APA - Austria Presse Agentur

Rassismus ist auch in Österreich Realität

"Struktureller Rassismus ist eine österreichische Realität."

Die Öffentlichkeit müsse dies zur Kenntnis nehmen, sagt die Rassismusforscherin Beatriz de Abreu Fialho Gomes. Zwar nehme die Auseinandersetzung mit dem Thema zu, doch sei Rassismus bereits ein "etabliertes System", so Gomes im Gespräch mit der APA. Tagtäglich würden österreichische Staatsbürger rassistische Diskriminierung erfahren.

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In der Regel werde Rassismus als eine Aufeinanderfolge von Ereignissen, wie etwa rassistischen Beschimpfungen, Racial Profiling (das Kontrollieren von Menschen auf Grundlage von Stereotypen und äußerlichen Merkmalen) Ermordung oder Genozide wahrgenommen. Rassismus sei aber ein "etabliertes System, das erst ein rassialisiertes Denken konstruiert, das Diskriminierung wie Privilegien generiert und gesellschaftliche asymmetrische Verhältnisse aufrechterhält", erklärt die Wissenschafterin, die am Institut für Afrikanistik der Universität Wien lehrt. Dazu trage auch die Politik bei, die zwar rassistische Vorfällen "zutiefst bedauert" und sich distanziere, aber "oft so tut, als ob dies (wieder) zum ersten Mal geschähe", betont Gomes.

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Ein wichtiger Schritt hin zur Abschaffung des institutionellen Rassismus ist für Gomes, es Schwarzen Menschen als Entscheidungsträger zu ermöglichen, sichtbarer zu werden - etwa als Führungskräfte, Lehrer oder Universitätsprofessoren. Bildung sei in jedem Fall "immens" wichtig für politische und soziale Veränderungen. In Wien etwa existieren derzeit mehrere Projektvorschläge im Bildungsbereich, die zum Beispiel die Förderung von kritischem Denken in der Schule sowie die Auseinandersetzung mit der Darstellung von Schwarzen Menschen und Afrika in Schulbücher thematisieren. Ob Projekte wie diese aber tatsächlich als wichtig wahrgenommen und unterstützt werden, sei noch offen.

Dauerhafte Bewegung durch Tod von George Floyd möglich

Die Möglichkeit, dass aus den weltweiten Anti-Rassismus-Protesten nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz eine dauerhafte Bewegung entsteht, ist nach Ansicht der Rassismusforscherin real. "Ich denke aber, dass es noch zu früh ist, darüber etwas seriös sagen zu können", so Gomes. Die Entwicklung werde auch damit zusammenhängen, inwieweit Menschen Widerstand leisten und dabei auch ihre Sicherheit bewahren können.

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Klar sei, dass in den vergangenen Jahren Veröffentlichungen zu systematischer Diskriminierung und Kriminalisierung von Afroamerikanern sichtbarer geworden seien - auch in Europa. Darauf könne auch die große internationale Resonanz auf den Tod Floyds und die folgenden Proteste in den USA zurückgeführt werden, meint Gomes. Alleine in Wien nahmen vergangene Woche 50.000 Menschen bei einer Demonstration teil.

Darüber hinaus habe die Corona-Pandemie weltweit soziale Ungleichheiten sichtbarer gemacht und "vielleicht Menschen das Verhältnis zwischen Diskriminierungen, Privilegien und Rassismus bewusster gemacht", sagt die Rassismusforscherin.

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