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Ausgehen ohne Rausgehen: Die besten Partys und Konzerte im Netz

Die großen Stars streamen ihre Konzerte auf Instagram live, die lokalen Initiativen auf Facebook und YouTube.

#SocialDistancing lautet derzeit der Hashtag auf der ganzen Welt, denn die Corona-Krise hat uns fest im Griff. In vielen Ländern gibt es Ausgangsbeschränkungen sowie auch in Österreich. Doch statt einfach auf Partys und Konzerte zu verzichten, wird vielerorts online weitergefeiert - und zwar via Social Media.

Vergangenen Freitag versammelten sich auf Instagram rund 4000 Personen, darunter auch zahlreiche Promis, um am Event „Homeschoolin’“ teilzunehmen, das der in den USA berühmte DJ D-Nice ins Leben gerufen hatte. Jennifer Lopez, Naomi Campbell, Queen Latifah, Rihanna, Common und John Legend feierten mit dem DJ, der auf Instagram fast eine Million Follower hat, eine zehnstündige Party. „Aus meiner Küche sende ich euch allen eine positive Stimmung“, sagte der 49-jährige Derrick Jones, bevor er wechselweise einen Star nach dem anderen via Split Screen auf Instagram ins Bild holte und so das Event zu einer richtigen Party aufleben ließ, obwohl alle alleine in ihren Wohnzimmern saßen.

Auch Patti Smith gab Konzert

„Zu Hause rumzusitzen in Quarantäne führte bei mir dazu, dass ich mich ganz leer gefühlt habe. Es gibt nichts Besseres als Musik zu spielen und diese auch zu fühlen“, erklärte Jones gegenüber der New York Times.

Damit ist Jones nicht alleine. Zahlreiche Musiker und DJs haben vergangenes Wochenende Live-Konzerte via Instagram, Facebook oder YouTube abgehalten. Darunter waren auf Instagram Live etwa die Musikerin Patti Smith, Hayden Thorpe (Ex-Wild Beats) sowie Mattiel. „Der Drang, Musik zu machen, ist so alt wie der Mensch“, sagte dazu etwa die Songwriterin Jovanka v. Wilsdorf.

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Tapetenwechsel für die Menschen

Einer, der in Österreich seit 13. März täglich von 18 bis 19 Uhr ein DJ-Set zum Besten aus seinem Wohnzimmer gibt, ist Johannes Piller, besser bekannt unter seinen Künstlernamen Laminat und Kobermannn. „Ich streame, weil ich anderen die Möglichkeit eines Tapetenwechsels ermöglichen möchte. Es fällt sicher nicht jedem leicht 24/7 alleine zu sein“, erzählt Piller der futurezone. „Nebenbei kann ich auch noch jene Platten spielen, die mir gefallen und falls die Musik auch anderen gefällt, ergibt sich daraus eine klassische Win-Win-Situation.“ Rund 1000 Menschen verfolgen seine täglichen DJ-Sessions auf Facebook Live und feuern den DJ mit Kommentaren und Likes an.

Doch viele Menschen sehnen sich vor allem rund um das Wochenende nach gemeinsamen Aktivitäten. Das Interesse, sich zu Konzerten und Partys zu versammeln, ist trotz Ausgangsbeschränkungen ungebremst. So feierten auch in Österreich vergangenes Wochenende tausende Menschen zusammen mit Freunden Online-Corona-Partys. Sie verabredeten sich via Video-Chat, um gemeinsam an einem der zahlreichen Live-Konzerte, die gespielt wurden, teilzunehmen. Bei einem Glas Rotwein oder Bier machten es sich die Menschen vor dem Live-Stream bequem und verabredeten sich virtuell mit Freunden. Denn Angebot gab es insgesamt genug. Von Clubmusik, Rock, Country, Pop bis zu griechischen Sommervibes reichte die Palette.

Nino aus Wien sahen 25.000 Menschen zu

Anders als viele internationale Stars setzen heimische Künstler und Musiker bei den Livestreams allerdings zunehmend auf die Plattformen Facebook und YouTube. So spielte etwa auch der Sänger Nino aus Wien am Wochenende ein Konzert, das via YouTube übertragen wurde. Es hat bereits rund 25.000 Aufrufe und den Sänger erreichten zahlreiche Danksagungen und es wurden ihm dafür im Gegenzug zu seinem Gratis-Konzert auch zahlreiche Spenden angeboten. Viele Nutzer wünschten sich vom Künstler auch spezielle Songs, er reagierte prompt, was ihm widerum zahlreiche Likes einbrachte.

Für Künstler ist es aber nicht nur ein Bedürfnis, auch in Zeiten wie diesen aufzutreten und Musik zu machen, sondern sie kämpfen auch mit einem Verdienstausfall. Deshalb bot der KURIER mit #beatthevirus vergangenes Wochenende ebenfalls ein eigenes Streamingprogramm an, um Künstler online zu unterstützen.

Festival mit Crowdfunding

Auf das Konzept von Spenden setzen daher auch die zwei Veranstaltungsagenturen Raumpioniere und Visionistas, die mit dem „Homestagefestival“ von 27. bis 29. März via Livestream auf Facebook ein Festival mit heimischen Künstlern aus den Bereichen Musik, Kabarett und Literatur veranstalten. Jeweils von 17 bis 21 Uhr treten an diesen drei Tagen Künstlerinnen und Künstler auf. „Der Stream ist frei zugänglich für alle, aber wir sammeln über eine Crowdfunding-Kampagne Geld für die Künstler“, erzählt Lisa Wachitz, eine der Organisatorinnen des Festivals, im Gespräch mit der futurezone.

„Wir haben uns für Facebook als Plattform entschieden, weil man sich dort auch gut mit anderen Menschen austauschen kann, die direkt Feedback geben“, erklärt Wachitz. Beim Homestage Festival treten etwa Künstlerinnen wie Yasmo auf, aber auch bekannte der Kabarettist Thomas Maurer. „Wir haben versucht, einen Mix zu finden aus schon sehr bekannten und noch unbekannten Künstlern“, erzählt Wachitz.

Innerhalb von zwei Tagen sind bei der Crowdfunding-Kampagne rund 4000 Euro zusammengekommen, ein symbolischer Tagespass für das Festival wird um 30 Euro angeboten. „Wir sind mit dem Verlauf bisher sehr zufrieden und alle Einnahmen werden komplett gleichwertig unter allen teilnehmenden Künstlern aufgeteilt.“ Damit adressieren die Veranstalter eines der Probleme: Viele Künstler haben aufgrund der Corona-Krise mit Ausfällen von Honoraren zu kämpfen, denn Auftritte sind oft die Einnahmequelle Nummer eins. „Wir haben einen unglaublichen Zulauf von Künstlern und wir denken daher schon jetzt an zukünftige Formate“, sagt Wachitz.

Berliner Clubkultur ruft zu Spenden auf

Fans der Berliner Clubkultur können übrigens derzeit jeden Tag ihren Lieblings-DJs in angesagten Clubs lauschen. Unter „United We Stream“ haben sich dort die Berliner Clubs zusammengetan, um Spenden zu sammeln, die der Berliner Clubkultur zugute kommen sollen. Jeden Tag gibt es in Zusammenarbeit mit arte Concert ein vielfältiges Programm zwischen 19 und 0 Uhr.

Manche Kulturinitiativen in Österreich wollen derzeit noch abwarten, wie es konkret weiter geht. „Natürlich denken wir darüber nach, etwas online zu machen, aber wir hatten noch keine zündende Idee. Unsere beste vereinsinterne Idee bisher war: Einfach im Herbst und Winter fettere Gagen zu bezahlen“, sagt etwa Christoph Dorfer vom Kulturverein waschaecht, der seit Jahrzehnten regelmäßigen den Alten Schlachthof in Wels mit Konzerten bespielt.

Auch die kommenden Wochen und Wochenenden werden wohl von zahlreichen Künstlern dazu genutzt werden, ihre Musik zu teilen. Es zahlt sich also aus, seinen Lieblingsmusikern auf Social-Media-Kanälen zu folgen und im Falle des Falles darüber informiert zu werden. Dann steht der nächsten #Stayathome Party nichts mehr im Wege.

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