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"Vagina Detox Drink": Was steckt hinter dem TikTok-Trend?

TikTokerInnen teilen immer mehr Rezepte für "Kitty Drinks" für eine "gesunde" Vaginalflora. Helfen diese wirklich?

Auf TikTok gehen gerade Saftmischungen viral, die angeblich dafür sorgen sollen, dass die Vaginalflora intakt bleibt. Sogenannte "Vaginal Detox Drinks" verhelfen angeblich dazu, dass die Scheide "wunderbar riecht". Doch kann das wirklich gesund sein? 

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"Vaginal Detox Drinks" für eine gesunde Scheide? 

TikTokerInnen zeigen in ihren Videos Saftkuren und -mischungen, die auch als "Kitty Drinks" bekannt sind. Mit diesen Detox-Getränken soll unter anderem die Vaginalflüssigkeit sogar besser schmecken. In den Mixturen werden meist Cranberry- oder Ananassäfte mit Honig, Zimt, Zucker, Apfelessig oder Früchten wie Himbeeren gemischt. 

Laut den TikTok-Videos sollen diese Zutaten unter anderem auch den pH-Wert der Scheide ausgleichen.

Die Gynäkologin Dr. Sarah Welsh erklärte gegenüber "Metro", dass sich die Getränke positive Effekte haben können: "Die Inhaltsstoffe einiger der Getränke in den TikTok-Videos können sich positiv auf die Gesundheit der Vagina und des Intimbereichs auswirken."

Welsh erläuterte weiter: "Es gibt Studien, die zeigen, dass Verbindungen in Cranberrys den pH-Wert der Vagina ausgleichen können. Die saure Eigenschaft der Cranberry kann auch helfen, Bakterien zu bekämpfen, die Infektionen wie Harnwegsinfektionen verursachen." Laut der Ärztin sei es jedoch wichtig einen puren Cranberrysaft zu trinken. "Wenn du eine Infektion hast, können Cranberrys diese nicht heilen", warnte die Medizinerin. 

Laut Welsh würden einige Frauen auch gerne auf Apfelessig zurückgreifen, um ihren pH-Wert auszubalancieren oder gegen bakterielle Vaginose anzukämpfen. Die britische Expertin warnt jedoch, dass es keine wissenschaftlichen Beweise für den gesundheitlichen Nutzen von Apfelessig gibt. 

Laut "Netdoktor" versteht man unter der bakteriellen Vaginose eine "Störung des Gleichgewichts der natürlichen Scheidenflora durch Vermehrung potenziell krankmachender Keime unter Verdrängung der 'guten' Bakterien." Dabei können Beschwerden wie vermehrter Ausfluss, Brennen, Rötungen, Juckreiz und Schmerzen beim Sex auftreten. Diese wird meist mit Antibiotika behandelt, wie Frauenarzt Dr. Braune gegenüber k.at verriet

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Vorsicht vor Zuckerbomben! 

Wer glaubt, dass man durch Ananassaft kurz vorm dem Oralsex "besser schmeckt", täuscht sich. Laut Welsh können Lebensmittel zwar unsere Scheidenflora unterstützen, doch damit ein Unterschied wahrgenommen wird, müssen Früchte wie beispielsweise Ananas regelmäßig konsumiert werden. Dabei warnt die Ärztin jedoch, dass man nicht zu viele süße Drinks trinken sollte – denn in vielen der viralen TikTok-Rezepte steckt sehr viel Zucker, der der Vagina eher schaden könnte.

"Ein Übermaß an Zucker in der Ernährung kann Frauen zum Beispiel für Vaginalpilze anfällig machen", sagte Welsh. "Die Gesundheit Ihrer Vagina ist ein Spiegelbild Ihrer allgemeinen Gesundheit und Ihres Wohlbefindens. Ihre Ernährung ist ein Teil davon, aber das Trinken dieser so genannten 'vaginalen Entgiftungsgetränke' wird auf lange Sicht keinen großen Unterschied machen."

Da die Vagina ein selbstreinigendes Organ ist, bedarf es keiner aggressiven oder parfürmierten Waschlotions oder Cremen, um die Scheidengesundheit aufrechtzuerhalten.

  • Laut "Minimed" ist es vollkommen ausreichend, wenn man den Intimbereich mit warmen Wasser wäscht. Wichtig: Die Vagina niemals von innen waschen! Wasser hat dort nichts verloren, da sich sonst der pH-Wert der Scheide ändern könnte. 
  • Zudem sollte man immer auf Unterwäsche aus Baumwollen zurückgreifen, die nicht zu eng am Intimbereich sitzt. Um Bakterien effektiv abzutöten, sollte man seine Höschen immer mit 60 Grad waschen. 
  • Außerdem sollte man sich nach dem Toilettengang von vorne nach hinten Richtung Anus abwischen, um zu vermeiden, dass Bakterien in die Scheide gelangen.