Julia Schrenk

Wasserrohre für den U-Bahn-Bau: Eine lange Leitung

Wegen der Arbeiten an den U-Bahn-Tunneln muss Grundwasser abgepumpt werden. Die oberirdische Leitung erstreckt sich von der Votivkirche bis zum Donaukanal – und bleibt vier Jahre lang.

Man könnte meinen, riesige Rohre, die mitten in der Stadt in vier bis sieben Metern Höhe verlegt werden, nötigen den Wienerinnen und Wienern zumindest etwas Erstaunen ab. Aber die Wienerinnen und Wiener, entweder an Baustellen gewöhnt oder einfach schwer zu begeistern, würdigen sie kaum eines Blickes.

Und wenn, dann nur eines sehr beiläufigen.

Dabei sind die Rohre, die derzeit von der Universitätsstraße über die Maria-Theresien-Straße an der Grenze zwischen 1. und 9. Bezirk bis zum Donaukanal verlegt werden, doch recht spektakulär.

Kurier/Franz Gruber

Für den Tunnelbau der Linien U2 und der U5, die sich ab 2028 beim Rathaus kreuzen sollen, muss eine oberirdische Wasserleitung gelegt werden. Denn dort, 20 Meter tief unter der Erde, befindet sich Grundwasser, das von allen Seiten in die Baustelle eindringen würde.

100 Brunnen wurden deshalb im Umkreis der Baustelle gebaut. Über diese wird das Wasser teilweise abgesenkt. Eine Zuleitung auf dem Boden (mit 40 Zentimetern Durchmesser) befördert das Wasser vom Bereich Rathaus zur Reichsratsstraße.

Dort wird das Grundwasser gebündelt, in die Sammelleitung mit 60 Zentimetern Durchmesser gepumpt, über die Maria-Theresien-Straße transportiert und schließlich im Donaukanal abgelassen.

Kurier/Franz Gruber

Die Arbeiten dafür starteten Anfang April – da wurden die ersten Steher montiert. Viereinhalb Meter hoch, im Kreuzungsbereich sogar sieben Meter. Unübersehbar blau stecken sie in schweren Betonklötzen.

Dass die Leitung so hoch oben verlegt wird, ist notwendig, weil nicht nur Lkw und Busse darunter Platz haben, sondern auch die Oberleitungen der Straßenbahn unbeschädigt bleiben müssen.

Julia Schrenk

Ein Kilometer

Am Osterwochenende wurden die ersten Rohre verlegt – das allererste im Sigmund-Freund-Park.

Von dort schlängeln sich die Rohre über 27 Steher auf der Maria-Theresien-Straße vorerst bis zur Kreuzung mit der Börsegasse, später bis zum Donaukanal. Insgesamt wird hier ein Kilometer an Rohren verlegt. Quasi händisch.

Ein Kranfahrer hievt die Rohrteile nach oben zu zwei Männern auf einer Hebebühne. Der eine steuert die Hebebühne, der andere schiebt eine Schraube nach der anderen der insgesamt 20 in die Löcher; er steckt die Muttern drauf und dreht die Schrauben mit einer Maschine fest. Spätestens da wird klar, warum die beiden Ohrenschutz tragen.

Kurier/Franz Gruber

Bis Ende Mai soll die Leitung fertig aufgebaut sein.

Bevor ab dem Sommer (oder Herbst) aber auch tatsächlich Wasser durch die Rohre fließen wird, muss die gesamte Leitung noch in Folie gepackt werden. Diese soll die Rohre im Sommer vor Kondenswasser und im Winter vor Frost schützen.

Vier Jahre lang werden die Rohre an so prominenter Stelle in der Stadt zu sehen sein. Sobald die U-Bahn-Tunnel abgedichtet sind, können die Rohre abgebaut werden. Die oberirdische Leitung muss dann nicht in den Boden verlegt werden: Das Grundwasser, das dann vier Jahre lang verdrängt wurde, darf sich seinen Platz 20 Meter tief unter der Erde wieder nehmen.

Kurier/Franz Gruber

Ein komplettes Novum ist die oberirdische Wasserleitung übrigens nicht. In ähnlicher Form gab es eine solche auch im Vorfeld der Eröffnung der U2-Stationen Taborstraße und Praterstern im Jahr 2008.

Vielleicht würdigen sie die Wienerinnen und Wiener deshalb nur eines sehr beiläufigen Blickes.