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Wie der Lockdown unsere Aufmerksamkeitsspanne beeinträchtigt

Die Pandemie setzt uns alle permanent unter Druck. Durch unseren veränderten Alltag leidet auch unsere Konzentration.

Man könnte meinen, dass uns die Lockdowns seit 2020 angespornt haben, produktiver zu sein oder neue Hobbys anzugehen. Doch in Wahrheit fällt es uns in letzter Zeit ziemlich schwer, zwei Seiten unseres Buches zu lesen, ohne auf unser Smartphone zu sehen. Hat sich unsere Aufmerksamkeitsspanne verkürzt und was hat der Lockdown damit zu tun? 

Verlängerte Flucht- oder Kampfreaktion aktiv

Wie das Online-Portal "Metro UK" berichtet, ist bei uns Menschen schon seit einem Jahr eine verlängerte Flucht- oder Kampfreaktion aktiv. Das bedeutet, dass unser Körper zwar die ganze Zeit bereit ist, etwas zu tun – es uns jedoch schwerfällt, uns auf eine Aufgabe zu konzentrieren, weil wir ständig aufgeregt sind.

Die Psychologin Emma Kenny erklärt gegenüber "Metro", dass es ganz normal ist, dass wir uns seit einem Jahr in der Pandemie ängstlicher fühlen. Wir bekommen ständig vermittelt, dass wir uns Sorgen machen müssen, dass unsere Liebsten an Corona erkranken, wir unseren Job verlieren könnten oder dass sich der Lockdown negativ auf die Schullaufbahn unserer Kinder auswirkt. Laut Kenny ist es absolut normal, sich ängstlicher zu fühlen als sonst. 

Da wir uns permanent in einem Zustand der höchsten Alarmbereitschaft befinden, ist es schwieriger als sonst, uns auf bestimmte Dinge zu fokussieren.

Die britische Mindset-Coachin Ruth Kudzi erklärt gegenüber "Metro": "Die Forschung zeigt, dass Stress unser Gedächtnis und unsere Kapazität und Fähigkeit, Informationen abzurufen, beeinträchtigt. Das kann zu Vergesslichkeit und Konzentrationsschwierigkeiten führen. Dieses Phänomen wird als 'Gehirnnebel' bezeichnet."

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Unser Verstand ist überfordert

Unser Verstand fühlt sich im Moment überfordert und wird überstimuliert, da in unserem Umfeld viel passiert. Wir haben während der Pandemie eine Menge zu verarbeiten, kommen dabei jedoch nie zur Ruhe. Homeoffice, Home-Schooling und finanzielle Probleme zerren an unseren Nerven und führen dazu, dass wir das Gefühl haben, "mit unseren Gedanken ganz woanders zu sein". 

Nach der Arbeit verbringen wir unsere Freizeit gleich wieder vor dem Fernseher, PC und Laptop, da wir nicht einmal mehr ins Büro pendeln müssen. Die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben verwischt: Das bedeutet, dass unsere Gehirne die ganze Zeit arbeiten, und das macht uns zu schaffen. 

Abgesehen davon kommt noch die Technikmüdigkeit hinzu. Den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen und von einem Zoom-Meeting zum nächsten zu springen, kann das Gehirn wirklich erschöpfen – das kann auch bedeuten, dass man schlechter schläft und kraftlos in den nächsten Tag starten muss. 

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Vier Tipps gegen den Lockdown-Blues 

Wir fühlen uns wie in einem Hamsterrad gefangen und haben das Gefühl, dass wir denselben Tag erneut durchstehen müssen. Die britische Psychologin Emma Kenny hat gegenüber "Metro UK" vier Tipps verraten, die gegen den Lockdown-Blues helfen: 

  • Führe eine neue Routine ein: Wenn du bestimmte Aufgaben oder Handlungen wiederholst, dann prägen sie sich in dein Gedächtnis ein. Wenn du dir eine Routine zulegst, die du täglich wiederholst, trainierst du gleichzeitig deine Konzentration. Unser alter Alltag wurde durcheinander gebracht, jetzt liegt es an uns, einen neuen zu kreieren. Nimm dir also genug Zeit zum Frühstücken, plane eine gewisse Zeitspanne ein, um zu meditieren oder ein Workout zu machen, und lege auch regelmäßig PC-Pausen ein.
  • Trinke genug Wasser: Genug Flüssigkeit ist das "Benzin" für unser Gehirn. Wer am Tag 1,5 bis zwei Liter trinkt, kann seine Konzentration ankurbeln und besser arbeiten.
  • Nimm dir jeden Tag bestimmte Aufgaben und Ziele vor, die du erreichen willst. Egal ob es den Haushalt oder deine Arbeit betrifft – am Ende des Tages wirst du dich produktiver fühlen. 
  • Geh täglich mindestens eine Stunde an die frische Luft: Tageslicht ist wichtig für unsere Gehirnzellen. Wer den ganzen Tag in der Wohnung sitzt, kann schnell unter einem Lagerkoller leiden. Nimm dir täglich eine Stunde Zeit, an die frische Luft zu gehen – auch wenn es kalt ist oder regnet! Dur wirst sehen, dass sich deine Konzentration, Produktivität und Stimmung verbessern werden.