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Psychotherapie: So findest du einen kassenfinanzierten Therapieplatz

Die Nachfrage nach Psychotherapie steigt in der Pandemie an. So findest du einen von der Krankenkasse finanzierten Therapieplatz.

Seit der Corona-Krise sind Depressionen immer häufiger geworden. Laut Untersuchungen der Donau-Universität Krems leidet rund ein Viertel der Bevölkerung an depressiven Symptomen, 23 Prozent an Angststörungen und 18 Prozent haben mit Schlafstörungen zu kämpfen. Seit der letzten Erhebung im September sei die Belastung nochmals gestiegen. Besonders betroffen sind junge Erwachsene. 

Die Nachfrage nach Psychotherapie ist dementsprechend hoch. Kassenfinanzierte Plätze gibt es allerdings wenig. Wer keinen bekommt, darf zumindest mit einem Zuschuss seitens der Krankenkasse rechnen. Wer beispielsweise bei der ÖGK versichert ist und seine Psychotherapie-Stunde selbst bezahlt (meist etwa 120 Euro), bekommt derzeit einen Zuschuss von 28 Euro. Viele können sich ihren Therapieplatz aber auf Dauer nicht leisten. 

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Psychotherapie auf Krankenschein: Die Wartezeit ist lang

"Die Kontingente an kassenfinanzierten Psychotherapieplätzen variieren von Bundesland zu Bundesland", so Dr. Peter Stippl, Präsident des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie. 

Der Verband fordert seit vielen Jahren, Psychotherapie auf Krankenschein anzubieten. Mit der Initiative "Mehr Psychotherapie jetzt" soll mehr Aufmerksamkeit für das Thema geschaffen werden. Einige der Kontingente wären seit der Pandemie von der ÖGK leicht erhöht worden.

Das Ziel, all jenen eine krankenkassenfinanzierte Psychotherapie anbieten zu können, die an psychischen Beschwerden leiden, läge aber noch in weiter Ferne, so Stippl. "Derzeit gibt es für etwa 40 Prozent der Betroffenen einen Psychotherapieplatz auf Krankenschein", erklärt Stippl. Für einen dieser Plätze müssen viele aber eine längere Wartezeit in Kauf nehmen.

Wie findet man eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten?

"Häufig auf Empfehlung von Bekannten oder FreundInnen", meint die Wiener Psychotherapeutin Bea Pall.

Manchmal helfe auch eine einfache Google-Suche: "Am besten einfach Schlagwörter, die das Leiden beschreiben und den Bezirk eingeben. Über die Website der Therapeutinnen und Therapeuten kann man sich dann schlaumachen, welche Schwerpunkte zu den eigenen Bedürfnissen passen", so Pall. Oft helfe auch das Foto, um einschätzen zu können, ob man den Psychotherapeuten oder die Psychotherapeutin überhaupt sympathisch findet.

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Wie komme ich zu einem kassenfinanzierten Platz?

"Wenn man dann jemanden gefunden hat, kann man dem Therapeuten oder der Therapeutin eine Email schreiben oder anrufen und mit ihm oder ihr besprechen, ob und wann eine Sitzung stattfinden kann." Hier könnt ihr auch angeben, ob ihr auf Dauer einen krankenkassenfinanzierten Platz sucht und fragen, ob noch Kontingente frei sind. Studierende zahlen übrigens weniger für eine Sitzung.

Ansonsten erfolgt die Suche über das Online-Portal psychotherapie.atHier könnt ihr auch bei einer Hotline anrufen. Danach wird man bei einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin im jeweiligen Bezirk auf die Warteliste gesetzt.

In Wien ist der Landesverband für Psychotherapie (WLP) eine gute Anlaufstelle, um sich zu informieren. Es gibt zwar derzeit keine Liste, die die freie Kassenplätze ersichtlich macht, man kann sich aber zusätzlich bei zwei Versorgungsvereinen erkundigen:

 

 

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Zusammenfassung: Wie komme ich zu einem Kassenplatz?

  • Bei Online-Plattformen suchen oder Infolines anrufen
  • In Wien: über zwei Versorgungsvereine
  • Direkt bei PsychotherapeutInnen anfragen, ob Plätze frei sind

Wenn du mit akuten Problemen zu kämpfen hast, kannst du dich auch jederzeit an die Telefonseelsorge unter 142 wenden – rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym.