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Life
03/20/2019

Electroduo HVOB arbeiten weiter an ihrer Sonderstellung

Das Wiener Electroduo HVOB arbeitet weiter eifrig an seiner Sonderstellung: Anna Müller und Paul Wallner gelten zwar nicht erst seit gestern als wesentlicher Player in der Szene mit Auftritten rund um den Globus. Aber es macht immer wieder Staunen, wenn die beiden mit einer neuen Platte um die Ecke biegen, die in Sachen Kreativität und Freiheit neue Maßstäbe setzt.

So verhält es sich nun auch mit "Rocco", das nach der Zusammenarbeit mit Winston Marshall (Mumford & Sons) weg vom Indie-Touch geht, dafür aber Electronic in all ihren Facetten beleuchtet: Sei es das sich langsam aufbauende "2nd Law", das reduzierte "A List" oder das tanzbare "Panama". Insgesamt offenbart das Album, das sich thematisch mit dem Loslassen auseinandersetzt, eine neue Bandbreite an Sounds und Stimmungen, die HVOB nur zu gut zu Gesicht steht. Live sind sie am 4. April in Linz, am 27. April in Graz sowie am 29. Juni in Wien zu erleben.

Näher an ihrem Namen waren Die Heiterkeit vielleicht noch nie: Die Hamburger Band um Sängerin Stella Sommer hat kürzlich ihr neues Album "Was passiert ist" veröffentlicht und dafür wunderschöne Lieder verfasst, die zwar einen melancholischen Unterton haben, aber eigentlich Richtung Licht streben. Ein Beispiel dafür ist das elegische "Wie finden wir uns", das in der Bridge gar kurz psychedelisch anmutend, während Sommer die Zartheit in ihrer Stimme entdeckt. Produziert hat erneut Moses Schneider, der Sound des Albums ist dementsprechend voll und kräftig, ohne sich in Größenwahn aufzublasen. Live präsentieren sich Die Heiterkeit am morgigen Donnerstag in Wien (Fluc) und tags darauf in Salzburg (Arge Kultur).

Ein Frühjahrsalbum, wie gemacht für den Herbst: Helgi Jonssons neue, am 5. April erscheinende Platte "Intelligentle" bietet sanfte Singer-Songwriter-Kost, die sich Zeit lässt und den Hörer behutsam umgarnt. Meist sparsam instrumentiert, verlässt sich der isländische Künstler auf sein Gespür für Melodien und sein einnehmendes Timbre, das besonders in Kombination mit vorsichtig gesetzten Bläsersätzen erstrahlt ("Crossroads"). Dabei war es lange relativ ruhig um den umtriebigen Musiker, der zuletzt vorwiegend für andere Acts im Einsatz war. "Aber seit einiger Zeit wuchs der Drang, wieder eigene Songs zu schreiben und aufzunehmen", wird er zitiert. Es hat sich gelohnt: "Intelligentle" ist ein Kleinod, das sich nicht großartig aufdrängt, sondern entdeckt werden will.

Viel Zeit hat sich Bridie Monds-Watson gelassen: Die nordirische Musikerin, die als Soak 2015 ihr Debüt vorgelegt hat, weiß sich auf "Grim Town" äußerst bestechend zu präsentieren. War der gleichermaßen Indie wie Folk bedienende Vorgänger noch eine Fingerübung in Sachen "teenage heart", das mehr als einmal besungen wurde, hat sich Monds-Watson nun der Gesellschaft zugewandt. So sei der Ort im Titel auch als "Dystopie" zu verstehen. "Ich sah mich im Inneren eines ausgedachten Ortes", erklärt die Sängerin. Auf diese Weise habe sie dessen Dynamiken erforschen können. Musikalisch nutzt sie ihre bekannten Mittel, traut sich wie in "Crying Your Eyes Out" aber auch zusehends an die große Geste heran. "Grim Town" ist ein üppiges Menü geworden, das die kleinen und großen Dramen des Lebens behandelt.

Mit maximaler Zurückhaltung zum optimalen Output: Dieser Gedanke beschleicht einen beim Hören von Sasami Ashworths Debütalbum "Sasami". Die US-Amerikanerin hat darauf allerlei Sounds aus dem Rock- und Lofi-Universum versammelt, lässt die Gitarren schrammeln, taucht ihre Kompositionen in zuckrig-klebrigen Guss und stellt ihre eigene Stimme immer brav in den Hintergrund. Dennoch ist das Endergebnis nicht so abseitig, wie man es vielleicht glauben mag. Gearbeitet hat Sasami daran gut zehn Jahre, wobei sie angesichts der tagebuchartigen Lyrics selbst von "überdramatischen Entwürfen" spricht. Als Gäste konnte sie unter anderem Soko und Devendra Banhart gewinnen - zwei gute Referenzpunkte, um Sasami selbst zu fassen.

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