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Life
21.11.2018

Film: Verschwörung

Die #MeToo-Ära scheint der ideale Moment für die Rückkehr von Lisbeth Salander zu sein, "das Mädchen, das Männer verletzt, die Frauen verletzen". Aber in "Verschwörung", dem neuen Actionfilm von Fede Alvarez, hat sich Lisbeth, die legendäre Heldin von Stieg Larssons Millennium-Trilogie, in eine grantige, weibliche Version von James Bond verwandelt.

In den Büchern des Schriftstellers Stieg Larsson, in den drei schwedischen Filmen, die daraus gemacht wurden, und in einer gelungenen Hollywoodadaption von David Fincher ("Verblendung", 2011), ist Lisbeth Salander - gespielt von Noomi Rapace und dann Rooney Mara - eine misshandelte Frau, die böse Männer ins Visier nimmt. Die bisexuelle Frau mit der berühmten Drachentätowierung war schon immer ein Bündel von Paradoxien, die natürlich im wirklichen Leben vorkommen, aber seltener im Mainstreamkino: beschädigt, aber stark; brillant in so vielen Dingen, doch scheinbar ahnungslos, wenn es um menschliche Beziehungen geht.

Aber selbst eine so schwierige Figur wie Lisbeth Salander kann der Hollywood-Superhelden-Maschinerie nicht entkommen, und so liegen ihre Eigenheiten in dieser Fortsetzung, die auf einem vierten Millenium-Buch von David Lagercrantz basiert, unter einem multiplexfreundlicheren Äußeren begraben. Sie ist immer noch ein cooles Mädchen, gespielt von Claire Foy (bekannt für die Netflix-Serie "The Crown"), aber Regisseur Fede Alvarez ("Don't Breathe"), der das Drehbuch mit Steven Knight und Jay Basu schrieb, hat den Film eher als Action-Comic-Abenteuer konzipiert.

Lisbeth trägt Augen-Make-up, das wie eine Superheldenmaske aussieht und rast wie Batgirl, das Fledermausmädchen, auf ihrem Motorrad durch die Nacht. Eine frühe Demonstration ihrer Coolness kommt während der Rettung einer Frau, die von ihrem Ehemann blutig geschlagen wird. Da erscheint Lisbeth wie ein Racheengel. Sie zieht den Ehemann in einem Lasso hoch und hängt ihn von der Decke herab. Währenddessen leert sie sein Bankkonto zugunsten seiner Frau und der beiden Prostituierten, die er verprügelt hat. Mit einer Elektroschockpistole verletzt sie ihn dann dort, wo es am meisten wehtut.

Bald darauf erhält sie einen Anruf von einem ehemaligen NSA-Mitarbeiter (Stephen Merchant), der ein Computerprogramm entwickelt hat, mit dem man auf alle Atomwaffen in der Welt zugreifen kann. Jetzt macht er sich Sorgen, dass die USA eine solche Macht missbrauchen und bittet Lisbeth sie aus der Datenbank der NSA zu entfernen. Kein Problem für Lisbeth, aber auch andere, skrupellose Leute wollen das Programm: der NSA-Agent, der es durch seine Finger gleiten hat lassen (Lakeith Stanfield); sein Pendant im schwedischen Geheimdienst (Synnove Macody Lund); und ein paar Waffenhändler, die als "Spinnen" bekannt sind, eine Gruppe in die Lisbeths tot geglaubte Schwester Camilla (Sylvia Hoeks) verwickelt ist.

In mancher Hinsicht fühlt sich diese Lisbeth nicht wie die Person an, die wir kennen. Sie ist jetzt massenkompatibler und als Film, der von einer Industrie und Kultur in den USA produziert wurde, inmitten einer Debatte um sexuelle Gewalt, scheint er sich viel zu sehr mit feurigen Explosionen zu befassen. Der Roman, auf dem der Film basiert, wurde elf Jahre nach dem Tod von Stieg Larsson, von Lagercrantz geschrieben (Larssons Partnerin Eva Gabrielsson hat Lagercrantzs Buch als "Grabräuberei" kritisiert) und das mag auch damit zu tun haben.

Spannende europäische Schauspieler wie Claes Bang (" The Square") und Vicky Krieps ("Der seidene Faden") können in ihren Rollen nur wenig tun. Als Journalist Mikael Blomkvist steht der Schwede Sverrir Gudnason ("Borg/McEnroe") zur Verfügung, aber sein Charakter war noch nie so langweilig. Gleiches gilt für den US-Schauspieler Lakeith Stanfield, der in der Fantasykomödie "Sorry to Bother You" großartig war.

Trotz Hollywood-Makeover gibt es immer noch etwas Spannendes an diesem widerspenstigen Mädchen. Aber sie in ein Superheldinnen-Kostüm zu zwängen, fühlt sich irgendwie falsch an.

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