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Eure AirPods schaden dem Planeten

Die Bluetooth-Kopfhörer von Apple sind weder besonders nachhaltig, noch bieten sie außergewöhnlichen Sound. Warum fahren trotzdem alle auf sie ab?

OK, AirPods sind vielleicht nicht allein für den Niedergang unseres einst schönen Planeten verantwortlich, tun aber in jedem Fall ihr Übriges. AirPods, das sind die Bluetooth-Kopfhörer von Apple, die aussehen wie die austauschbaren Köpfe von elektrischen Zahnbürsten, die aber dennoch jedes Hypebeast und jeder sehr wichtige Geschäftsmann haben muss. Die Dinger, die knapp 180 Euro kosten, bestehen aus Plastik und beinhalten Stoffe wie Wolfram, Zinn, Lithium und Kobalt.

Natürlich wissen wir mittlerweile alle, dass Blut an unseren smartphoneliebenden Händen klebt: Die Bedingungen, unter denen Elektronikgeräte wie Smartphones und eben auch AirPods hergestellt werden, sind verheerend für die Gesundheit und die Lebensbedingungen von ArbeiterInnen. Nur scheint uns das nicht besonders zu stören – bei einem Wegwerfprodukt wie den AirPods wirkt das besonders bizarr.

Die Lebensdauer der Kopfhörer beträgt 18 Monate. Das sind eineinhalb Jahre. In anderen Worten: Stellt euch vor, ihr bekommt die AirPods als Geschenk zu eurem Geburtstag. Sie werden euch nicht einmal bis zur übernächsten Geburtstagsparty begleiten. Nach 18 Monaten funktioniert der Lithium-Ionen-Akku kaum noch. Was jetzt? Reparieren kann man die AirPods kaum, weil sie verklebt sind. Man kann die Kopfhörer zwar auseinandernehmen, aber nicht ohne sie irreparabel zu beschädigen.

Wirft man sie in den Müll, könnten sie in der Müllpresse zu brennen beginnen, da Lithium-Ionen-Akkus derartige physikalische Einwirkung nicht besonders gut verkraften. Auch recyclen kann man sie nicht, weil man den Akku nur schwer vom Plastik-Gehäuse trennen kann. Deine kaputten AirPods werden für immer leben, auch wenn sie tot sind – und wenn du schon längst tot bist. Ein Jahrtausend dauert es, bis sich das AirPod-Plastik zersetzt hat.

Auch der Sound der AirPods ist maximal durchschnittlich, wie man auf Bewertungsseiten nachlesen kann. Was AirPods aber ohne Zweifel – aus irgendeinem Grund – mit sich bringen: Prestige. Stehst du mit deinen AirPods in der U-Bahn, zeigst du nicht nur, dass du es dir leisten kannst, den neuesten und heißesten Scheiß von Apple zu besitzen, sondern auch, dass du es dir leisten kannst, diesen Scheiß alle 18 Monate wieder zu ersetzen – vorausgesetzt, du hast bis dahin nicht ohnehin schon mindestens einen der Kopfhörer verloren. Nicht umsonst zeigen unzählige AirPod-Memes die TrägerInnen immer wieder als bürgerliche Snobs. Die Marketingmanagerin Katy Leeson vermutet sogar, dass die spöttischen Memes dabei geholfen haben, die AirPods berühmt und zu einem Statussymbol für Millennials zu machen.

Für viele sind AirPods trotz des anfänglichen Spotts vermutlich ein Lifestyle-Produkt wie jedes andere, andere finden sie wahrscheinlich einfach bequem und praktisch, da man sie einfacher als ähnliche Kopfhörer mit dem Smartphone verbinden kann. Sie sind jedoch zweifellos eine absurde Modeerscheinung unserer Wegwerfkultur – und das auf einem völlig neuen Level.

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