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Wie Selenskij seine NATO-Verbündeten verärgert

Kiew beharrt darauf, dass der Irrläufer in Polen nicht aus der Ukraine stammt. In der NATO sorgt das für massive Irritation.

Wolodimir Selenskij ist kein Freund der leisen Worte, das weiß man nach fast neun Monaten Krieg. Wenn er verbal ausholt, dann mit dem Holzhammer.

Bisher brachte ihm das eigentlich mehr Sympathie als Kritik ein. Seit dem Raketeneinschlag in Polen hat sich das geändert: Während sich Polen und die USA ganz bewusst abwartend gaben, jede Eskalation mit Russland zu vermeiden suchten, beschuldigte der ukrainische Präsident ganz offen Moskau. Russland habe möglicherweise absichtlich ein NATO-Land bombardiert und so eine „signifikante Eskalation“ herbeigeführt, sagte er in der Nacht.

Dass Selenskij von seiner Linie auch dann noch nicht abwich, als die NATO ihr Untersuchungsergebnis präsentierte – es dürfte sich um eine ukrainische Abwehrrakete handeln –, sorgt für Irritationen im Westen. Er beharrt darauf, dass „zweifellos“ kein ukrainisches Geschoß in Polen eingeschlagen sei. Der Krater sei zu groß, um nur von einer Rakete verursacht worden zu sein.