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So überlebst du Weihnachten bei den Eltern

Mach dich gefasst auf einen Haufen unangenehmer Fragen, Streit ums Auto und Computer-Sessions.

Das Ritual gehört zu Weihnachten wie der dreckige Schneegatsch oder unangenehme Menschen, die sich über „Last Christmas“ beschweren und immer noch so tun, als wäre dieser Hit nicht der beste Song der Welt: Das Nachhausefahren.

 

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Was auf den ersten Blick wie ein besinnliches, wunderschönes Weihnachtsfest mit der Familie aussieht, könnte für jeden Heimkehrer jedoch zur mehrtägigen Zen-Challenge werden. Denn wie jeder weiß, gibt es in dieser Zeit für jede und jeden von uns Hindernisse zu überwinden.

Deine ersten Gegner sind entfernte Verwandte, die idealerweise Namen wie Tante Traudi oder Onkel Manfred tragen und Sprüche loslassen, die du seit dem letzten Familienfest erfolgreich verdrängt hattest. So wird dich deine Tante selbstverständlich mehrmals fragen, ob du nun endlich einen Freund oder eine Freundin hast und – je nach Alter – wo denn die Enkerl bleiben würden.

 

Während du darüber nachdenkst, ob du lieber schnell eine Beziehung erfinden oder einen medizinischen Notfall vortäuschen sollst, kommt Onkel Sepp/Hans/Herbert schon mit der nächsten Sache um die Ecke: „Na du schaust aber gut aus.“ Wie wir alle wissen, ist dieser Satz der geheime Verwandtschafts-Code dafür, dass man zugelegt hat. Deine Familie weiß natürlich nicht, dass du neben deinen zwei wöchentlichen Vorlesungen deine Zeit mit Netflix & Chill (alleine!) verbringst und deinen Usi-Kurs noch nie besucht hast. Du erklärst ihnen irgendwas von wegen „Muskelmasse“, droppst Wörter wie „Massephase“ und „CrossFit“ und sie werden dich zumindest für kurze Zeit in Frieden lassen.

 

Hast du diese beiden Gegner erst einmal überstanden, kommt auch schon die nächste Hürde auf dich zu: das elterliche Auto. Weil du vermutlich in einem verlassenen Winkel des österreichischen Hinterlandes wohnst, wo du von Glück reden kannst, wenn der Postbus einmal täglich in die nächst größere Stadt fährt, brauchst du einen fahrbaren Untersatz. Dein Moped aus Jugendtagen ist längst nicht mehr funktionsfähig und für weitere Strecken mit dem Rad bist du zu unsportlich (siehe oben) – also bleibt nur noch das Auto deiner Eltern.

Um dieses Fortbewegungsmittel reißen sich während der Feiertage alle: Die Eltern wollen damit weg, deine Geschwister brauchen es „sehr dringend“ und auch du kannst nicht ohne leben. Versprich deiner Mutter Folgendes: Wenn du das Auto bekommst, schuldest du ihr einen Gefallen. Du weißt zwar, dass ein solches Arrangement einem Pakt mit dem Teufel gleicht, du bist jedoch verzweifelt.

Schon am nächsten Tag holt dich dein Versprechen vom Vortag ein – in seiner grausamsten Form: Deine Mutter bittet dich, ihren Computer einzurichten, alle ihre Geräte mit der Cloud zu synchronisieren und ihr zu zeigen, wie man in Microsoft Word zentriert schreibt. Diese Tasks scheinen an sich nicht unmachbar, Fragen wie „Brauchst du dazu ein WLAN-Kabel?“ und „Und meine ganzen Fotos schweben jetzt in einer Wolke?“ machen dir das Leben jedoch schwer.

 

Apropos schwer: Stelle dich ganz grundsätzlich darauf ein, dass deine Eltern dich wieder wie den nervigen Teenie behandeln werden, der du einmal warst. Ganz egal, wie sehr du dein Leben im Griff hast, deine Mutter und dein Vater werden im ultimativen Pubertäts-Flashback genauso mit dir reden wie damals und vergessen haben, dass seither viele Jahre vergangen sind.

Vergiss trotz all dieser Herausforderungen nicht, dass du zu Weihnachten nach Hause kommst, um Zeit mit deiner Familie zu verbringen. Also zettel keinen Streit an, halt dich so gut wie möglich an die geltenden Corona-Regeln, um niemanden unnötig in Gefahr zu bringen, und denk daran, dass du nicht alleine bist.