Wer ist die Letzte Generation Österreich?

APA - Austria Presse Agentur / Letzte Generation Österreich

"Letzte Generation": Wer sind die KlimaaktivistInnen?

Als besonders umstrittene Widerstandsbewegung sorgt die sogenannte "Letzte Generation" aktuell für viele Fragezeichen.

"In demokratischen Gesellschaften kann ziviler Ungehorsam eine gerechte Reaktion sein, wenn die Regierungen es versäumen, große Ungerechtigkeiten zu beseitigen." Mit diesem Zitat eröffnet die "Letzte Generation" ihre "Über uns"-Seite. Beleuchten wir die umstrittene Organisation etwas genauer, schauen wir uns an, wer sie sind, welche Ziele sie verfolgen, und warum ihre Methoden so scharf kritisiert werden.

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Wer ist die "Letzte Generation"?

Die momentan alles andere als beliebte Gruppe von KlimaaktivistInnen besteht aus einer unüberschaubaren Menge von losen Mitgliedern, in Deutschland wird die Zahl die Engagierten laut "RND" auf etwa 750 Personen geschätzt. Ein kleiner Kern koordiniert dabei die vielen lokalen Untergruppen, um Strategien zu verwirklichen. Ihr selbsternanntes Ziel: eine bessere Welt für alle. "Niemand wird zurückgelassen", schreiben sie etwa auf ihrer Website. Wichtig: Die Letzte Generation arbeitet absolut gewaltfrei, wie die Gruppe betont.

Der Kern ihrer Aktionen basiert immer auf zivilem Ungehorsam. Dieser ist laut "rechteasy.at" definiert als „öffentliche, gewaltlose, gewissensbestimmte, aber politisch gesetzeswidrige Handlung, die gewöhnlich eine Änderung der Gesetze oder der Regierungspolitik herbeiführen soll“.

 

TeilnehmerInnen von offiziellen Aktionen der Gruppe müssen Trainings absolvieren, und sich an einen Aktionskonsens halten. In diesem steht zum Beispiel: "Wir achten darauf, dass wir immer eine Rettungsgasse bilden können – besonders wichtig, wenn Menschen sich festkleben. Einsatzfahrzeuge werden durchgelassen, ebenso Menschen in nachvollziehbaren, dringenden Notlagen. Wir stören den Alltag, nicht Menschen in Not." Wer sich nicht an die Regeln hält, kann ausgeschlossen werden.

Wer dabei mitmacht? Alle. Von jung bis alt, von linken StudentInnen bis zu langjährigen AutoverkäuferInnen. BürgerInnen, die ein Problem in der Umweltpolitik ihrer Regierungen sehen, und darauf aufmerksam machen möchten, machen mit. Menschen aus allen Bereichen seien willkommen, schließlich wolle die Letzte Generation eben die Menschen in den Mittelpunkt stellen.

Nicht selten passiert es wohl, dass die öffentliche Wahrnehmung über Klimaproteste hinwegsieht, weil es dabei in erster Linie nicht um Menschen geht. Dabei schadet es aber nicht, sich in Erinnerung zu rufen: Die Menschheit lebt nunmal auf der Erde. Geht sie unter, tun wir das auch.

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Wer finanziert die "Letzte Generation?

Die "Letzte Generation" sind sicherlich nicht die einzige Gruppierung ihrer Art. Hinter ihnen steht das "A22 Network", ein globales Netzwerk von Umweltschutzorganisationen. Finanziert werden, neben der Letzten Generation und der radikalen "Extinction Rebellion", auch die britische "Just Stop Oil" sowie acht ähnlich aktive Zusammenschlüsse in Europa und den USA. So viele Gruppen brauchen eine Menge Geld, dieses stammt zum größten Teil aus dem "Climate Emergency Fund", welcher 2019 gegründet wurde.

Dieser Fonds wird von einer Handvoll namhafter Personen gestellt und verwaltet: etwa dem erfolgreichen Drehbuchautor Adam Mckay, verantwortlich für den Netflix-Erfolgsfilm "Don't Look Up", ein Film über eine nicht ernstgenommene, hereinbrechende Naturkatastrophe. Auf der Website findet sich neben seinem Bild das von Aileen Getty: "TheGuardian" zufolge eine milliardenschwere US-amerikanische Öl-Erbin, die ihr Erbe nutzen möchte, um Gutes zu tun. Welch Ironie.

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Warum Gemälde, warum Straßen?

Wohl umstrittenster Punkt an der gesamten Organisation sind die Maßnahmen, mit denen sie darauf aufmerksam machen wollen, dass sie "die letzte Generation sind, die den absoluten Klimakollaps noch aufhalten kann". Berechtigterweise fragen sich viele Menschen, ob es denn nötig sei, dafür Straßen zu blockieren, wertvolle Gemälde anzugreifen oder Flughäfen lahmzulegen.

 

k.at-Meinung

In meinen Augen sprechen die Maßnahmen hauptsächlich für zwei Punkte: Die Überzeugung, mit der die AktivistInnen hinter ihrer Sache stehen, und die Verzweiflung angesichts ihrer sonstigen Machtlosigkeit. Mit ihren Aktionen stoßen sie bewusst an die Grenzen eines friedlichen, gewaltfreien Protests, denn es geht darum, Aufmerksamkeit und Empörung zu generieren. Angemeldete, reguläre Freitagsdemos kann man leicht ignorieren, unangemeldeten, kollektiven und zivilen Ungehorsam eben nicht.

 

Über die jüngeren Generationen wird oft gesagt, ihnen fehle das Engagement, der "Biss" oder das Durchhaltevermögen; hier sieht man jedoch eine Menge junger Menschen mit unglaublicher Bereitschaft für eine gemeinsame, wichtige Sache einstehen, wenn auch mit fragwürdigen Mitteln. "Wer nicht hören will, muss fühlen", dieses Sprichwort dürften sich die KlimaschützerInnen zu Herzen genommen haben, denn schon 1992 warnten über 1700 WissenschaftlerInnen uns in ihrer "Warnung an die Menschheit" über die drohenden Folgen der menschlichen Fahrlässigkeit im Umgang mit dem Planeten.

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Die Letzte Generation und ihr Tun sind wohl ein klassischer Fall von "Der Zweck heiligt nicht die Mittel." Während wir abwägen müssen, ob nicht angesichts der Bedrohung schon alle verfügbaren Mittel ausgeschöpft wurden, sind die teils radikalen Aktionen der Gruppierung vielen Menschen zu Recht ein Dorn im Auge.