APA - Austria Presse Agentur

Film: Was uns nicht umbringt

Wirklich glücklich sieht da niemand aus. Nicht nur jene Menschen, die in die Praxis des Psychotherapeuten Max kommen, sondern auch jene, die mit ihm verwandt oder befreundet sind. Und Max selbst? Der hat auch genug Probleme am Hals. Wenigstens hat Sandra Nettelbeck in ihren Film "Was uns nicht umbringt" auch manches Augenzwinkern eingebaut.

August Zirner, der derzeit in den Kammerspielen der Josefstadt in Daniel Glattauers "Vier Stern Stunden" den kratzbürstigen Erfolgsautor Frederic Trömerbusch spielt, verkörpert den mit einer Überdosis an Empathie ausgestatteten Therapeuten. Das führt dazu, dass ihm die Sinn- und Lebenskrisen, mit denen er beruflich zu tun bekommt, auch persönlich zu schaffen machen, dass es ihm nicht gelingt, sich von seiner Exfrau zu lösen, und dass er sich in seine Patientin Sophie (Johanna ter Steege) verliebt. Sogar sein aus dem Tierheim geholter Hund wirkt zutiefst melancholisch.

Zirner, der bereits in Nettelbecks "Bella Martha" (2001) einen Therapeuten spielte, steht im Zentrum eines großen Ensembles, dessen kompliziertes Beziehungsgeflecht sich erst allmählich erschließt. Da gibt es etwa die skurrilen Tierpfleger Hannes (Bjarne Mädel) und Sunny (Jenny Schily), die einander im Pinguin-Gehege langsam näher kommen. Die Geschwister Mark (Christian Berkel) und Henriette (Victoria Mayer) sind einander dagegen eher schon zu eng verbunden und leiten gemeinsam ein Bestattungsunternehmen, an das sich die Schriftstellerin Isabelle (Deborah Kaufmann) wendet, um ihre eigene Beerdigung zu planen. Der Pilot Fritz (Oliver Broums) hat dagegen durch das langsame Sterben seines an Leukämie leidenden Freundes nicht nur Depressionen, sondern auch Flugangst bekommen.

Immer wieder wechseln die Schauplätze. Das gesamte Geschehen zu durchschauen, erfordert echte Konzentration. Dafür wird man mit differenziertem Schauspiel und immer wieder aufblitzender Situationskomik belohnt. Dass "Was uns nicht umbringt" (von Nettelbeck stammt auch das Drehbuch) nicht als echter Wohlfühlfilm durchgehen kann, dürfte allerdings angesichts des Titels niemanden überraschen. Und doch sind am Ende wesentlich weniger Tote zu verzeichnen als in jedem durchschnittlichen Hollywood-Blockbuster.

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