Christian Schneider

Zeit nach Corona: „Eine Grundangst wird bestehen bleiben“

Psychologe und Zukunftsforscher Reinhold Popp über die Ursachen der Angst und die Parallelen zwischen Finanz-, Flüchtlings- und Corona-Krise.

Lockdown, Isolation und der Blick in eine ungewisse Zukunft haben bei vielen von uns Ängste geschürt. Wieso die einen mehr und die anderen weniger Angst haben und wie das mit anderen Krisen zusammenhängt, erklärt Reinhold Popp, Psychologe und Zukunftsforscher an der Sigmund-Freud-Privatuni.

KURIER: Wie lange wird uns die Angst vor der Ansteckung noch begleiten?
Reinhold Popp: Selbst wenn keine Ansteckung mehr droht, wird eine Grundangst bestehen bleiben. Aber sie wird sich verschieben, etwa in Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes, der Kaufkraft oder vor sozialem Abstieg.

Woher rührt diese Angst?
Unser Gehirn schlägt Alarm, wenn eine direkte und persönliche Gefahr droht. Die TV-Bilder von den Intensivstationen im benachbarten Italien waren solche bedrohlichen Signale. Man hatte den Eindruck, es sei die gefährlichste Todesursache der Welt. Diese Angst wurde auch geschürt.

Von den Medien?
Nicht nur. Wenn der Bundeskanzler sagt, bald wird jeder jemanden kennen, der an Corona gestorben ist, ist das nicht ideal.