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"New year, same me": Warum ich mir keine Neujahrsvorsätze vornehme

Neues Jahr, neuer Vorsatz? Das muss nicht sein. Warum es einfach mal gut ist, keine Vorsätze zu haben.

Oh, ich kann es wie jedes Jahr kaum erwarten, wenn meine Timeline auf sämtlichen Social-Media-Plattformen mit unzähligen Jahresvorsätzen und Neujahrssprüchen vollgespamt wird. So viele von uns möchten sportlicher, glücklicher sowie ambitionierter werden – und nehmen sich daher unzählige Vorsätze vor. 

"Das wird mein Jahr!", hab ich mir in jungen Jahren schon so oft an Silvester gedacht, um mich gleichzeitig mit einem "Natürlich, so wie die fünf Jahre zuvor, die du Ende Dezember immer wieder mit einem 'Das war das schlimmste Jahr ever'-Posting verabschiedet hast", auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

Neujahr ist für mich persönlich immer diese unglaublich schwierige Phase, in der man etwas in der Schwebe lebt. Während man sein altes Jahr reflektiert, denkt man schon an das neue – und an die vielen Dinge, die man "unbedingt" schaffen muss. Denn unser Leben muss nach jedem Silvester ganz plötzlich toller, besser und schöner werden.

Während viele von uns nervös herumlaufen und mit ihren unzähligen Vorsätzen bei ihren FreundInnen, Verwandten oder ArbeitskollegInnen "flexen", hab ich nur einen Gedanken im Kopf: Nicht. Mit. Mir. 

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Kein Bock auf Enttäuschungen

Dieser Artikel soll keineswegs ein Bashing derjenigen sein, die sich ihre Jahresvorsätze vornehmen. Wer es jedes Jahr aufs Neue schafft, seine Vorsätze zu rocken, ist in meinen Augen ein Star. Ich bin einfach nur von der Tatsache gelangweilt, dass es so viele Leute da draußen gibt, die ihren Mitmenschen ihre Vorsätze auf die Nase binden oder diese verurteilen, wenn sie sich keine Veränderungen oder Pläne vornehmen. 

Das Einzige, was ich mit Jahresvorsätzen verbinde, ist ein emotionaler Begriff: Enttäuschung. Ja, ich bin schon oft genug in die "New year, new me"-Falle getappt und habe ich mich zu oft selbst enttäuscht und unter Druck gesetzt, um diesen Vorsätzen noch einmal ein Go zu geben.

Ich habe mich dabei immer wieder mit Ross aus "Friends" verglichen, der sich schon am zweiten Januar wie ein Loser fühlte (Lederhose exklusive). 

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Das bedeutet nicht, dass ich keine Lebensziele habe oder einfach nicht verbissen genug war, um die Vorsätze einzuhalten. In manchen Situationen haut es einfach aus den verschiedensten Gründen nicht hin.

Deshalb kam ich schnell zu dem Entschluss, dass Neujahrsvorsätze einfach nichts für mich sind – und das ist okay.

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Veränderungen kann man auch vor Neujahr umsetzen

Natürlich könnte man nun davon ausgehen, dass meine "Kein Bock auf Enttäuschungen"-Einstellung bequem ist – das ist auch absolut legitim. Schlussendlich bin ich jedoch einfach der Meinung, dass nur, weil ein neues Jahr beginnt, es nicht sofort heißt, dass man automatisch mit der Selbstoptimierung starten muss. 

Klar bietet sich der Jahreswechsel für "neue Anfänge" an, doch, wenn man so heiß darauf ist, warum startet man nicht gleich mit diesen Änderungen? Ich habe unzählige Male die Aussage gehört, dass "im neuen Jahr einfach alles besser wird."

Klingt super, aber warum nicht sofort Maßnahmen setzen, um dies zu ändern? Warum auf nächstes Jahr warten? Denn es muss nicht "nur" das neue Jahr besser sein – im Endeffekt kann man auch noch die Zeit nutzen, um das aktuelle Jahr zu ändern – egal, an welchem Tag man damit anfängt.

Ich finde, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn man sich keine Jahresvorsätze vorgenommen hat, denn oft bieten sich in unseren Lebensjahren so viele Challenges, die wir weit vor dem nächsten Silvester bewältigen müssen, sodass Jahresvorsätze plötzlich unglaublich bedeutungslos erscheinen. 

Blicke auf dein Jahr zurück und erinnere dich daran, was du in diesen 365 Tagen alles geschafft hast. Vieles davon war doch bestimmt absolut ungeplant und trotzdem fabelhaft, oder? 

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Zum Jahreswechsel leg' ich mal die Füße hoch!

In unserer heutigen Leistungsgesellschaft arbeiten wir jeden Tag auf ein bestimmtes Ziel hin – egal ob privat oder beruflich. Wie wäre es also damit, wenn wir einfach einmal durchatmen und das Jahr vollkommen ohne Vorsätze und Erwartungen auf uns zukommen lassen?

Denn das neue "Jahresbuch" unseres Lebens wird uns auf jeder Seite mit einer neuen Hürde überraschen, die wir besser bewältigen werden als im Jahr zuvor. Und eines ist sicher: Du kannst stolz auf dich sein – auf alles, was du bisher erreicht hast –, ganz egal, ob mit Jahresvorsätzen oder nicht.