APA - Austria Presse Agentur

Lkw-Abbiegeassistenten: Nach dem Tod eines Buben kündigt die Stadt Wien eine Umrüstung an

Nach dem Unfalltod eines neunjährigen Buben will die Stadt Wien ihren rund 500 Lkw umfassenden Fuhrpark mit Abbiegeassistenten umrüsten.

Die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) kündigte am Montag an, ab sofort ein entsprechendes System testen zu wollen. Gibt es grünes Licht, soll der Umbau abkommender Woche erfolgen. 

Jener Hersteller, der die Fahrzeuge der Stadt stellt, habe nun ein System genannt, das kompatibel sei, erklärte die Stadträtin: "Wird der Blinker betätigt, wird eine Kamera aktiviert. Befindet sich etwas in diesem Blickfeld, ertönt ein Signal." Noch am heutigen Montag werde der Assistent in ein Testfahrzeug eingebaut. "Das ist bis Mitte der Woche abgeschlossen", kündigte die Ressortchefin an.

Nach der Austestung soll dann feststehen, ob der flächendeckende Einbau den gewünschten Nutzen bringt. Ist das der Fall, werde der Einbau ab Beginn der kommenden Woche schnell umgesetzt, so Sima. Dabei geht es unter anderem um rund 300 Müllfahrzeuge der MA 48. 3.000 Euro kostet das System pro Fahrzeug, bei Neuanschaffungen soll der Abbiegeassistent bereits mitgeliefert werden.

Maßnahmen für mehr Sicherheit

Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) forderte in dem Zusammenhang Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) einmal mehr auf, den rechtlichen Rahmen für eine österreichweite Lösung zu schaffen. Außerdem seien auch Bundeseinrichtungen aufgefordert zu handeln, sah die Stadträtin etwa Asfinag, ÖBB, Bundesheer oder Polizei in der Pflicht.

Sima wiederum sieht Hofers Pilotprojekt "Rechtsabbiegen bei Rot" kritisch. Hier würden grüne Fußgängerphasen mit dem Abbiegeverkehr verschränkt. Das sei "kontraproduktiv". "Wir in Wien versuchen das gerade etwas zu entzerren", so die Stadträtin.

Hofer hat am Montag ein Treffen angekündigt, bei dem über Möglichkeiten zur Verbesserung der Lkw-Sicherheit beraten werden soll. "Ich werde unmittelbar nach meiner Rückkehr aus Japan zu einem Lkw-Sicherheitsgipfel einladen", sagte Hofer am Montag. Die Japan-Reise findet am Wochenende statt. Bei dem Treffen soll erörtert werden, welche rechtlichen und organisatorischen Möglichkeiten es gibt, um die Sicherheit von Lkws auf Autobahnen, Schnellstraßen und in den Städten zu verbessern.

Petition von Eltern

Auch Volksanwalt Peter Fichtenbauer sprach sich am Montag in einer Aussendung für den zwingenden Einbau von Abbiegeassistenten für Lkw ein. "Ich bitte daher das Parlament, möglichst rasch eine entsprechende Regelung auf den Weg zu bringen", hieß es.

Die Debatte um Abbiegeassistenten für Lkw war nach einem tödlichen Unfall in Wien aufgekommen. Ein neunjähriger Bub war Ende Jänner am Schulweg auf einem Schutzweg von einem abbiegenden Lastwagen niedergefahren und getötet worden. Die daraufhin gestartete Petition von Eltern für eine verpflichtende Lkw-Nachrüstung mit elektronischen Systemen, die den toten Winkel möglichst eliminieren sollen, hatte mit Stand Montag bereits mehr als 35.000 UnterstützerInnen.

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