APA - Austria Presse Agentur

Psychologin: Die Corona-Krise macht uns stark

Die momentane Ausnahmesituation ist für viele Menschen belastend: weitgehende soziale Isolation einerseits, viel Zeit auf engstem Raum mit der Familie andererseits. In beiden Fällen brauche es neue Strategien, um mit der neuen Situation umzugehen, erklärt die Verhaltenstherapeutin Carmen Cihelna im Gespräch mit der APA. Dies biete aber auch Chancen und mache uns resilienter.

Durch die Isolation ist man von regelmäßiger Routine und bekannten Bewältigungsstrategien ("Copingstrategien") abgeschnitten. Jeder Einzelne sei deshalb gefordert, sich neue Strategien zu erarbeiten und zu überlegen, auf welcher Ebene diese ausgeführt werden können, sagt Cihelna. Anstatt etwa mit der Freundin ins Café zu gehen, könne der Austausch virtuell erfolgen. Auch immer mehr Sportangebot werde online angeboten.

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"Im besten Fall erkennen wir ganz neue Strategien", betont die Psychologin. Zwar seien wir derzeit mit einer völlig neuen Situation konfrontiert, die uns zunächst vulnerabler mache. "Doch wenn wir lernen und adaptieren, können wir viel widerstandsfähiger werden und gestärkt aus der Situation rausgehen", erklärt sie. Wichtig sei auch, gerade jetzt nachsichtiger mit und netter zu sich selbst zu sein.

In punkto Isolation gebe es zwei Gruppen: Jene, die alleine sind und wohnen, die eher Gefahr laufen, bei längerer sozialer Isolierung zu vereinsamen. Allerdings: Zu "tiefer Vereinsamung" komme es erst, wenn tatsächlich länger kein oder nur wenig Kontakt gegeben ist, "eine Woche ist da zu kurz". Wann genau der Zeitpunkt sei, hänge von den jeweiligen Prädispositionen ab, so Cihelna.

Die zweite Gruppe sind Familien und in Partnerschaft lebende Menschen. Hier könne Stress durch die "Dichte des Kontakts" entstehen, weil man keine Rückzugsmöglichkeiten, keine Möglichkeiten zur Auszeit hat, sagt die Expertin. "Man wird nervös, innerlich unrund." Ärger und Frust seien relativ "normale Emotionen", aber sobald es in Richtung Gewalt geht, sei dringend Hilfe von außen gefragt.

Neu auftretende Schlaf- oder Konzentrationsproblemen sowie physische Symptome wie beispielsweise erhöhter Blutdruck sind laut Cihelna ebenso erste Anzeichen von Stress. "Nachrichten einschränken ist hier mittlerweile ein ganz wichtiges Thema. Nicht jede Nachricht ist eine sinnvolle und vor allem sollte auch die Häufigkeit des Konsums reduziert werden."

Andere Copingstrategien, die die Psychologin empfiehlt, sind das Führen eines Tagebuchs über die soziale Isolation, Aufnehmen von Videos für Freunde oder Familie oder das Erstellen einer Liste für die "Zeit danach". Die Antwort auf die Frage 'Was ist das erste, das ich machen werde, wenn ich mich wieder frei bewegen kann?' könnte etwa Teil eines "Visionboards" sein, das zu Hause aufgehängt wird. Anderen, möglicherweise einsamen, Menschen könne man helfen, indem man jeden Tag zur gleichen Uhrzeit anruft, um diesen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind.

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