner und wollte nicht alles vollbluten. Es ist ein ziemliches Gefummel, den Schwamm wieder rauszukriegen, aber insgesamt finde ich es sehr praktisch, ihn zu verwenden. Es hängt nichts raus, wenn du ins Meer läufst, und die Dinger sind eigentlich ganz verlässlich. Die meisten Typen, mit denen ich geschlafen habe, haben auch nicht gemerkt, dass da noch was drin ist.

Wenn ich anderen Frauen davon erzähle, machen sich die meisten Sorgen, dass der Schwamm in der Vagina verloren geht. Das kann aber eigentlich nicht passieren. Viele denken aber auch schon länger darüber nach, einen zu kaufen, und freuen sich darauf, Erfahrungsberichte abseits des Amazon-Panikspektrums zu lesen. So komplett für den Alltag würde ich ihn nicht empfehlen, weil man beim Rausnehmen schon echt aus der Hose steigen und in die Hocke gehen muss. Außerdem sind sie ziemlich teuer.

Alexandra, 28, verwendet eine Menstruationstasse und Stoffbinden

Ich verwende abwechselnd eine Menstruationstasse und Stoffbinden, da ich manchmal in der Früh Probleme beim Einsetzen der Tasse habe. Dann kommen Stoffbinden zum Einsatz, die trotz starker Blutung gut funktionieren. Ich verwende die Menstruationstasse seit zirka 2014, weil mir eine Freundin davon erzählt hat und ich begeistert war. Vor allem seit ich damals von Frauen gehört habe, die aufgrund von Tampons am Toxischen Schocksyndrom gestorben sind.

Ich fühle mich damit eigentlich sehr gut. Ganz zufrieden bin ich mit der Tasse nicht, aber vor allem im Sommer versuche ich sie zu verwenden, weil die Stoffbinden doch recht dick und auffallend sind. Im Winter bin ich sehr glücklich mit den Binden. Wenn die Menstruationstasse gut sitzt, ist es toll. Andere Frauen fragen mich oft nach meinen Erfahrungen und ihre Reaktionen reichen von sehr begeistert bis total angewidert. Manche finden vor allem die Stoffbinden total grausig. Ich hab damit null Problem. Einmal kalt auswaschen dann mit der restlichen 60-Grad-Wäsche waschen.

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Diana, 28, verwendet Binden

Ich verwende jetzt nur noch Binden. Dahinter steckt eine etwas längere Geschichte: Ich möchte nun weder Tampons noch Cups verwenden, weil ich fast das gesamte Jahr 2015 unter einer Gebärmutterentzündung gelitten habe – einer Entzündung, die durch Bakterien entsteht. Ich war damals verzweifelt und niemand konnte mir helfen.

Ich hatte damals gerade meine zweite Spirale – schon seit einem Jahr. Eine Kupferkette. Gerade während der Periode ist man besonders anfällig auf Bakterien, weil der Muttermund geöffnet ist und Erreger durch die Schnur der Spirale in die Gebärmutter eindringen und so eine aufsteigende Infektion verursachen können. Genau das ist mir passiert.

Mein Gynäkologe hat mir damals fünfmal Antibiotika verschrieben, die Gebärmutterentzündung kam aber jedes Mal wieder. Mein Freund wurde auch untersucht, er hatte nichts, wir hatten ein halbes Jahr Sexverbot. Mein Arzt hat stur weiter Antibiotika verschrieben. Ich denke, dass die Bakterien in den Elementen der Kupferkette von der Medikation verschont blieben und nach der Einnahme immer wieder ausbrechen konnten. Ich habe die Kupferkette dann entfernen lassen, was meine Vermutung bestätigte, weil die Entzündung danach nicht mehr aufkam.

Diesen Sommer habe ich mir wieder eine Kupferkette setzen lassen und achte nun peinlichst genau darauf, dass das nicht wieder passiert. Dazu gehört es auch, während der Periode nichts einzuführen, wo Erreger drauf sein könnten. Tampons und Cups sind daher für mich der absolute hygienische Albtraum. Ich spiele aber schon länger mit dem Gedanken, Stoffbinden zu kaufen und bin schon gespannt, ob die den Alltag mitmachen.

Anna, 28, verwendet Stoffbinden

Ich verwende Stoffbinden von “Erdbeerwoche”. Ich hab mir ein Starterpaket samt Täschchen gekauft – mit Binden und Einlagen für mittlere und starke Tage. Ich verwende das Ganze erst seit meiner letzten Periode. Ich wollte den Umstieg schon früher machen, aber man weiß ja, wie das ist.

Warum ich damit begonnen habe, ist simpel. Mir ging es hauptsächlich um den Umweltgedanken. Ich mach bei Foodsharing mit, versuche mich mit alternativen, bewussteren Lebenskonzepten auseinanderzusetzen und einer der größten Plastikmacher ist da nun mal die Regel. Allein die kleinen Hüllen von den Tampons sind eine Krux.

Und mir geht es damit super. Gerade als Mensch, der nicht immer genau pünktlich menstruiert, war es immer ziemlich bescheiden, Binden für die Nacht zu verwenden, ohne die Tage zu kriegen. Die Binden waren unangenehm und dann war es nur 'verbrauchter' Müll. Mit den Stoffbinden sieht das anders aus, die tragen sich echt komfortabel. Ich kann sie mit der Hand waschen, um das Blut rauszukriegen und dann bei 60 Grad in die Waschmaschine werfen.

Mit der Hand wasche ich sie aber nur dann, wenn sonst niemand da ist. Ist halt doch Blut. Es ist definitiv etwas ungewohnt, gerade weil uns ja auch die Industrie vorgaukelt, dass die Menstruation der Frau bitteschön blütenweiß gebleicht und sauber zu sein hat. Aber daran gewöhnt man sich sehr schnell. Ein paar Plastikbinden hab ich noch im Haus, den Rest bring ich bald der Gruft von der Caritas vorbei.

Johanna, 31 Jahre, verwendet eine Menstruationstasse

Seit mehr als zwei Jahren verwende ich eine Menstruationstasse. Ich hatte davon in Blogs und Artikeln gelesen und vor allem der Umweltaspekt sprach mich an: Ich habe teilweise recht starke Blutungen und hatte das Gefühl, richtig viel Müll zu produzieren.

Also habe ich mir nach ein wenig Recherche einen Rubycup bestellt. Als ich den Cup das erste Mal in der Hand hatte, dachte ich: Oh Gott, die Tasse ist ja riesig, das soll die kleinste Größe sein? Das Einführen und Rausholen muss man tatsächlich erst üben, das fand ich zunächst etwas mühsam. Auch, dass die Tasse wirklich an der richtigen Stelle sitzt und dicht hält. Ich fühlte mich zurückversetzt in die Teenager-Zeit, als öfter mal was schief ging und man ein bisschen Blut in der Hose hatte. Vor allem das Entfernen funktioniert einfach nicht, wenn man etwas angespannt ist. Ziemlich schnell hatte ich es jedoch raus und jetzt funktioniert es supergut.

Mit der Zeit habe ich dann bemerkt, wie gut der Cup nicht nur der Umwelt, sondern auch meiner Gesundheit tut. Gerade in den letzten Tagen, wo ich nicht mehr viel Blut verliere, trocknet ein Tampon einfach die Scheide aus und das Einführen empfand ich dann immer als unangenehm. Mit der Tasse ist das nicht so, sie tut mir an jedem Tag der Periode gut.

Ich kann mit Freundinnen sehr offen über das Thema sprechen. Ich war schnell so begeistert von meinem Cup, dass ich einige andere von dem Produkt überzeugt habe. Ich habe aber auch mitbekommen, dass ein paar wenige Frauen in meinem Umfeld es eklig finden, so direkt mit dem Blut in Berührung zu kommen. Meine Frauenärztin sagt: "Das ist super, man lernt seinen Körper nochmal anders kennen." Ich weiß jetzt viel genauer um die Menge und die Farbe meines Blutes an den verschiedenen Periodentagen Bescheid, weil es nicht einfach nur in einem Watteding verschwindet.

Die Vorteile sind so viele: Ich produziere keinen Müll während meiner Periode. Ich muss nicht an viel denken, wenn ich an den Urlaub fahre oder durchrechnen, wie viele Tampons ich wohl auf der Reise brauche. Ich packe einfach die Tasse ein und gut ist. Ich trockne nicht aus und spare richtig Geld.

 

* Name von der Redaktion geändert

Verena Bogner Quelle: k.at

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