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Beziehungspause: Wann die Trennung auf Zeit Sinn macht

Egal, warum sich ein Paar für eine Auszeit entscheidet: Es ist wichtig, den Rahmen zu definieren.

Kommt ein Paar zum Urteil, dass die Partnerschaft nicht mehr läuft, liegt die Idee einer Auszeit nahe. "Beziehungspausen entstehen aus unterschiedlichen Situationen heraus", weiß Paarberater Eric Hegmann. Ein häufiger Auslöser ist ein Seitensprung, der ans Licht kommt und die Emotionen brodeln lässt.

Eine Pause ist da oftmals für beide Seiten hilfreich: So kann die Partnerin oder der Partner, die/der betrogen hat, herausfinden, ob sie oder er die Beziehung weiterführen möchte. "Und auch der Betrogene kann die tiefe Verletzung und die damit verbundene Frage in Ruhe verarbeiten", so Hegmann.

Auch bei Paaren, die ständig streiten, kann die Idee einer Auszeit aufkommen. "Durch die räumliche Distanz fallen die Streitauslöser erst einmal weg", sagt Psychotherapeut Ludwig Schindler. Ohne ständige Debatten, wer sich um den Wocheneinkauf oder die Impftermine für das Kind kümmert, kehrt Ruhe ein. Mit etwas Abstand kann das Paar so klären, was schiefläuft.

Egal, warum sich ein Paar für eine Auszeit entscheidet: Es ist wichtig, den Rahmen abzustecken. "Das fängt bereits bei der Frage an, ob beide die Beziehungspause wirklich wollen", sagt Paartherapeutin Antje Ritter-Nissen. Das Paar sollte sich darüber verständigen, was es von der Auszeit erwartet. "Das ist selten das Gleiche", sagt Ritter-Nissen.

Trennung anstreben

So kann es vorkommen, dass einer der Partner - bewusst oder unbewusst - die Trennung anstrebt, während der andere die Liebe retten will. "Eine Auszeit ist nur sinnvoll, wenn beide bereit sind, an sich und der Beziehung zu arbeiten", erklärt die Paartherapeutin.

Auch die Dauer sollten Paare vereinbaren. Eric Hegmann rät dazu, mindestens vier Wochen anzupeilen: "Alles darunter ist nicht wirklich eine Pause, sodass man stattdessen auch überlegen kann, alleine in den Urlaub zu fahren." Zu lange sollte die Auszeit aber nicht dauern – gerade, wenn das Paar währenddessen keinen regelmäßigen Kontakt pflegt. Sonst besteht die Gefahr, die Bindung zueinander zu verlieren.

Stichwort "Bindung": Die Partner sollten absprechen, ob sie Funkstille oder freundschaftlichen Austausch bevorzugen, rät Schindler. Oft lässt sich Kommunikation nicht vermeiden – wenn etwa wichtige Post für den Partner im Briefkasten liegt. Um sich nicht zu entfremden, ist es ratsam, über das Organisatorische hinaus Kontakt zu halten. "So könnte man sich etwa alle ein, zwei Wochen treffen und etwas Schönes unternehmen", schlägt Schindler vor.

Um eine Eskalation zu vermeiden, sollte man dabei nicht sofort die kritischen Themen auf dem Tisch ausbreiten. Bestenfalls gelingt es dem Paar, einen entspannten Umgang aufzubauen. Vorteil: Auf dieser Basis können die PartnerInnen bereits während der Pause Lösungen entwickeln, die es einfacher machen, wieder in die Partnerschaft einzusteigen.

Weitere Themen, die im Vorfeld verhandelt werden sollten, sind die Wohnsituation und die Frage, ob Flirts und Intimitäten mit anderen erlaubt sind. Auch ein Blick in den Kalender schadet nicht: "Steht in wenigen Wochen ein Geburtstag im Freundeskreis an, sollte man klären, wie man damit umgeht", so Ritter-Nissen.

Zeit und Wunden

Die Zeit heilt alle Wunden: Sich bei Beziehungspausen auf dieses Sprichwort zu verlassen, ist keine gute Idee. Sitzt ein Paar seine Krise einfach aus, bleibt nach der Pause alles beim Alten. Daher ist während der Auszeit Arbeit an der Beziehung gefragt. Was will ich eigentlich? Was wünsche ich mir in der Beziehung, traue mich aber nicht, es anzusprechen? Diese Fragen können helfen, zu erkennen, warum in der Beziehung Unzufriedenheit entstanden ist. Diese Bedürfnisse zu bestimmen und zu äußern, ist nicht immer einfach.

"Daher ist es sinnvoll, sich Hilfe zu holen – selbst, wenn es nur wenige Sitzungen bei einem Paartherapeuten sind", so Ritter-Nissen. Um die Beziehungspause zu reflektieren, können die Partner Tagebücher führen. "Dort dokumentieren sie ihr Alleinsein, notieren also, was sie vermissen und was ihnen an der Auszeit guttut", beschreibt Ritter-Nissen. Das Tagebuch kann ein Ausgangspunkt sein, um nach der Auszeit ins Gespräch einzusteigen.

Ist die Auszeit verstrichen, muss das Paar klären, wie es weitergeht. "Man kann eine Auszeit als Einschnitt verstehen, der einen Neuanfang markiert", beschreibt Schindler. Doch längst nicht allen Paaren gelingt es, wieder zusammenzufinden. Dann wird aus der Auszeit das endgültige Aus. Das ist meistens der Fall, wenn es den Partnern nicht gelingt, mit ihren Konflikten umzugehen – oder wenn einer der Partner seit Beginn den Plan verfolgt hat, sich zu trennen.

"Schlimmstenfalls führt das zu einer Spirale von On-Off-Beziehungen", warnt Hegmann. Diese ließe sich nicht durch Abwarten durchbrechen, sondern nur durch Veränderungen – oder einen Schlussstrich.

Um herauszufinden, ob ein Paar noch eine Perspektive hat, ist ein ehrliches Gespräch notwendig. Dabei sollten sich die Partner auch über grundsätzliche Werte verständigen: "Wenn einer von beiden viel Wert auf Karriere legt, während der andere ein Familienmensch ist, sollte man sich fragen, ob das langfristig vereinbar sind", sagt Hegmann. Im Optimalfall ist eine Beziehungspause eine Chance, sich mit der Partnerschaft auseinanderzusetzen. Ob im Anschluss ein Neuanfang oder das Aus die bessere Lösung ist, ist eine individuelle Entscheidung.

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