APA - Austria Presse Agentur

Zurück auf "Erd'": Roland Neuwirth präsentiert neues Projekt

Gut drei Jahre ist es her, dass Roland Neuwirth seinen Bühnenabschied verkündet hat. Aber wer wie der Wiener Sänger und Gitarrist für die Musik lebt, den lässt dieses Fieber nie ganz los. Entsprechend gab es bereits vor einiger Zeit ein Comeback mit dem Radio.String.Quartet. Mit diesem hat er nun das Album "Erd'" eingespielt, das Neuwirth und seine Kollegen am Mittwoch in Wien präsentierten.

"Es ging mir ja ab, das Singen. Und dann dachte ich: Wenn, dann mit ihnen", zeigte Neuwirth auf seine Mitmusiker. "Durch sie wird das Ganze auf eine eigene Ebene gehoben", beschrieb er die neuen Arrangements seiner Stücke durch das Streichquartett. "Es wird, wie ich finde, sehr veredelt, worauf ich stolz bin, weil sich diese wunderbaren Musiker dafür hergegeben und viel Arbeit investiert haben. Das ist eine große Ehre für mich. Sie sind sehr viel jünger als ich, also besteht die Möglichkeit, dass, wenn ich schon längst unter der Erd' bin, das vielleicht noch eine Zeit lang nachklingen wird."

So ist es auch Neuwirths Stimme, die auf "Erd'" gewissermaßen den Ton angibt, während das Radio.String.Quartet - bestehend aus Bernie Mallinger, Igmar Jenner, Cynthia Liao und Sophie Abraham - das sorgsam instrumentierte Bett für ebendiese bereitet. Die sieben Stücke sind gleichermaßen eingängig wie anspruchsvoll geraten, zeigen sich teils dunkel-nachdenklich ("Unser Ana im Nirvana"), dann wieder gleichermaßen süß wie melancholisch ("In dem Herbst"). Was besonders auffällt und gefällt: Neuwirth und seine Mitmusiker fordern Aufmerksamkeit ein, geben sich nicht mit Schnellschüssen zufrieden. Da darf etwa der "Dodndaunz" beinahe neun Minuten die Spannung halten.

Wobei der Sänger selbst "ganz andere Lieder" ausgesucht hätte, wie er schmunzelnd zu verstehen gab. "Hauptschuld hat schon Bernie. Er meinte, es muss thematisch genau passen, also dürfen zur Erde keine lustigen Sachen kommen. Also bitte, ich habe es sie aussuchen lassen. Sie sind ganz brutal und gehen an die musikalische wie textliche Substanz: Wenn es etwas hergibt, machen sie es, sonst nicht."

Für das Radio.String.Quartet wiederum ist die Beschäftigung mit Stimmen keineswegs neu, sondern integraler Bestandteil - singen die Musiker doch teils selbst. "Der Gesang war von Anbeginn wichtig für uns. Ob ein Projekt dann Stimmen bekommt oder nicht, entscheiden wir je nachdem, wo wir hinkommen", betonte Mallinger. "Erd'" ist nun der Auftakt zu einer vierteiligen Reihe über die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft. "Und die Erde verbinden wir mit unserer musikalischen Heimat. Da war uns nichts näher, als es mit Roland zu machen. Seine Texte sind unvergleichlich gut", so Mallinger, der ebenso wie Jenner auch Teil von Neuwirths Extremschrammeln war.

"Die Lieder, die Roland geschrieben hat, bestehen ja schon. Beim Arrangieren haben wir dann versucht, die Essenz rauszufiltern und dadurch ein bisschen zu abstrahieren", gab Jenner einen Eindruck vom Entstehungsprozess. "Im Endeffekt ist es darum gegangen, Musik, die schon da ist, durch unsere Ohren zu filtern und zu schauen sowie zu hören, was uns wirklich wichtig ist." Letztlich habe man eine "eigene Welt gebastelt, um das bestehende Material".

Neuwirth, der sowohl solo als auch mit Formationen wie den Extremschrammeln als Erneuerer und prägender Vertreter des Wiener Lieds gilt, hat im Laufe seiner Karriere mehr als 300 Stücke komponiert. Der Musiker, der am 31. Oktober seinen 70. Geburtstag feiern wird, ist dem Publikum aber auch durch Auftritte in TV-Serien wie dem "Kaisermühlen Blues" ein Begriff. Das Radio.String.Quartet wiederum besteht seit 15 Jahren und will für sein "Quadrologie"-Projekt jährlich ein neues Album veröffentlichen. Live werden Neuwirth und das Quartett ihre Zusammenarbeit u.a. im Wiener Konzerthaus präsentieren, so etwa am 10. November bei einem Auftritt anlässlich des 70ers der Wiener Musiklegende.

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