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Life
02/06/2019

Wenn Kunst auf österreichische Politik trifft

Die Seite "Zeit in Kunst" montiert Sebastian Kurz in Gemälde von Gustav Klimt und zeigt Herbert Kickl als Lord Voldemort.

Wie sagt man so schön? Das Leben imitiert die Kunst. Aber lasst uns dieses nebulöse Zitat an dieser Stelle mal ein Stück weiterdrehen: Das Leben besteht nämlich immer auch ein bisschen aus Politik. Ergo imitiert wohl auch die Politik die Kunst. Folgerichtig ist die österreichische Regierung wohl auch nichts anderes als die moderne Version eines Renaissance-Gemäldes. Sorry, wir machen die Regeln nicht. Beweisstück A: Die Facebook-Seite Zeit in Kunst.

Zeit in Kunst macht Sebastian Kurz und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kurzerhand zum goldigen Liebespaar in Gustav Klimts "Der Kuss", erkennt die Ähnlichkeit zwischen Ulrike Lunacek und Frida Kahlo oder collagiert das Antlitz Herbert Kickls mit jenem des dunklen Lords. Also, der, dessen Name nicht genannt werden darf. Ihr wisst schon.

Dahinter steckt die Fotografin Olivia Felix Schwarz. Die Idee zur Seite kam der Wienerin schon während der Nationalratswahl 2017. "Es war Sonntag und ich noch ziemlich verkatert. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, wie die ersten Collagen entstanden, aber ich hatte plötzlich Riesenspaß daran, Politikern bestimmte Kunstwerke zuzuordnen", so Olivia im Gespräch mit k.at. Nachdem sie die ersten Mash-ups auf Facebook und Bored Panda veröffentlicht hatte, dauerte es nicht mehr lange, bis auch die ersten Medien auf die Idee aufmerksam wurden.

Die Machart – statt realistisch wirkender Montagen setzt Olivia lieber auf einfache, radikale Kompostionen – ist übrigens bewusst so gehalten: "Ich war überrascht, wie gut diese restalkoholbeeinflussten, schnell gemachten Collagen ankamen. Den Stil habe ich dann absichtlich so beibehalten."

Das Schöne an der Kunst ist ja, dass sie immer im Auge des Betrachters oder der Betrachterin liegt. Somit bleibt es auch jedem und jeder selbst überlassen, was ein Hybrid aus Matthias Strolz und der Mona Lisa letztendlich aussagen soll. Oder eben die konsequente Besetzung von Egon-Schiele-Gemälden mit Christian Kern. Um es mit Lady Gaga zu sagen: Her artpop could mean anything.

Spätestens als Olivias "Austrian Gothic" – eine Abwandlung von Grant Woods "American Gothic", das die meisten von euch Banausen aus dem Vorspann von Desperate Housewives kennen – das Cover einer Wiener Gratiszeitung zierte, wurde ihr bewusst, dass sie hier auf etwas Großem saß. Der logische nächste Schritt war die Gründung einer Facebook-Seite, die es inzwischen auch auf Instagram gibt: Zeit in Kunst war geboren.

Die Seite fungiert nun als eine Art Mutterschiff, von dem aus Olivia versucht, so oft es geht auf die aktuelle politische Situation Österreichs mit ausgelesenen Mischmasch-Kunstwerken zu reagieren. Manchmal tun es auch simple Gegenüberstellungen – da reicht es dann beispielsweise, Sebastian Kurz, Heinz-Christian Strache und Karin Kneissl ganz einfach neben die Gebrüder aus Malcolm mittendrin zu platzieren.

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