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Satire-Projekt Blue Luluuu will Periodenarmut bekämpfen

Blue Luluuu war Österreichs satirische Antwort auf das Menstruationsprodukt Pinky Gloves. Aus Spaß wurde jetzt Ernst.

Nachdem das Start-up Pinky Gloves in der vergangenen Woche für Aufsehen sorgte, riefen Lea, Denise und Sophie kurzerhand das Satire-Projekt Blue Luluuu ins Leben. 

Sie kreierten unter dem Slogan "Wo ein Willi, da Einweg" eine Plastikflasche als Fake-Produkt, in die Männer unterwegs "problemlos urinieren" können. Angelehnt an Pinky Gloves wollten sie als "Frauen ein Männerproblem lösen", das sie aufgrund ihrer jahrelangen WG-Erfahrung mit Männern mitbekommen hätten. 

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Satire wird zu Hilfsprojekt

Innerhalb kurzer Zeit generierte das Satire-Projekt aus Wien mehr FollowerInnen auf Instagram, als das "Vorbild" Pinky Gloves erzielte. Nach einigen scherzhaften Produkterweiterungen, wurde aus dem Spaß voller Ernst: Blue Luluuu nutzt mittlerweile die Reichweite, um auf das Problem der Periodenarmut aufmerksam zu machen. 

Die Gründerinnen riefen dazu auf, ihre Spendenaktion für die "füreinand'-Mission" der Caritas Österreich zu unterstützen. Die Aktion sammelt Gelder, um obdachlosen und armutsbetroffenen Personen, die menstruieren, einen kostenfreien Zugang zu Menstruationsprodukten zu ermöglichen.

Ihr Ziel von 1.000 Euro wurde bereits am ersten Tag übertroffen, mittlerweile sind es mehr als 3.000 Euro, die Blue Luluuu sammeln konnte. Noch bis Sonntag, den 25. April, hat man über die Kampagne die Möglichkeit, zu spenden. 

"Wir haben wohl mit der Aktion zur passenden Zeit einen Nerv getroffen und etwas verbildlicht, das sich viele Menschen gedacht haben. Über die enorme Unterstützung und zahlreichen Spenden freuen wir uns unheimlich. Das zeigt uns, dass man mit Satire durchaus ernstzunehmende Themen kommunizieren kann", so das Blue-Luluuu-Team.

Was ist Periodenarmut?

Periodenarmut beschreibt das weltweite Problem, dass Menstruationsprodukte als Luxusgut angesehen werden und sich viele Menschen diesen Luxus nicht leisten können. Beispielsweise können laut einer Analyse von "FSG" 65 Prozent der Personen in Kenia, die menstruieren, keine Sanitärprodukte erwerben.

Auch wenn es keine erfassten Daten aus Österreich gibt, ist Periodenarmut ein bekanntes Problem, gegen das beispielsweise die Caritas ankämpft. Erst seit 2021 werden Menstruationsprodukte nicht mehr als Luxusartikel mit 20 Prozent besteuert – jetzt sind es noch 10 Prozent.

Was auf den ersten Blick fortschrittlich erscheint, ist im europäischen Vergleich immer noch rückständig: Beispielsweise führten 2020 öffentliche Schulen in England gratis Tampons und Binden für Menstruierende ein, in Frankreich sind diesbezüglich ebenfalls Testphasen an Unis angelaufen.

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Hass im Netz

Pinky Gloves wurde nach dem heftigen Backlash bereits vom Markt genommen. Die Gründer Raimkulov und Ritterswürden hätten neben konstruktiver Kritik auch eine Menge Gewaltandrohungen und Hassnachrichten erhalten, weshalb sie das Projekt mit sofortiger Wirkung beendeten. 

"Kritik – in unserem Fall in Form von Satire  – ist durchaus angebracht und wir finden, es ist legitim, wütend zu sein. Frauen* wird über das Leben hinweg beigebracht, immer freundlich zu sein. Wut hat keinen Platz im konservativen Frauen*bild. Dass sich diese aufgestaute Wut nun vielfach äußert, hat nicht nur unbedingt mit zwei naiven Cis-Männern oder einem Produkt ohne wesentlichen Mehrwert zu tun, sondern mit Kritik am Patriarchat, Kapitalismus und vielem mehr", meinen Lea, Denise und Sophie zu dem ausgearteten Diskurs über Pinky Gloves. Sie würden sich dennoch klar gegen Hass und Mobbing im Netz aussprechen. 

Von derartigen Anfeindungen ist Blue Luluuu bisher verschont geblieben. "Unter den Rückmeldungen gab es auch abwertende Kommentare, aber der Großteil war positiv. Bei Satire gibt es immer auch einen kleinen Anteil an Personen, der den Sarkasmus nicht als solchen erkennt", so die Gründerinnen. 

Die drei Frauen fänden vor allem die angestoßene Debatte in der Gesellschaft wichtig – die zwar von Pinky Gloves unbeabsichtigt losgetreten wurde, allerdings eine breite Masse aufgrund der medialen Aufmerksamkeit erzielte und von AktivistInnen aufgegriffen werden konnte.

Professionelle Hilfe 

Wer unter (Cyber-)Mobbing leidet, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits ein einzelnes Gespräch. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich rund um die Uhr kostenlos unter der Rufnummer 142 an die Telefonseelsorge wenden. Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt ÄrztInnen oder Beratungsstellen.

Mehr Informationen findest du auch unter saferinternet.at.