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Life
21.01.2019

Warum People of Color Ariana Grandes "7 Rings" kritisieren

KünstlerInnen und Twitter-UserInnen beschuldigen Ariana, sich Teile Schwarzer Kultur anzueignen.

Nur vier Tage nachdem Ariana Grande ihr Video zum Song “7 Rings” gedroppt hat, zählt der Clip auf YouTube 49 Millionen Views. Der Song dreht sich um Geld, ein bisschen um Freundschaft, um noch mehr Geld und darum, wie Ari durch ihre Schicksalsschläge nicht zur “sad bitch”, sondern zur “savage” wurde.

"7 Rings" und das dazugehörige Video lösten jedoch nicht bei allen so grenzenlose Freude aus wie bei ihren Fans: Vor allem People of Color lieferten in den letzten Tagen Denkanstöße dazu, wie Ariana, deren Großeltern aus Italien stammen, sich in “7 Rings” Teile Schwarzer Kultur zu eigen macht und beschuldigen sie der kulturellen Aneignung.

Der Begriff bezeichnet ein vielzitiertes Phänomen, bei dem sich Mitglieder einer dominanten Kultur, also in diesem Fall Weiße, an kulturellen Elementen unterdrückter Kulturen bedienen – um daraus Kapital zu schlagen. In diesem Kontext wird Künstlerinnen und Künstlern oft vorgeworfen, sich der “Vorteile” einer Kultur zu bedienen, ohne die für andere damit einhergehenden Nachteile wie Diskriminierung zu erleben.

Angefangen beim Trap-Beat und dem Flow, der einige Userinnen und User stark an Soulja Boys’ “Pretty Boy Swag” erinnert, bis hin zur Ästhetik des Videos: das Internet hat an Arianas Video so einiges auszusetzen.

Das pinke Haus, in dem Ariana und ihr Squad im Video tanzen und feiern, erinnert einige an das “Pink Trap House” in Atlanta. Der Rapper 2Chainz hatte sein Album “Pretty Girls Like Trap Music” mit dem Wahrzeichen promotet. Davon abgesehen bezeichnet der Begriff “Trap House” ganz grundsätzlich Häuser in heruntergekommenen Gegenden in den USA, in denen Drogen produziert, verkauft oder konsumiert werden.

Die Rapperin Princess Nokia will in “7 Rings” übrigens ihren Song “Mine” wiedererkennen, der sich um Schwarze Frauen und ihr Haar dreht, wie sie in einem Video auf Instagram erklärt. In dem Song rappt Princess Nokia:

“It’s mine, I bought it / It’s mine, I bought it”,

In Arianas Song lautet die entsprechende Zeile:

“Gee, thanks, just bought it / I see it, I like it, I want it, I got it”

Dass Ariana Grande sich als Weiße Frau, deren Teint im Laufe der Zeit mysteriöserweise immer dunkler wurde, nun Schwarzer Kultur bedient und sich damit neben Musikerinnen wie Miley Cyrus, Gwen Stefani oder Iggy Azalea einreiht, stößt jedoch nicht nur Schwarzen KünstlerInnen, sondern auch Social-Media-UserInnen sauer auf.

In einem viralen Thread zeigt die Twitter-Userin @briamichelle ausführlich auf, warum Ariana Grande als problematisch wahrgenommen werden kann und weist darauf hin, dass sie zwar nicht denke, dass Ariana böse Absichten hege, ihr Einfluss auf andere jedoch enorm sei. Unter anderem weist sie auf Arianas "Brownfacing" hin, also die Tatsache, dass sich die Hautfarbe von Ariana im Laufe der Zeit maßgeblich verändert hat.

Auf einem Bild, das sie neben der Rapperin Nicki Minaj zeigt, ist zwischen den Hautfarben der beiden kaum ein Unterschied zu sehen. Auch die Tatsache, dass Ariana sich immer wieder durch den Gebrauch von African-American Vernacular English ausdrückt, einer Art Dialekt, die vor allem von AfroamerikanerInnen aus der ArbeiterInnenklasse und Mittelschicht benutzt wird, findet im Thread Erwähnung. 

Ob sich Ariana, die sich häufig für feministische Themen und liberale Politik einsetzt, in Bezug auf den Flow bei Soulja Boy bedient hat, bleibt wohl eine Streitfrage, die schwer zu beantworten ist. Dass der Song und das Video zu “7 Rings” Teile Schwarzer Kultur auf problematische Art und Weise reproduzieren, scheint hingegen offensichtlich – zumindest für People of Color, die sich dafür einsetzen, andere für diese Thematik zu sensibilisieren. So viele von uns sind blind für dieses komplexe Thema – und allein diese Tatsache zeigt, wie wichtig diese Debatte ist. 

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