APA - Austria Presse Agentur

Hubert von Goisern trotzte Corona in St. Pölten

"Zeiten und Zeichen" heißt das - gar nicht mehr so - neue Album von Hubert von Goisern, und mit den Zeichen der Zeit muss er derzeit mehr als zurechtkommen. Bereits der Tourauftakt am Freitag im Linzer Brucknerhaus war schwer gefährdet, ging aber mit einer gehörigen Portion Mut zum Risiko über die Bühne, so auch am Samstag im Festspielhaus St. Pölten. Vier von fünf Bandmitgliedern waren coronabedingt ausgefallen - schwierige Situation, mit Bravour gemeistert.

Noch am vergangenen Sonntag - fünf Tage vor dem Auftaktkonzert - fanden die Abschlussproben statt, am Montag dann der Anruf vom am Boden zerstörten Keyboarder: "Ich bin positiv." "Macht nix", gab Von Goisern zur Antwort, sie kämen auch ohne ihn zurecht. "I hoff, er hat sich gfreit über den Zuspruch." In den folgenden Tagen meldeten sich auch Bassist, Schlagzeuger und Gitarrist krank, übrig blieben Von Goisern - ein Genesener - und Maria Moling, ehemalige Mitstreiterin und ein Drittel des ladinischen Frauenpower-Trios Ganes. Am Donnerstag ein weiterer Anruf, ein befreundeter Musiker hätte gerne irgendwie noch eine Karte fürs Brucknerhaus. Huberts Gegenvorschlag: "Bring dein Instrument mit, dann darfst mitspielen."

Christoph Sietzen heißt der tapfere Mann, erster Träger des "Hubert von Goisern-Kulturpreises", der nach nur einer Stunde Probenzeit imstande war, auf Marimba, Schlagwerk und Keyboard einen Teil des Abends mitzutragen und dabei zu brillieren - nicht zuletzt mit einem atemberaubenden Solostück von Iannis Xenakis. "Ohne Corona hättet's das jetzt nicht ghört", gab Von Goisern dem Publikum zu bedenken.

Nur ganz vereinzelt verließen Zuschauer den Raum, nachdem klar wurde, dass der Abend anders als erwartet verlaufen wird. Seine Band in voller Stärke und ohne Infektion kann erfahrungsgemäß ganz schön druckvoll werden, in Notbesetzung spielt's das freilich nicht. Nur einmal schepperte das Interieur, als für "Sünder" E-Gitarre und alle vorhandenen Trommeln zum Einsatz kamen. Es wurde gejodelt, viel gejodelt, da konnte es schon passieren, dass der Chef selbst einen falschen Jodler anstimmte: Stresstest für den Ersatzmann. Es wurde ausgiebig, sehr ausgiebig erzählt von krankhaftem Lampenfieber, kurz entflammter Tanzleidenschaft und von Grönländern, die auf den Klimawandel warten, von dem alle reden.

Gut strecken lässt sich ein Konzertabend, wenn man Liedtexte von Songs vorliest, die nicht gespielt werden können. Da seien Sachen dabei, "die wär'n euch eh viel z'laut gwesen". Und da hat er wohl recht, denn der Abend war getragen von leisen Tönen ("Wenn i durchgeh durch's Tal", "Weit, weit weg") und humorigen, sinnlichen Erzählungen und Anekdoten. Und von zwei unterstützenden Musikerpersönlichkeiten, die mehrmals Sonderapplaus erhielten. Und von einem Hubert von Goisern, der sich unter diesen Umständen einen fast zweieinhalbstündigen, intensiven Abend zugetraut hat. Heute, Sonntag, gibt's ein Da-Capo in St. Pölten, nächste Woche findet die Tour in Deutschland ihre Fortsetzung.

Ein Konzert in noch minimalerer Besetzung geht nicht. Geht nicht? Mitnichten! - Auf der Donauschiff-Konzertreise 2008 erkrankte der Meister selbst, dennoch gab's ein Hubert von Goisern-Konzert, halt ohne Hubert von Goisern.

(S E R V I C E - Hubert von Goisern, "Zeiten & Zeichen-Tour", weitere Österreich-Termine: 3. April im Festspielhaus St. Pölten, 11. und 12. April im Stefaniensaal Graz, 13. und 14. April im Konzerthaus Wien, 11. Mai im Dogana Innsbruck, 14. Mai im Festspielhaus Bregenz; weitere Auftritte im Juli, August und November; www.hubertvongoisern.com)