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Psychotherapie: Welche Therapieform passt zu mir?

Verschiedenste Psychotherapie-Methoden erschweren oft die Suche nach der richtigen. Wir verschaffen dir einen Überblick.

Psychotherapie ist das seelische Pendant zur Physiotherapie – und in Österreich gibt es für eine solche etliche anerkannte Behandlungsansätze. Diese können nicht nur bei der Bewältigung psychischer Erkrankungen hilfreich sein, sondern ebenso bei körperlichen Beschwerden, die durch derlei Erkrankungen entstehen. Psychotherapie ist aber nicht nur eine wichtige Hilfe bei der Überwindung von Seelenleid. Sie kann für die Psychohygiene eines jeden Menschen von erheblichem Nutzen sein! 

Personen, die mit Ängsten zu kämpfen haben, benötigen beispielsweise andere Lösungsstrategien als jemand, der/die beispielsweise in einer Beziehungskrise steckt, unter Depressionen leidet oder einfach keinen Plan hat, was er/sie mit seiner/ihrer Zukunft anfangen will. Und selbst bei ein und derselben Problematik gibt es nicht "das eine" Pauschalrezept zur Problembewältigung. Die Strategien sind so mannigfaltig wie die Menschen, die nach ihnen suchen. Und weil jede Person andere Bedürfnisse, Ansprüche und emotionale Ausgangssituationen hat, stehen zur Behandlung der Seele verschiedenste therapeutische Verfahren zur Verfügung. 

Im Nachfolgenden wollen wir dir einen Überblick über die geläufigsten Methoden der Psychotherapie geben und dich bei deiner Suche nach der für dich richtigen unterstützen. Welche das letztlich sein wird, hängt natürlich auch von der "Chemie" zwischen dir und deinem/deiner TherapeutIn sowie deiner ganz persönlichen Geschichte und deinen individuellen Präferenzen ab.

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Analytische Psychotherapien

Wer Psychoanalyse hört, denkt doch automatisch gleich an Sigmund Freud. Die analytische Psychotherapie kann man quasi als den "Klassiker" der Psychotherapie bezeichnen – denn hier liegst du im wahrsten Sinne des Wortes "auf der Couch". Während deiner Therapieeinheiten erkundet der/die TherapeutIn im Gespräch mit dir dein unbewusstes Seelenleben. In Einzel- oder Gruppensitzungen wird versucht, die unbewussten Zusammenhänge und Ursachen einer seelischen Erkrankung aufzudecken und zu begreifen. Ziel ist also das Bewusstmachen und Lösen innerer Konflikte.

In den meisten Fällen passiert das im Gespräch mit einem/einer EinzeltherapeutIn. Diese/r versteht sich im professionellen Kontext stets als BegleiterIn im seelischen Entwicklungsprozess, sprich, professionelle TherapeutInnen "nehmen dich an der Hand" und führen dich schrittweise durch deine Selbstreflexion. Aber auch Gruppentherapien fallen, wie bereits erwähnt, in das Feld der analytischen Psychotherapie.

Tiefenpsychologische Therapien

Dieser Ansatz ist eine Weiterentwicklung der Psychoanalyse und geht über eine solche hinaus. Auch tiefenpsychologische Therapien haben zum Ziel, die eigene Vergangenheit und daraus resultierende innere Konflikte sowie seelische Probleme aufzuarbeiten. Im Fokus liegen dabei die eigene Kindheit und Jugend sowie verdrängte Erfahrungen aus dieser Zeit. 

Dabei kann man sich mit dem/der TherapeutIn auf den sogenannten "aufdeckenden" oder "bewältigungsorientierten" Weg begeben. Beim erstgenannten wird versucht, ein Bewusstsein für Verdrängtes sowie damit verbundene belastende Gefühle zu schaffen, um sie einer bewussten Verarbeitung zuzuführen. Eine tiefe Entlastung stellt sich ein, deren Folge (Selbst)akzeptanz und Verhaltensalternativen abseits von Schmerz sind. Die bewältigungsorientierte Vorgehensweise konzentriert sich auf das Hier und Jetzt, und darauf, trotz Anwesenheit von Schmerz ein zufriedenes Leben zu führen. Eine gesunde Selbsteinschätzung, die im Zuge der Therapie ebenfalls erarbeitet wird, ist hierfür eine wichtige Voraussetzung.

Als gutes Beispiel für eine Form tiefenpsychologischer Therapien gilt die autogene Psychotherapie. Ihr Ziel ist die Stärkung der körperlichen und seelischen Selbstheilungskräfte. Bei der konzentrativen Bewegungstherapie wiederum liegt der Fokus auf Wahrnehmung und Bewegung. Körperhaltung und -ausdruck sind diesem Modell nach Ergebnisse der Vergangenheit. Die Erinnerungen daran sollen durch die Therapie reaktiviert und Bewältigungsstrategien erarbeitet werden.

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Humanistische Psychotherapien

Diese Therapiemethode soll dabei helfen, die eigene Persönlichkeit zu entfalten und sich selbst zu verwirklichen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei also nicht auf der Lösung unlokalisierbarer Vergangenheits-Probleme, sondern auf der ganz persönlichen Weiterentwicklung.

Salopp gesagt, könnte man humanistische Psychotherapien als philosophische Auseinandersetzungen bezeichnen. Denn alles dreht sich dabei um existenzielle Themen, wie etwa die Fragen nach Sinn, Werten und Lebenszielen.

Verhaltenstherapie

Da Verhaltensweisen er- sowie verlernt werden können, wird bei dieser Therapieform meist mit dem sogenannten "Konfrontationsverfahren" gearbeitet. PatientInnen sind besonders aktiv am Heilungsprozess beteiligt, da sie sich im Zuge der Therapie dem Problem (beispielsweise Spinnenangst) direkt stellen müssen. Besonders bewähren kann sich die Verhaltenstherapie in der Behandlung von Depressionen, Ängsten sowie Phobien, Süchten und Zwängen.

Mit der kognitiven und klassischen Verhaltenstherapie werden zwei wesentliche Richtungen unterschieden. Erstere zielt darauf ab, bisherige Denkweisen und -muster zu hinterfragen und zu adaptieren. Dabei können ungesunde Überzeugungen durch realistische und/oder gesunde ersetzt werden. Bei der klassischen Verhaltenstherapie wiederum konfrontiert sich der/die PatientIn unter Anleitung des/der PsychotherapeutIn mit den angstauslösenden Reizen.

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Systemische Therapie

Hierbei wird das Individuum als Teil eines Systems betrachtet. Von den kleinsten Zusammenhängen wie etwa der Partnerschaft, über Arbeitsplatz oder Schule bis hin zur Gesellschaft findet hier die Analyse statt. Die Funktion der Symptome innerhalb eines Systems soll aufgedeckt und Bewältigungsstrategien erarbeitet werden. Zusammengefasst kann man also sagen, dass die systemische Therapie eine Analyse des/der PatientIn vornimmt, die sich aus seinem/ihrem individuellen Gesamtkontext ergibt.

Die systemische Therapie fand ihren Ursprung in der Familientherapie, bei der die Familie als Verursacher psychischer Probleme gilt und daher zur Konfliktlösung in die Therapie miteinbezogen wird.

Wenn du eine Therapie in Anspruch nehmen willst, haben wir hier ein paar Anlaufstellen für dich: 

Es gibt eine psychotherapeutische Erstberatungs- und Info-Hotline. Sie ist ein kostenfreies, vertrauliches, professionelles und anonymes Angebot. 

Du suchst einen kassenfinanzierten Therapieplatz? Hier erklären wir, wie du am schnellsten zu einem Therapieplatz kommst.

Die ÖH hat zudem eine Kampagne für mentale Gesundheit von Studierenden gestartet. Mehr zu #talkaboutit findest du hier.