APA - Austria Presse Agentur

Experten: Nur die Impfung schützt vor FSME

Im Jahr 2018 sind in Österreich 154 Fälle von FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) registriert worden. Mehr als die Hälfte der Betroffenen litt oder leidet noch immer unter schweren neurologischen Verlaufsformen der Erkrankung. Eine Expertenpodium machte bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien daher auf die Bedeutung der FSME-Schutzimpfung - bzw. die rechtzeitige Auffrischung - aufmerksam.

Nachdem in den vergangenen Jahren die Fallzahlen der FSME-Erkrankungen recht konstant unter 100 pro Jahr lagen, steigen sie seit zwei Jahren wieder an. Der Wert von 2018 war so hoch wie seit mehr als 20 Jahren nicht, berichtete Florian Thalhammer von der Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin der MedUni Wien. Ganz Österreich gilt als Endemiegebiet, neue Hotspots wurden in Oberösterreich entdeckt, das nach wie vor die höchsten Fallzahlen aufweist.

Die Gründe für die Häufung der Fälle 2018 dürften vielfältig sein: das Zeckenaufkommen war besonders hoch, das warme Wetter lockte besonders viele Menschen ins Freie, außerdem wird die FSME-Auffrischungsimpfung häufig nicht immer im richtigen Intervall vorgenommen. Nach der Grundimmunisierung beträgt der Abstand zwischen den Auffrischungen bei Menschen unter 60 fünf Jahre, bei Älteren drei Jahre. Bei grundimmunisierten Personen, die das Intervall "verpasst" haben, reiche ebenfalls eine einfache Auffrischungsimpfung, um den Schutz wiederherzustellen, erklärte die Impfexpertin Christiane Körner. Es gibt zudem einen speziellen Kinderimpfstoff, der ab einem Jahr (in Ausnahmefällen auch darunter) verabreicht werden kann. In Österreich beträgt die Impfrate derzeit 62 Prozent.

Im vergangenen Jahr sei der jüngste Patient drei Jahre alt gewesen, der älteste 85. Insgesamt waren mehr als die Hälfte der Betroffenen über 50. Es mussten aber auch 28 Kinder unter 15 Jahren wegen FSME hospitalisiert werden. 77 Personen litten 2018 an einem schweren Verlauf mit Beteiligung des Gehirns, der Gehirnhaut oder des Rückenmarks, nur ein Drittel davon wurde wieder vollständig gesund. Fünf Patienten sind 2018 an FSME verstorben. "Eine Schande", so Thalhammer. Es handle sich um absolut vermeidbare Krankheits- und Todesfälle. "Gegen FSME hilft nur die Impfung, es gibt keine Therapie."

Je älter der Patient, desto schwerer ist der Verlauf der Krankheit. Es seien häufig aber gerade die Senioren, die auf die rechtzeitige Auffrischung vergessen oder glauben, sie sei nicht nötig, weil sie schon so oft geimpft worden sind, meinte Gerhard Kobinger von der Österreichischen Apothekerkammer. Die alljährliche Impfaktion der Apotheken mit vergünstigten Preisen laufe heuer noch bis Ende August. Wichtig sei, den Körper nach einem Aufenthalt im Freien gründlich nach Zecken abzusuchen und entdeckte Exemplare so schnell wie möglich zu entfernen. "Ohne Öl, ohne Klebstoff, einfach sofort gerade mit einer Pinzette herausziehen", rät Kobinger.

Wenn sich nach etwa vier Wochen ein rötlicher Kreis um die Stichstelle bildet, kann es sich um Borreliose handeln und sollte möglichst rasch von einem Arzt abgeklärt werden. Auch bei grippeähnlichen Symptomen nach einem Zeckenstich sollten sich Betroffene sofort an einen Arzt wenden. Im Vergleich zu FSME sei das Erkrankungsrisiko für Borreliose wesentlich größer, allerdings verlaufe diese Erkrankung nie tödlich und habe auch keine derart schwerwiegenden neurologischen Spätfolgen, sagte Thalhammer. Sie kann mit Antibiotika gut behandelt werden.

Eine neue Zeckenart, die hierzulande normalerweise nicht vorkommt, wurde im vergangenen Jahr in Österreich entdeckt: die tropische Riesenzecke (Hyalomma-Arten). Das Tier mit den gestreiften Beinen kommt normalerweise in tropischen bzw. subtropischen Gebieten vor und gilt als Überträgerin des Krim-Kongo-hämorrhagischen Fiebers und des Zeckenfleckfiebers. Erstmals in Österreich wurde die tropische Riesenzecke im Bezirk Melk gefunden, unter anderem tauchten Exemplare auch in Deutschland und Großbritannien auf. Offenbar reise sie mit den Zugvögeln nach Europa, erläuterte der Parasitologe Georg Duscher von der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Inwieweit die Klimaerwärmung einen Einfluss auf die Zeckenaktivität oder -dichte hat, sei noch nicht geklärt, sagte Duscher. "Bei der Ausbreitung neuer Zeckenarten spielt die Klimaerwärmung auf jeden Fall eine entscheidende Rolle." Der Forscher appellierte an die Mithilfe der Bevölkerung: Wer eine große Zecke mit gestreiften Beinen sieht, soll diese fotografieren oder in einem verschließbaren Plastikgefäß an die Veterinärmedizinische Universität schicken, wo sie hinsichtlich möglicher Erreger untersucht wird.

(S E R V I C E - Informationen der AGES zum Thema Zecken: http://go.apa.at/gnQYTz1X)

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