etwaslaeuftfalsch.it Stefanie Sargnagel u. Aldo Giannotti

Aufmerksamkeit für Femizide: Plakate sagen #etwaslaeuftfalsch

Künstlerische Sujets, die auf Femizide aufmerksam machen sollen, werden nun als "diskriminierend" kritisiert.

Es ist nicht das erste und mit Sicherheit nicht das letzte Mal, dass Kunst nicht verstanden wird. Genauso ist es leider(!) nicht das erste und leider(!) nicht das letzte Mal, dass Frauen nach Hilfe rufen, ohne gehört zu werden. Es ist ein Armutszeugnis für alle Väter, Brüder, Onkels und Opas, die ihre weiblichen Angehörigen nicht als Schlagzeile sehen wollen. Legen wir die Karten auf den Tisch: Österreich hat ein Problem mit Gewalt gegen Frauen.

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Plakat-Aktion gegen Femizide: #etwaslaeuftfalsch

KünstlerInnen wie Stefanie Sargnagel, Aldo Giannotti und Kateřina Šedá machen mit ihren Sujets auf eine Problematik aufmerksam, die uns alle etwas angeht. Mit ihren Motiven erschaffen sie Werke, welche die Grenzen zwischen Ironie und Ernst der Lage verschwimmen lassen. Die Kunst konfrontiert uns im öffentlichen Raum mit Dingen, bei denen man oft die Hand über den Mund hält, wenn man öffentlich darüber spricht. Alle Plakate sind auf der Seite "etwaslaeuftfalsch.it" zu sehen.

Bereits 2020 begann die Initiative #etwaslaeuftfalsch Fahrt aufzunehmen. Dafür engagierten sich 10 KünstlerInnen mit fünf Kampagnen in ganz Südtirol. Im Sommer 2021 waren etwa 4000 Plakate auf öffentlichen Plakat- und Werbeflächen zu sehen. Die Plakate formulierten Botschaften wie: "Denkt er an alles? Was für eine Liebe! Aber wenn er findet, dass du selbst nicht denken sollst, dann ist es Gewalt" oder auch "Es ist nicht interpretierbar. Es ist Mord."

Tirol fühlt sich diskriminiert

Man würde meinen, dass für eine solche Aktion höchste Anerkennung angemessen wäre, jedoch gibt es laut "derStandard" Widerstand vonseiten einiger Unternehmen, welche die Werbeflächen vermieten. Darunter auch die ÖBB.

Die Sujets wären nämlich "diskriminierend" für Tiroler oder würden gar "zu gewaltsamen Aktionen aufrufen". Ein Penis-Sujet wiederum sei zu grafisch geraten, so etwas könne man nicht in der Nähe von Schulen platzieren! Dass die Werbebranche aber seit jeher leicht bekleidete Frauen für Kampagnen einsetzt, scheint die Gemüter nicht so sehr aufzuheizen.

Es ist an der Zeit, ernsthaft darüber nachzudenken, welche Wertvermittlungen in unserer Gesellschaft wirklich problematisch sind. Einen Penis zu tabuisieren, weil "das nichts für Kinder ist", während Kinder oft die physischen und psychischen Gewalttaten ihrer Eltern miterleben müssen, ist Doppelmoral und zeigt uns nur aufs Neue: #etwasläuftfalsch.

Wer Erfahrungen mit Gewalt oder sexuellen Übergriffen erlebt oder in der Vergangenheit erlebt hat, kann sich kostenlos und anonym an die Frauenhelpline gegen Gewalt 0800/222-555, www.frauenhelpline.at, an die Onlineberatung für Mädchen und Frauen im HelpChat, www.haltdergewalt.at, an die Frauenhelpline für gehörlose Frauen, www.oegsbarrierefrei.at/bmf/hilfseinrichtungen/ oder an die Männerberatungsstelle unter 0720 / 70 44 00, https://www.maennerinfo.at wenden.