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"Sei lieb - bete und gehorche": Was macht Warren Jeffs heute?

Habt ihr schon die Netflix-Doku "Sei lieb - bete und gehorche" gesehen? Wir verraten, was Warren Jeffs & Co. heute machen.

Triggerwarnung: In diesem Beitrag werden Gewalt, Missbrauch, Suizidversuche und Drohungen beschrieben.

 

Dass in Sekten schockierende, manipulative und tragische Dinge vor sich gehen, ist wohl jeder/m klar. Doch die Netflix-Doku "Sei lieb - bete und gehorche", die man seit letzter Woche auf dem Streaming-Dienst anschauen kann, hat mit den schockierenden Enthüllungen ganz schöne Wellen geschlagen: Vergewaltigungen, Zwangsheiraten mit Minderjährigen und vieles mehr sind dort passiert. 

Vermutlich fragt ihr euch auch, was die Personen der Sekte "Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints" heute machen.

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Darum geht's in "Sei lieb - bete und gehorche" 

Die Netflix-Doku erzählt von der Kirche "Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints" (FLDS) und ihrem Anführer Warren Jeffs, der unter anderem wegen Vergewaltigungen Minderjähriger derzeit hinter Gittern sitzt. 

Vorläufer der Sekte gibt es bereits seit 1830, ihren heutigen Namen erhielt sie 1991. Sie umfasst noch immer zwischen 6.000 und 10.000 Mitgliedern. Sie glauben fest an die Praxis der Polygamie und daran, dass Männer diese Lehre praktizieren müssen, um im Jenseits die höchste Stufe der Erlösung durch Gott zu erlangen.

Von 1986 leitete Rulon Jeffs die Sekte, bis er 2002 verstarb. Dann übernahm sein Sohn, Warren Jeffs, den Kult. Nur wenige Jahre später wurde er wegen der vielen Verbrechen, die er in seiner Position als selbsternannter Prophet begangen hat, festgenommen und inhaftiert. 

Das macht Warren Jeffs heute 

Laut der Netflix-Dokumentation war Warren Jeffs im Laufe seines Lebens an 67 Eheschließungen von Minderjährigen beteiligt. Er selbst war mit 78 Frauen gleichzeitig verheiratet, 24 davon waren minderjährig.

Aufgrund der Verbrechen, die er als Anführer der Sekte begangen hat, stand er im Mai 2006, neben Osama Bin Laden, auf der Top 10 Liste des FBI. Das berichtet "News Week". Für die Beteiligung an zwei Vergewaltigungen wurde er 2007 verurteilt. Diese Verurteilung wurde jedoch 2010 vom Obersten Gerichtshof des Bundesstaates Utah aufgehoben, da die Anweisungen der Geschworenen mangelhaft waren, wie "Good To Know" berichtet.

Kurze Zeit später stand der Sektenführer erneut vor Gericht. Dieses Mal im eher konservativ orientierten Texas aufgrund zwei (seiner zahlreichen) Vergewaltigungen von Minderjährigen. Ihm wurde vorgeworfen eine 12-Jährige und eine 15-Jährige sexuell missbraucht zu haben. Das Gericht hat ihn zur möglichen Höchststrafe verurteilt: Für den ersten Vorwurf erhielt er 100 Jahre, für den zweiten noch zusätzliche 20. Bei guter Führung kommt er aber schon am 22. Juli 2038 für eine Bewährung in Frage, wie "Bustle" mitteilt. Dann ist er 82 Jahre alt. 

2007 beging er einen Suizid-Versuch im Gefängnis in Utah. 2009 und 2011 musste er nach längerem Fasten medizinisch versorgt werden. In letzterem Fall mussten die GefängnisärztInnen in Texas Jeffs vorübergehend in ein künstliches Koma versetzen, um sein Leben zu retten. Außerdem erlitt Warren Jeffs 2019 einen Nervenzusammenbruch, wie "AP News" meldet. 

Trotz des Umstandes, dass Warren Jeffs ein verurteilter Straftäter ist und für den Rest seines Lebens im Gefängnis sitzen wird, hat sich kaum etwas an seiner Stellung in der Sekte getan. Nach wie vor wird er von vielen als Prophet angesehen. Aus diesem Grund leitet er auch immer noch die FLSD-Kirche und seine AnhängerInnen gehorchen ihm immer noch. Er hat also immer noch Macht über sie. 

Wie er mit seinen AnhängerInnen kommuniziert? Unter anderem über seine zwei Offenbarungen, die er veröffentlicht hat. Diese Offenbarungen sind Bücher, die aus tausend Seiten bestehen, in denen er seine Erfahrungen und Gedanken im Knast festhält. 

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So steht es um die "Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints"

Wie die Netflix-Doku zeigt, schaffen es nur wenige Mitglieder aus den Fängen der Sekte. Die, denen die Flucht gelungen ist, müssen sich meist für immer von ihren Geliebten verabschieden, da die Kirche öfter den Standort wechselt. 

 

Wer Erfahrungen mit Gewalt oder sexuellen Übergriffen erlebt oder in der Vergangenheit erlebt hat, kann sich kostenlos und anonym an die Frauenhelpline gegen Gewalt 0800/222-555, www.frauenhelpline.at, an die Onlineberatung für Mädchen und Frauen im HelpChat, www.haltdergewalt.at oder an die Männerberatungsstelle unter 0720 / 70 44 00, https://www.maennerinfo.at wenden.

Wer Selbstmordgedanken hat oder an Depressionen leidet, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits ein einzelnes Gespräch. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich rund um die Uhr kostenlos unter der Rufnummer 142 an die Telefonseelsorge wenden. Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt ÄrztInnen, Beratungsstellen oder Kliniken. www.suizid-praevention.gv.at