APA - Austria Presse Agentur

"Roma" macht Mexiko-Stadt zur Touristen-Attraktion

"Hier wurde der Film 'Roma' gedreht", steht auf einem Metallschild an Haus Nummer 22 in der Tepeji-Straße in Mexiko-Stadt.

Dass das Haus und seine Umgebung eine zentrale Rolle in dem Oscar-Favoriten spielen, ist der Grund, warum sich die Wohngegend in den vergangenen Wochen zu einem Touristenmagnet entwickelt hat. "Wir lieben den Film", sagt Esteban Alvarez, Musiker aus Costa Rica.

Alvarez pilgert nun mit seiner Freundin und anderen Filmfans zu den Drehorten. Der Film "Roma" erzählt die Geschichte des Dienstmädchens Cleo in einer wohlhabenden mexikanischen Familie in den 1970er-Jahren. In weiten Teilen ist es die eigene Geschichte von Regisseur Alfonso Cuaron. Die Netflix-Produktion hat seit der Uraufführung im Sommer zahlreiche Preise gewonnen und ist für zehn Oscars bei der Verleihung am 24. Februar in Hollywood nominiert.

"Roma" ist in schwarz-weiß gedreht. Nun strömen die Fans in das gleichnamige Stadtviertel, um die Schauplätze in Farbe zu sehen. "Wir wollten unbedingt das Haus in echt sehen", sagt der 27-jährige Alvarez. Cuaron ließ es für den Film akribisch so einrichten, wie das Zuhause seiner Kindheit aussah. Das ist offenbar gelungen: Beim Besuch am Set hätten sich die Verwandten tatsächlich in ihrem alten Haus gewähnt, erzählte der Regisseur.

In Wirklichkeit wuchs Cuaron aber nicht in Haus Nummer 22 auf, sondern in der 21 auf der anderen Straßenseite. Beide Häuser wurden in den 1930er-Jahren identisch gebaut. Da die Nummer 21 von späteren Besitzern stark verändert wurde, entschied sich der Regisseur, in der Nummer 22 zu drehen.

Gloria Monreal, die Besitzerin, und Cuaron kennen sich aus Kindertagen, sie gingen zusammen in die Vorschule. Monreal freut sich über all die Touristen, die nun auf den Spuren des Films durch ihre Straße schlendern. Manche klopfen sogar bei ihr. Gerne öffnet sie ihre Tür, posiert für Fotos und lässt die Besucher in ein Gästebuch schreiben - das sie eines Tages Cuaron schenken möchte.

Im Film ist das Roma-Viertel ein schicker Stadtteil mit großzügigen Art-Deco-Häusern und chromglänzenden Autos. Das verheerende Erdbeben 1985 richtete aber auch in Roma schwere Schäden an. Mittlerweile haben Hipster das zentrale Viertel mit den baumbestanden Straßen für sich entdeckt.

Damit die Film-Fans noch leichter zu den Drehorten finden, gibt es inzwischen einen kleinen Führer dafür. Und das Reisemagazin "Conde Nast Traveler" gab Tipps für Ferienwohnungen in Mexiko-Stadt, in denen sich Urlauber wie im Film fühlen können.

Alvarez und seine Freundin sind ohne Führer unterwegs. "Ist das die Stelle im Film?", fragen sie sich bei ihrem Spaziergang immer wieder. Zu sehen gibt es die Vorschule, in die Cuaron ging und die ihren roten Anstrich von damals wieder bekam. Oder die laute Kreuzung der Straßen Insurgentes und Baja California.

Während in der Tepeji-Straße gerade eine Gruppe Touristen vor dem Haus Nummer 22 steht, schlüpft gegenüber aus der 21 Paulina Cruz, um den Hund auszuführen. "Ich bin das Kindermädchen der Familie, die jetzt in Cuarons altem Haus lebt", sagt sie lächelnd. Mit ihrer dunklen Sonnenbrille und den Jeans hat sie wenig gemein mit der sanftmütigen Cleo aus dem Film.

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