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Lavendelbauern haben genug von InfluencerInnen, die ihre Felder zerstören

Für das perfekte Instagram-Foto werden Lavendelfelder in Frankreich flächenweise zertrampelt und ruiniert.

In einer Welt, in der Urlaubsziele oft nur aufgrund ihrer Instagram-Tauglichkeit ausgesucht werden, sind lila blühende Lavendelfelder ein echter Insta-Hotspot. Dass InfluencerInnen für ein besonderes Foto oft alles egal zu sein scheint, ist inzwischen kein Geheimnis mehr: Erst kürzlich sorgte ein sibirischer See für Aufsehen, der aufgrund von toxischem Abfall eine grell türkise Färbung aufwies – für einen Schnappschuss badeten InfluencerInnen trotzdem munter in dem giftigen Tümpel.

Den Schaden trugen sie im Endeffekt selbst davon – im Fall der Lavendelfelder im französischen Valensole sind es die Umwelt und die Bauern und Bäuerinnen, denen die Felder gehören, die in Mitleidenschaft gezogen werden. Fast 170.000 Beiträge findet man auf Instagram derzeit unter dem Hashtag #lavenderfields, viele davon werden in Frankreich aufgenommen. Die violette Traumlandschaft, die man auf den Bildern sieht, entspricht allerdings nicht ganz der Wahrheit.

Der Fotograf Paul Reiffer berichtet auf seinem Blog über Zustände, die man so nicht aus der Provence kennt. Reihenweise Autos, die am Straßenrand geparkt werden, mobile Garderoben, die für Kleiderschränke ungeachtet auf die Lavendelfelder gezerrt werden, FotografInnen auf Trittleitern, die sorglos in den Feldern platziert werden und diese dabei zerstören, InfluencerInnen, die einfach so riesige Sträuße aus Lavendel pflücken, der ihnen nicht gehört.

Reiffer schreibt weiter, er verstehe, dass sich durch Social Media eine neue Anschauung durchgesetzt habe. Der Gedanke, "dass, um im Leben zu gewinnen, man alle Ecken der Welt so schnell wie möglich gesehen haben muss und das anschließend [durch Fotos] beweist. Aber das war verrückt. Und unhöflich. Und egoistisch. Und absolut ekelerregend narzisstisch."

Wie ein Foto von Reiffer zeigt, wehren sich die ansässigen Lavendelbauern und -bäuerinnen inzwischen gegen den sorglosen Umgang mit den Feldern. Ein großes Schild zeigt die Aufschrift "Respect Our Work Please". Gegenüber einer niederländischen Tageszeitung sagen sie: "Unsere Herzen brechen, wenn wir sie durch die Felder springen sehen." 

Ähnlich erging es erst kürzlich holländischen GärtnerInnen, als unzählige Instagram-TouristInnen nach Holland reisten, um dort Tulpen-Selfies zu schießen. In England verlangen Lavendelbauern und -bäuerinnen inzwischen Eintritt für den Zugang zu ihren Feldern.

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