APA - Austria Presse Agentur

Frankreichs Präsident ruft zu "Ordnung und Eintracht" auf

Am sechsten Protestwochenende der "Gelbwesten" in Frankreich in Folge ist die Zahl der Demonstranten weiter zurückgegangen. Nach erneuten Ausschreitungen rief Präsident Emmanuel Macron am Sonntag zu "Ordnung und Eintracht" auf. Landesweit zählte die Polizei am Samstag knapp 39.000 Demonstranten, nach 66.000 am Wochenende davor.

In Paris beteiligten sich rund 2.000 Menschen an den Protesten, halb so viele vor einer Woche. Zu Beginn der Proteste der "gilets jaunes" Mitte November waren landesweit rund 282.000 Menschen auf die Straße gegangen. Seither nahm die Zahl der Teilnehmer stetig ab.

Auf den Pariser Champs Elysees kam es am Samstagabend erneut zu Auseinandersetzungen einiger "Gelbwesten" mit der Polizei. Randalierer griffen Polizisten auf ihren Motorrädern an und schleuderten Pflastersteine auf sie. Auf dem Montmartre stimmten rund 20 Demonstranten ein Lied des wegen antisemitischer Beleidigungen verurteilten Komikers und Aktivisten Dieudonne an. Die Polizei nahm landesweit 220 Menschen fest, darunter auch einen der Wortführer der Bewegung, Eric Drouet.

Die Bewegung der "Gelbwesten" richtete sich ursprünglich gegen hohe Spritpreise und die geplante Ökosteuer auf Diesel. Später mischte sich in den Protest allgemeiner Unmut über die Reformpolitik von Präsident Macron und die schwindende Kaufkraft.

In Angouleme enthaupteten Demonstranten am Freitagabend symbolisch eine Macron-Puppe. An der französisch-katalanischen Grenze, wo sich auch Aktivisten der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung an den Aktionen beteiligten, wurden zwei Journalistinnen des Senders France 2 nach eigenen Angaben von "Gelbwesten" bedroht, eingekesselt und geschlagen. Einer der Demonstranten hätte ihnen jedoch geholfen, unter einer "Flut von Beleidigungen" zu entkommen, berichtete eine von ihnen der Nachrichtenagentur AFP.

In Perpignan im Süden des Land starb ein Autofahrer, als sein Wagen in der Nacht zum Samstag mit einem an einer Straßensperre stehenden Lastwagen kollidierte. Es war das zehnte Todesopfer am Rande der Proteste seit Beginn der Demonstrationen am 17. November.

Das französische Parlament hatte am Freitag milliardenschwere Zugeständnisse des Präsidenten an die "Gelbwesten" gebilligt. Sie sehen unter anderem mehr Geld für Mindestlohn-Bezieher und Entlastungen für Rentner und Arbeitnehmer vor. Dennoch hielten die "Gelbwesten" an ihren Protesten fest.

Macron rief am Sonntag erneut zu Ruhe und Einigkeit auf. Das Land müsse sich jetzt ernsthaft den gemeinsamen Problemen widmen und die Spaltung überwinden, sagte der französische Präsident während seines Tschad-Besuchs dem Sender BFMTV. Gleichzeitig forderte er eine Bestrafung der für die Ausschreitungen Verantwortlichen.

Premierminister Edouard Philippe reagierte harsch auf die jüngsten Vorfälle bei den Protesten. "Die Schein-Enthauptung des Staatschefs...die beispiellosen Angriffe auf Polizisten...antisemitische Gesten mitten in Paris...es kommt nicht infrage, all das zu verharmlosen", erklärte Philippe auf Twitter. Regierungssprecher Benjamin Grivaux sagte, hinter all dieser Gewalt stehe "ein Gesicht, feige, rassistisch, antisemitisch, aufrührerisch".

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