Perchtenlauf abschaffen?

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Perchtenlauf abschaffen? Tradition wirft Fragen über Gewalt auf

Perchtenläufe haben in Österreich lange Tradition. Doch immer wieder werden Zwischenfälle gemeldet. Hat dieser Brauch noch Berechtigung?

Perchten vertreiben laut dem Volksmund böse Geister. Was aber, wenn die Gestalten, die eigentlich Schutz bringen sollen, selbst zu Aggressoren werden?

Wie der Blog "Tactical Fairies" beschreibt, sind Perchten im Volksglauben mystische Gestalten, die durch ihr lautes Auftreten und furchteinflößendes Aussehen Dämonen vertreiben sollen. Sie benutzen dafür Feuer, Trommeln und Ketten so "fegen" sie die dunklen Kräfte einfach beiseite. Gerade in der dunklen Jahreszeit soll dem Brauchtum zufolge das "Tor zur Unterwelt" bedrohlich weit offen stehen.

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Fragt man die Allgemeinheit, so werden wohl nur die wenigsten über den Ursprung dieses Brauchs informiert sein. Perchten- und Krampusläufe gehören zur Vorweihnachtszeit in Österreich wie der obligatorische (Kinder-)Punsch. Gerade in ländlichen Gegenden wird der Brauch oft mit freudiger Erwartung herbeigesehnt, gilt er doch als Nacht, in der kräftig auf den Putz gehauen wird. Alkohol fließt dabei nicht selten im Überfluss  und mal wieder ein wenig Gefahr und Nervenkitzel verspüren, wenn sonst der Alltag so dahinplätschert, wieso denn nicht?

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Regelmäßig kommen Berichte zu Ohren, in denen es zu Ausschreitungen im Zusammenhang mit Perchtenläufen kam: Grundlose Gewalt und ein Übermaß an Aggression gehe von den Perchten aus darunter verstecken sich schließlich "normale" Menschen, die für einen Abend in ein Kostüm schlüpfen, das sie bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die tierhaften Kostüme garantieren Anonymität und machen eine potenzielle Strafverfolgung schwierig.

Auch 2022 gab es bereits den ersten Vorfall, bei dem, wie berichtet, Perchten bei einem Krampuslauf in Braunau ein Absperrgitter herumgerissen haben sollen. Ein Zehnjähriger erlitt dabei einen gebrochenen Fuß.

Perchtenlauf meiden?

Nach der Teilnahme an Perchtenläufen gefragt, haben nur die wenigsten aus der k.at-Redaktion selbst schon einmal einen erlebt. Ihr  Ruf eilt den Krampusläufen voraus, und viele haben Geschichten gehört, bei denen Freunde schlechte Erfahrungen dabei machten: "Eine Freundin wurde von einem Percht ausgeraubt, ihr wurde die Geldtasche gestohlen," erzählt eine Kollegin. Ein anderer wurde von aggressiven Perchten angegriffen und körperlich verletzt.

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Perchtenläufe abschaffen?

Dass alteingesessene Traditionen neu bewertet werden sollten, passt zum veränderten Bewusstsein unserer Gesellschaft. Das bedeutet nicht, dass man Bräuche aus Österreich gleich verdammt und dem bunten Treiben einen Riegel vorschieben will. Aber vielleicht bedarf es einer Anpassung der Spielregeln, die zumindest dem Einsatz von roher, unbegründeter Gewalt Einhalt gebietet.

Ein Ansatz wäre zum Beispiel der Wegfall der Anonymität durch Perchtenkostüme, wohinter sich potentielle TäterInnen in Folge nicht mehr verstecken können. Dann würden Perchten- und Krampusläufe vielleicht wieder ein Ort werden, der nicht nur strikt gemieden, sondern wieder gerne besucht wird. So sollten Kultur und Brauchtum doch vermittelt und in Folge am Leben gehalten werden, oder nicht?