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Darum war der Lockdown nicht nur schlecht für uns

Britische ForscherInnen haben herausgefunden, dass der erste Corona-Lockdown nicht nur schlecht für uns war.

Zahlreiche Studien berichteten darüber, dass sich der Lockdown negativ auf unsere psychische Gesundheit ausgewirkt hat. Vor allem Depressionen und Panikattacken sollen durch die Corona-Pandemie gestiegen sein.

Doch ist es möglich, dass der erste Corona-Lockdown auch seine Vorteile hatte? Dieser These stimmt eine neue Untersuchung der University of Reading zu. 

Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift "Frontiers in Psychology" veröffentlicht.

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Bessere Kompetenzen durch Lockdown? 

Die ForscherInnen führten ihre Studie nach dem ersten nationalen Lockdown im Vereinigten Königreich durch. Für die Untersuchung wurden 2000 Jugendliche, berufstätige Erwachsene und SeniorInnen zu ihrer Zeit in der Isolation befragt.

Dabei stellten die StudienautorInnen fest, dass es für die TeilnehmerInnen nicht nur negativ war, die ersten Monate der Corona-Pandemie zu Hause zu verbringen. 

43 Prozent aller TeilnehmerInnen gaben an, dass sie durch den Lockdown mehr Zeit hatten, an ihren Fähigkeiten zu arbeiten. Das führte vor allem zu einer Verbesserung ihrer Kompetenzen. Die Befragten fühlten sich selbstständiger und bekamen in dieser Zeit einen Motivationsschub. Bei berufstätigen Erwachsenen soll dieser doppelt so hoch gewesen sein wie bei Jugendlichen. 

Während des Lockdowns nahmen zudem viele Menschen alte Hobbys und Interessen wieder auf, die laut den WissenschafterInnen ihr Wohlbefinden verbesserten. So gingen die ProbandInnen beispielsweise häufiger in der Natur spazieren und machten mehr Fahrradtouren.

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Schlechte Stimmung durch Isolation

Doch trotz dieser positiven Erkenntnisse hat jeder dritte berufstätige Erwachsene (36 Prozent) angegeben, dass der Lockdown sein Wohlbefinden beeinträchtigt hat. Das ist deutlich mehr als bei 29 Prozent der Jugendlichen und 24 Prozent der SeniorInnen. Zudem soll die Isolation für berufstätige Erwachsene die "härteste Zeit" gewesen sein. 

Fast die Hälfte der arbeitstätigen Befragten (44 Prozent) gab an, dass sich ihre Stimmung verschlechtert hat. Im Vergleich dazu waren nur 28 Prozent der Jugendlichen und 25 Prozent der älteren Menschen dieser Meinung.

Laut den ForscherInnen hängt das bei berufstätigen Erwachsenen vor allem damit zusammen, dass sie nicht mehr so viel Zeit allein verbrachten wie vor dem Corona-Lockdown. Dadurch, dass die meisten Familienmitglieder im Homeoffice oder -schooling zu Hause waren, fielen Situationen wie der Weg zur Arbeit oder Mittagspausen – die man meist allein verbrachte – weg. Dies setzte auch den berufstätigen ProbandInnen stark zu. 

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Die Isolation hat zudem bei 15 Prozent der Jugendlichen die Beziehung zu ihren FreundInnen beeinträchtigt. Im Vergleich dazu sahen das nur sieben Prozent der befragten Erwachsenen und zwei Prozent der SeniorInnen genauso. 

Professionelle Hilfe

Wer Selbstmordgedanken hat oder an Depressionen leidet, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits ein einzelnes Gespräch. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich rund um die Uhr kostenlos unter der Rufnummer 142 an die Telefonseelsorge wenden. Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt ÄrztInnen, Beratungsstellen oder Kliniken.