Screenshots via TikTok.com/@sebastiankurz.at

Was zur Hölle treibt Sebastian Kurz da auf TikTok?

Bühne frei für den Bundes-TikToker: Sebastian Kurz versucht sich auf der Gen-Z-Plattform als nahbarer Influencer.

Das war nur eine Frage der Zeit: Nachdem Sebastian Kurz Anfang 2020 aus bis dato unerfindlichen Gründen zum unverhofften TikTok-Star avancierte und die For-You-Pages österreichischer UserInnen plötzlich von fragwürdigen "Basti Short"-Fan-Edits geflutet wurden, feiert der Bundeskanzler nun auch höchstoffiziell Einzug auf der Plattform. Eine Woche nach Eröffnung folgen dem Account @sebastiankurz.at bereits knapp 100.000 UserInnen.

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Der Schritt macht Sinn: Auf Facebook, wo gefühlt nur noch deine Mutter aktiv ist, erreicht Sebastian Kurz knapp eine Million AbonnentInnen, ist damit dort der erfolgreichste österreichische Politiker. Auf Instagram, der präferierten Millennial-Plattform, zählt der Kurz-Account rund 370.000 FollowerInnen. Nun soll es wohl an die Gen Z gehen.

Ein TikTok-Profil ist für hochrangige PolitikerInnen (österreichische wie internationale) bislang noch nicht gang und gäbe. Weder Joe Biden noch Angela Merkel sind auf der Plattform unterwegs, als österreichische Ausnahmen sind der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (aktiv unter @bgm.michaelludwig) und der ehemalige FPÖ-Obmann Norbert Hofer (zu finden unter dem äußerst bitteren Benutzernamen @norberthofer1) zu nennen.

Dass jemand in Sebastian Kurz' Team erkannt hat, dass ein TikTok-Account auch für ein Regierungsoberhaupt nützlich wäre, ist somit eigentlich fast anerkennenswert.

Beim ersten Blick auf den offiziellen TikTok-Account von Sebastian Kurz fällt auf, dass hier nicht etwa unter minimalem Aufwand alte Instagram-Videos wiederverwertet werden, hier wird Content speziell für TikTok angefertigt und ausgespielt. Auf den Facebook- und Instagram-Seiten des Kanzlers sind meist dieselben Bildpostings und Texttafeln zu sehen – es wäre einfach gewesen, diese auch auf TikTok umzustülpen.

Stattdessen gibt es aber eigene Q&A-Runden, für TikTok typische Fancam-ähnliche Videomontagen in Zeitlupe, die stilecht mit generischer Vlogger-Musik unterlegt sind, und sogar Clips, die auf den Beat des viralen Songs "In Heat." von Hentai Xander geschnitten sind.

Die bekannte Influencerin @iamferv (knapp 18 Millionen FollowerInnen) nutzt denselben Song zum Beispiel, um ihre Urlaubseindrücke zu untermalen. Bei Sebastian Kurz sind es Aufnahmen seines Aufenthalts in New York. Volksnah! (Und ja, Hentai Xander kokettiert, wie der Name schon verrät, mit Porno-Mangas. No Kink-Shaming.)

Das Beste an Sebastian Kurz' TikTok-Account sind aber die Kommentare, die ihm von UserInnen unter seinen Beiträgen entgegnet werden. Thema Nummer eins: "Candy Crush", das ewige Kurz-Meme.

Seitdem der Bundeskanzler 2018 im Nationalrat gefragt wurde, ob er denn gerade am Handy spiele, anstatt zuzuhören, ist das Smartphone-Game zumindest in Österreich für immer und ewig mit Sebastian Kurz verbunden. Die am häufigsten gestellte Frage auf dem TikTok-Account des Bundeskanzlers, die aber wohl für immer unbeantwortet bleiben wird, lautet demnach richtigerweise: Herr Bundeskanzler, welches Level spielen Sie bei "Candy Crush"? Ein Grund mehr, die Gen-Z zu lieben.