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Life
03.12.2018

Film: Climax

Kein Höhepunkt, sondern ein Absturz im mehrfachen Wortsinne: Dies zeigt und ist Gaspar Noes neuer Exzess "Climax". Nach seinem mit Sex in 3D aufsehenerregendem "Love" legt der Argentinier eine ebenso einfache wie einfach fade Geschichte vor, die spannender klingt als sie ist: Eine Tanztruppe erlebt bei einer Party einen Horrortrip dank LSD in der Sangria.

Am Beginn seines eineinhalbstündigen Horrortrips - was "Climax" auch für den Zuschauer darstellt - stehen kurze Interviewsequenzen mit den Tänzern und Tänzerinnen im VHS-Look, denen sich zu wummernden Beats die harte Choreographie der Truppe anschließt. Auf diese beste Szene folgen kurze Zweiergespräche, in denen meist wenig tiefschürfend über Sex geredet wird. Und schon ist die erste Dreiviertelstunde des Films dahin.

Doch schlimmer geht immer, und es beginnt der zweite Teil, wenn die von einem lange unenthüllten Mitglied mit LSD versetzte Fruchtbowle ihre unheilvolle Wirkung entfaltet. Nicht nur die Tänzer, auch die Kamera dreht vollends durch und bewegt sich minutenlang frei im Raum, während Noe als Cutter geschickt den Eindruck eines schnittfreien Fortgangs zu erwecken weiß.

Roh und dreckig kommt der in den Farbtopf getauchte, ewig zwischen den wenigen Räumlichkeiten der Anlage changierende Trip daher, der im wesentlichen aus dem Außenblick auf schreiende Akteure besteht. Das vermittelt zwar zweifelsohne den Eindruck von Authentizität. Jemanden eineinhalb Stunden beim Ausfüllen der Steuererklärung beobachten, wäre aber ebenfalls authentisch - und ähnlich interessant.

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