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05.12.2018

Wiener Caritas sammelt für das Gruft-"Winterpaket"

Der Wintereinbruch trifft Obdachlose besonders hart. Die Wiener Caritas machte bei einer Pressekonferenz am Mittwoch auf die Not dieser Menschen aufmerksam und rief zum Spenden für das Gruft-"Winterpaket" auf. "Jetzt ist die härteste Zeit", sagte Generalsekretär Klaus Schwertner. "Selbst wenn es keine Minusgrade hat, ist das Leben auf der Straße im Winter lebensgefährlich."

"Die Zahl der Menschen, die für eine warme Mahlzeit in die Gruft kommen, steigt seit Jahren kontinuierlich an", berichtete Caritas-Präsident Michael Landau. Heuer wurden bereits rund 111.000 Mahlzeiten ausgegeben. Auch die Schlafplätze werden stark genutzt. 2017 wurden insgesamt 22.400 Nächtigungen in der Gruft verzeichnet. In diesem Jahr waren es mit Stand 30. November bereits 20.151 Nächtigungen.

Die Caritas schätzt, dass in Wien einige Hundert Menschen von akuter Obdachlosigkeit betroffen sind. Um ihnen zu helfen, verstärkt die Organisation im Winter ihre Anstrengungen. Die Zahl der Notquartiersplätze wurde auf 290 Betten aufgestockt und die Straßensozialarbeit der Gruft von drei auf sieben Tage ausgeweitet. Außerdem ist das Kältetelefon der Caritas (01/480 45 53) rund um die Uhr erreichbar. Seit Anfang November sind bereits mehr als 1.200 Anrufe eingegangen, berichtete Landau.

Die aktuelle Kampagne für das " Winterpaket" der Obdachloseneinrichtung Gruft wird von Schauspieler Manuel Rubey unterstützt. Eine Spende von 50 Euro finanziert einen Schlafsack und eine warme Wahlzeit. Rubey begleitete die Streetworker der Gruft bei einem ihrer Nachteinsätze. "Es war schön zu erleben, wie würdevoll und auf Augenhöhe diese Arbeit passiert", erzählte er.

Von den Herausforderungen des Lebens auf der Straße berichtete Violetta, die seit drei Jahren mit Obdachlosigkeit kämpft. "Ich weiß nicht, was ohne Gruft mit mir passiert wäre", sagte sie. "Es ist wirklich nicht angenehm, als Frau schon gar nicht, weil man Angst hat."

Die Zahl der obdachlosen Frauen steigt. 2017 waren 36 Prozent der erwachsenen Klienten der Wohnungslosenhilfe Frauen, berichtete Schwertner. Vor 20 Jahren seien es noch zu 80 Prozent Männer gewesen. "Wir müssen die frauenspezifischen Angebote weiterentwickeln", betonte er. Auch das Netz für psychisch kranke obdachlose Menschen müsste engmaschiger sein, sagte Schwertner. Allerdings: "Es fehlt das Geld dafür."

Landau nutzte die Pressekonferenz, um "einen dringenden Appell" an die Bundesregierung gegen die Kürzung der Mindestsicherung zu richten. "Sollten die Änderungen in dieser Form umgesetzt werden, werden wir das in unseren Einrichtungen spüren", warnte er.

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