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Life
30.01.2019

Das erwartet euch in Clint Eastwoods "The Mule"

"The Mule" basiert lose auf der wahren Geschichte eines alten Gärtners, der aufgrund seiner Unauffälligkeit Unmengen von Kokain für ein mexikanisches Drogenkartell schmuggelte.

Irgendwie schafft es Clint Eastwood im Alter von 88 Jahren immer noch, einen Film nach dem anderen zu drehen. Seit Gran Torino vor zehn Jahren ist er allerdings in keinem seiner eigenen Filme mehr zu sehen gewesen. Seine letzten drei Regiearbeiten, American Sniper (2014), Sully (2016) und 15:17 in Paris (2018), waren Porträts gewöhnlicher, realer Menschen, die durch ihre Tapferkeit zu Helden erhoben wurden. Aber wenn sich der Filmemacher sowohl hinter als auch vor der Kamera befindet, ändern sich die Dinge. Dann wird er zum Antihelden.

Er spielt Earl Stone, einen 90-jährigen Kriegsveteran, der sich mehr für Blumen interessiert als alles andere in seinem Leben, weshalb ihn seine Ex-Ehefrau (Dianne Wiest) längst verlassen hat. Seine Spezialität ist die Taglilie ist, eine Blume, die nur einen Tag im Jahr blüht. Als wir ihn zum ersten Mal auf einer Lilien-Konferenz treffen, flirtet er mit ein paar älteren Damen, die ihn wie einen Rockstar anhimmeln. Er geht dann in eine Hotelbar feiern, auch wenn er die Hochzeit seiner eigenen Tochter (Eastwoods Tochter Alison) verpasst. Earl war noch nie ein guter Vater oder Ehemann.

Doch wenn sein geliebtes Geschäft pleitegeht ("Verdammtes Internet, es ruiniert alles"), steht der alte Mann plötzlich ohne Haus, Beruf oder Familie da. In dem Glauben, dass Geld ihm helfen könnte, die Dinge wieder gut zu machen, ist Earl offen für eine neue Geschäftsidee, als er von einem Freund seiner Enkelin (Taissa Farmiga) angesprochen wird. Ob er nicht vielleicht einen Transport übernehmen will? Kein Problem für Earl. Das Schmuggeln von erstaunlichen Mengen an Kokain stellt sich als ein Kinderspiel heraus. Wer erwartet denn, dass ein "alter Opa" wie er Kokain auf seiner Ladefläche versteckt? Gewiss nicht zwei Drogenfahnder, gespielt von Bradley Cooper und Michael Pena. Bald summt Earl fröhlich Lieder in einem schicken, neuen Truck und zahlt für die Hochzeit seiner Enkelin. Er wird so erfolgreich, dass ihn sogar der Kartellboss (Andy Garcia) in seine Villa einlädt, aber das kann natürlich auf die Dauer nicht gut gehen.

Earl ist die perfekte Rolle für Clint Eastwood, der genau weiß, wie man moralisch fragwürdige Figuren liebenswürdig macht. Das ist natürlich manipulativ, aber ziemlich wirksam. The Mule wurde zwar als Krimi vermarktet, ist aber tatsächlich eine dunkle Komödie. Earl hat im Laufe des Films nicht nur eine, sondern zwei Menages a trois mit viel jüngeren Frauen. Er macht auch gerne rassistische Witze, aber dank des fröhlichen Funkelns in seinen Augen, ist man ihm nie böse. Es sind die Momente, in denen er anfängt, sich seinen Fehlern zu stellen, die dazu beitragen, dass dies zu einer von Eastwoods besten Leistungen zählt. Sein schlanker Körper ist etwas zerbrechlicher und gebogener geworden, sein Gang etwas langsamer, aber sein schelmisches Charisma bleibt.

Der Film basiert lose auf einem Artikel in der New York Times über Leo Sharp, der, bevor er 2016 im Alter von 92 Jahren starb, mehr als ein Jahrzehnt sein Einkommen mit dem Schmuggeln von Kokain in den USA für den berüchtigten Sinaloa-Clan aufbesserte. Hier wurde der Florist in Earl Stone umbenannt, aber seine Geschichte ist im Wesentlichen die gleiche. Er wurde im Alter von 87 Jahren mit 104 kg Kokain in seinem Pick-up auf dem Weg nach Detroit festgenommen.

Es ist bemerkenswert, dass Eastwood und sein Drehbuchautor Nick Schenk, der Gran Tarino geschrieben hat, so viele Nuancen in der Geschichte eines Mannes finden, der gegen Ende seines Lebens zu der traurigen wie wahren Schlussfolgerung gelangt, dass man alles mit Geld kaufen – alles außer Zeit.

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