APA - Austria Presse Agentur

Ein heißer Oscar-Favorit: "Green Book – Eine besondere Freundschaft"

Der eine hat nicht nur einen Appetit, der kaum zu zügeln ist, sondern auch ein äußerst loses Mundwerk; der andere ist ein distinguierter, charismatischer Künstler, für den der anstehende Trip zur brutalen Herausforderung wird.

Die auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte erzählt vom italienischstämmigen Türsteher Frank "Tony Lip" Vallelonga (Mortensen hat für die Rolle etliche Kilo zugelegt), der während der vorrübergehenden Schließung seines Nachtclubs auf Arbeitssuche ist. Der bärbeißige Familienvater mit, gelinde gesagt, verbesserungswürdigen Manieren landet schließlich in der prunkvoll ausgestatteten Wohnung von Jazzpianist Don Shirley (Ali), der für eine Tournee durch den tiefsten Süden der USA einen Chauffeur sucht. Ist es zunächst das Geld, das das ungleiche Paar zusammenbringt, sind es später die gemeinsamen Erlebnisse.

Denn die Reise hat es von Beginn an in sich. Immerhin schreibt man das Jahr 1962, und als afroamerikanischer Künstler ist Shirley zwar auf den Bühnen der Südstaaten (mehr oder minder) gern gesehen, muss sich aber abseits davon mit stereotypen Vorstellungen herumschlagen – im besten Fall. Offen ausgelebter Hass und Gewalt sind ständige Begleiter, weshalb Tony auch ziemlich schnell handfest zur Sache geht, um seinem neuen Boss zu helfen. Das titelgebende "Green Book" ist wiederum eine Art Ratgeber für schwarze Reisende, das "sichere" Unterkünfte, Restaurants und Tankstellen auflistet. Und so geht es von Indiana über Iowa und North Carolina bis nach Alabama.

Das von Tonys Sohn Nick Vallelonga, Farrelly und Brian Hayes Currie verfasste Drehbuch besticht durch eine ausgewogene Mischung aus leichten und schweren Momenten, wobei die Figuren keineswegs der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Selbst wenn Tony Lip zunächst als Abziehbild eines kleinkriminellen Italieners gezeichnet wird, der mal eben 50 Dollar beim Hotdog-Wettessen macht, knapp vor mafiösen Verstrickungen steht oder seinen latenten Rassismus kaum verbergen kann, bleibt er dank Mortensens Leistung glaubhaft und geerdet.

Aber es ist gerade das Zusammenspiel mit Alis charismatischer Erscheinung als Tastenzauberer, das Green Book eine besondere Anziehung verleiht. Mit diesen zwei Männern treffen auch zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber in vielerlei Hinsicht perfekt ergänzen. So entdeckt der Musiker die Vorzüge von Kentucky Fried Chicken (noch dazu in Kentucky!), während seine Fabulierkunst Tonys Briefe an seine in New York wartende Frau um etliche romantische Bonmots ergänzt. Ganz zu schweigen von der Musik, die besonders in den Konzertsequenzen von Ali höchst beeindruckend am Flügel umgesetzt wird.

Wer ein Haar in dieser Suppe sucht, wird wohl in der grundsätzlichen Ausrichtung fündig: Denn trotz des stets mitschwingenden Rassismusthemas, bleibt Green Book oft an der Oberfläche hängen. Polizeigewalt, Alltagsdiskriminierung, beidseitige Vorurteile – all diese Themen werden gestreift, mal größer und intensiver in die Auslage gestellt, dann aber schnell wieder zu den Akten gelegt. Mindestens ebenso wichtig erscheint Farrelly die Beziehung zwischen Tony und Don, die er mit viel Gespür für das richtige Timing inszeniert. Letztlich ist Green Book, das bei der Ende Februar stattfindenden Oscar-Gala Chancen auf fünf Auszeichnungen hat, eine Leistungsschau für zwei großartige Darsteller geworden: Für Ali und Mortensen ist es wohl nicht der beste Film, aber sicherlich jeweils eine ihrer besten Leistungen. Vielleicht mit einem Goldbuben als Belohnung, sind doch Mortensen als bester Hauptdarsteller und Ali als bester Nebendarsteller bei den Academy Awards nominiert.

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