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02/10/2019

Das Frauenwahlrecht feiert in Österreich 100. Geburtstag

Am 16. Februar 1919 wählten Frauen nach dem Beschluss im Herbst 2018 zum ersten Mal in Österreich und acht weibliche Abgeordnete zogen in die Konstituierende Nationalversammlung ein. 100 Jahre später beträgt der Frauenanteil im Nationalrat aktuell 37,2 Prozent und ist damit so hoch wie noch nie.

Die Argumente und Befürchtungen, mit denen das Frauenwahlrecht im Vorfeld des Beschlusses verhindert werden sollte, waren vielfältig. So hieß es etwa, dass die Frauen noch nicht so weit seien oder es der weiblichen Natur widerspreche. Allem Widerstand zum Trotz setzten sich die Frauen und Befürworter mit ihrer Forderung aber durch, denn angesichts ihres Einsatzes in der Kriegshilfe und -industrie konnten ihnen politische Rechte nicht länger verwehrt werden: Das Wahlrecht wurde mit der Ausrufung der Republik am 12. November 1918 gewährt (im "Gesetz über die Staats- und Regierungsform von Deutschösterreich"). Am 18. Dezember erging die Wahlverordnung und im darauffolgenden Februar konnten Frauen schließlich ihr neu gewonnenes Recht auch zum ersten Mal ausüben.

Die Wahlbeteiligung war dabei eine hohe: Bei der Wahl der Konstituierenden Nationalversammlung am 16. Februar 1919 gaben laut Parlament 82,10 Prozent aller wahlberechtigten Frauen und 86,98 Prozent der Männer ihre Stimme ab. Im März 1919 zogen schließlich acht Frauen ins Parlament ein, sieben sozialdemokratische Abgeordnete und eine christlichsoziale. Das entsprach bei damals 159 Mandataren einem Frauenanteil von 5,03 Prozent. Eine weitere Frau rückte später nach.

Die erste Frau im Präsidium des Nationalrates war Marga Hubinek (ÖVP), die 1986 bis 1990 die Funktion der Zweiten Präsidentin innehatte. Die erste Nationalratspräsidentin wurde Barbara Prammer (SPÖ), sie übte das zweithöchste Amt im Staat von 2006 bis 2014 aus. Im Bundesrat hatte Olga Rudel-Zeynek schon in der Ersten Republik zweimal (1927/28 sowie 1932) für die Steiermark jeweils für sechs Monate das Amt als Vorsitzende inne. Der österreichische Bundesrat war damit laut Parlamentsangaben weltweit das erste nationale parlamentarische Organ, das von einer Frau geführt wurde. Seit 1918 wurden insgesamt 327 Frauen in den Nationalrat gewählt. Ihnen steht die Zahl von 1.575 Männern gegenüber.

Ein zweistelliger Frauenanteil im Nationalrat wurde erst in den 80er-Jahren erreicht. Selbst zum 50. Jahrestag des Frauenwahlrechts waren es 1969 nur knapp 5 Prozent. Aktuell sind 68 der 183 Abgeordneten Frauen. Den höchsten Frauenanteil weisen mit 50 Prozent die NEOS auf, fünf von zehn Mandataren sind Frauen. Mit 48 Prozent (25 von 52) ist die SPÖ auf dem Weg zur Geschlechterparität. Die Liste Jetzt (früher Pilz) kommt auf einen Wert von 43 Prozent (3 von 7). Die größte Fraktion, die ÖVP, hat einen Frauenanteil von 36 Prozent (22 von 61) und bei den Freiheitlichen sind zwölf der 51 Mandatare Frauen (24 Prozent). Außerdem gibt es aktuell eine Frau und einen Mann ohne Klubzugehörigkeit.

Neben zahlreichen Veranstaltungen zum Jubiläum hat auch der ORF einen Programmschwerpunkt zum 100. Jahrestag angekündigt. Mehr als 30 Sendungen sowie die 52-teilige Miniaturen-Reihe "Frauenmacht - Frauen machen Politik" werden seit 1. Februar auf Ö1 ausgestrahlt. Auch im ORF-Fernsehen sind neue Produktionen wie etwa "Universum History: Die Unbeugsamen - Drei Frauen und ihr Weg zum Wahlrecht" zu sehen. ORF III präsentiert unter anderem eine neue Ausgabe der Dokureihe "BaumeisterInnen der Republik" über die sozialdemokratische Pionierin Adelheid Popp.

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