REUTERS / Mike Blake

Der Fall vom “Tinder-Schwindler” zeigt, wie gefährlich Dating-Apps sein können

Wie aus einem einfachen Tinder-Match ein verworrener Kriminalfall wurde.

Wir erzählen euch nichts Neues, wenn wir mit erhobenem Zeigefinger sagen: Auf Tinder lauern viele potenzielle Gefahren! Unehrliche Arschlöcher, Fuckboys, Frauen und Männer, die eigentlich vergeben sind und es mit der Treue nicht so genau nehmen – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Aber dein Tinder-Gspusi Leon, der sich immer nur bei dir meldet, wenn er um 3 Uhr morgens horny ist, ist nichts gegen den Tinder-Schwindler.

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Der Tinder-Schwindler mag vielleicht klingen wie eine brandneue Tom Turbo-Folge, ist aber alles andere als lustig. Dieser Typ hat nämlich nicht bloß ein bearbeitetes Foto von sich hochgeladen, um mehr Matches abzugreifen – sondern Frauen in mehreren Ländern um Millionen von Euro betrogen. Mittlerweile wird er in Israel, Norwegen, Schweden und England gesucht.

Das norwegische Portal VG hat sechs Monate lang zum Fall des Tinder-Schwindlers recherchiert und die Ergebnisse in einer beeindruckenden Story veröffentlicht: Nachdem er vor der israelischen Justiz nach Europa geflohen war, begann der Mann aus Israel, der sich Simon Leviev nannte, Frauen über Tinder Beziehungen vorzuspielen.

Eine Frau namens Cecile begann im Jänner 2018 Leviev zu daten. Beim ersten Treffen tauchte er mit einem Leibwächter, einem Sekretär und einem Geschäftspartner auf. Er schickte ihr Rosen, schrieb ihr täglich, verhielt sich wie ein verliebter Typ – bis zu dem Zeitpunkt, als er sie um ihre Kreditkartendaten bat, da er angeblich eine Zahlung machen musste, die nicht auf seinen Namen laufen sollte, weil seine Firma in gefährliche Geschäfte verwickelt sei. Seine Firma habe gerade mit harter Konkurrenz zu kämpfen, erzählte er ihr.

Die Beziehung der beiden entwickelte sich weiter, das Paar wollte sogar eine gemeinsame Wohnung mieten – doch immer wieder brauchte der Tinder-Schwindler mehr Geld von Cecile. Zirka drei Monate nach dem ersten Treffen kam ihr das Ganze erstmals dubios vor. Sie wandte sich an die Behörden, er bedrohte sie daraufhin. Die Dokumente, mit denen er ihr beweisen wollte, dass er ihr das Geld wie versprochen bereits zurückgezahlt hatte, stellten sich übrigens als gefälscht heraus.

Cecile war leider nicht die erste Frau, der es so erging: Schon im Jahr 2015 wurde der Schwindler in drei Fällen von Betrug verurteilt. Das Geld von Cecile nutzte der Tinder-Schwindler, um sein Leben als erfolgreicher Geschäftsmann weiter inszenieren zu können – um so die nächste Frau um den Finger zu wickeln. Die Opfer, die dachten, sie daten einen wohlhabenden Businessman, bezahlten somit in Wahrheit selbst für den Luxus, in dem er wahrscheinlich immer noch lebt.

Extreme Fälle wie dieser sind zum Glück eher die Ausnahme, machen die potenziellen Gefahren von Online-Dating aber mehr als deutlich: Falsche Selbstinszenierung, fehlende Face-to-Face-Kommunikation und das Ausnutzen von Menschen, die auf der Suche nach Zweisamkeit und Liebe sind.

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