Schuluniform Pro-Contra: Welche Vor- und Nachteile hat die Uniform?

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k.at-Meinung: Schuluniform als Persönlichkeitsbremse?

Schuluniformen sind längst überholt, oder nicht? Welche Vor- und Nachteile kann das Uniformieren einer ganzen Schule haben?

Excuse Me? Wir haben 2022, Schuluniformen sind absolut veraltet, oder nicht? Ich für meinen Teil werde wohl nie wieder eine blaue Jeans, oder ein blaues Polo tragen. Das war nämlich für meine vier Jahre Volksschule, beinahe täglich, mein Outfit. Obwohl es rückblickend stinklangweilig und monoton war, finden sich auch Vorteile am Konzept einer Schuluniform im akademischen Bereich, gerade bei den besonders jungen VolksschülerInnen, wie ich es auch einst war.

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Kleiderstil als Grund für Mobbing?

Kinder sind gemein, zumindest waren sie das oft in meiner Schulzeit. Selten mir gegenüber, aber oft bekam ich Exklusion, Häme oder gar Mobbing anderer Kinder in meinem Schulalltag mit. In mehr als einer Situation war der vermeintliche "Grund" für diese Art von Schikane ein einfacher, wie belangloser: Anderssein. Zurückblickend fällt mir aber auf, dass die Jahre, die ich uniformiert die Schule besuchte, im Vergleich "friedlicher" wirken.

Meiner Erfahrung nach, waren uniformierte Kinder nicht gleich netter zueinander, jedoch wurde ein wesentlicher Quell der Unterscheidung ausgemerzt. Wir predigen heutzutage Anderssein und zelebrieren Individualität, jedoch sind diese Rahmenbedingungen Privilegien, welche nicht jede Schulklasse in Österreich erreicht haben. Wenn du anders bist als die anderen, fällst du auf. Wenn du auffällst, wirst du leichter zur Zielscheibe. Eine Zielscheibe, die mit jeglichen Schulsachen beworfen werden kann.

Dann heißt es: Ausleben oder Überleben?

Schuluniform-Pro: "War schon angenehmer"

Um der Frage nach der Sinnhaftigkeit einer uniformierten Schulgesellschaft nachzugehen, wandte ich mich an meine ehemaligen SchulkollegInnen. Viele davon durfte ich durch mehrere Bildungsstätten begleiten, weswegen der Vergleich uns im gemeinsamen Gespräch leicht fiel. Der 22-jährige Noah erinnert sich zum Beispiel: "Die Uniformen waren recht günstig zu erwerben, unauffällig und erleichterten das morgendliche Ritual. Es war schon angenehmer, besonders zu Hause."

Dadurch, dass wir nach der katholischen Volksschule ebenfalls in einer Klasse waren, fiel uns besonders der Unterschied zum öffentlichen Gymnasium auf. Viele versuchten erste Schritte in Richtung Persönlichkeitsentwicklung, auch durch den individuellen Kleidungsstil. Was bei unserer Vorgängergeneration Denim und Capri-Hosen waren, manifestierte sich bei uns in Schlauchschals, Hipster-Schnurrbärten und Skinny Jeans. Stichwort: Generation Hollister.

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Schuluniform-Contra: Gemeinschaftsgefühl oder Zwang zur Anpassung?

Auf der einen Seite steht das Argument des Gemeinschaftsgefühls, welches beim gemeinsamen Tragen einer Schuluniform entstehen soll. Auf der anderen Seite wird durch die Uniformierung gezielt Individualität und deren Ausleben eingegrenzt. Eine Studie der Ohio State University hat herausgefunden, dass Schuluniformen dem Gefühl der Zugehörigkeit sogar eher schaden können. Immerhin identifizieren sich Jugendgruppen untereinander nicht zuletzt durch die Kleidungswahl.

Auch in der letzten Schuleinrichtung, die ich als Schüler besuchen sollte, war ich in meiner Kleiderwahl eingeschränkt. Diesmal jedoch waren es keine Vorschriften, sondern "Empfehlungen", welche bei Nichtbefolgung zumindest ungefragte Kommentare seitens der Lehrpersonen nach sich zogen. Zerrissene Jeans, T-Shirts mit politischer Message oder zu kurze Röcke, alles ungern gesehen.

Apropos Röcke: Die geschlechterspezifischen Unterschiede der Uniformen unterstützten in meiner Erfahrung das binäre Geschlechtssystem. Als Mädchen einen Rock tragen zu müssen, obwohl man heute eher das Gefühl nach einer Hose verspürt, ist ungerecht und eingrenzend. Außerdem hat die getrennte Uniformierung die Geschlechter-Zuschreibungen nochmals verstärkt. "Das ist ein Mädchen, die zieht sich an wie ein Mädchen, also ist das ein Mädchen", erinnern wir uns an junge Gedankengänge.

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Wohlfühlen und Leistung

Wenige werden mir wahrscheinlich widersprechen, wenn ich sage, dass wir tendenziell bessere Leistungen erbringen, wenn wir uns wohlfühlen. Das ist jedoch bei Schuluniformen nicht immer der Fall. Je nachdem wie sehr die eigene Uniform an die eigenen Vorlieben, Körperformen oder Ansprüche variiert werden kann. In meiner Volkschule war das gegeben: über der Hüfte hellblau, unterhalb dunkelblau. Alles andere ließ zumindest ein wenig Interpretations- und später auch Diskussions-Spielraum offen.

Abschließend kann ich festhalten, dass Schuluniformen in ihren verschiedenen Ausprägungen ihre Vor- und Nachteile haben. Ich bin der Meinung, dass eine Schuluniform bis zu einem gewissen Alter recht sinnvoll ist, jedoch im späteren Heranwachsen zu eingrenzend ist.

Persönlichkeitsbildung und Wachstum brauchen Platz für Fehler. Aus diesen Fehlern lernen wir, und freunden uns immer mehr mit der Person an, die wir sein können.

 

Professionelle Hilfe 

Wer unter (Cyber-)Mobbing leidet, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits ein einzelnes Gespräch. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich rund um die Uhr kostenlos unter der Rufnummer 142 an die Telefonseelsorge wenden. Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt ÄrztInnen oder Beratungsstellen.

Mehr Informationen findest du auch unter saferinternet.at.

Wer Selbstmordgedanken hat oder an Depressionen leidet, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits ein einzelnes Gespräch. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich rund um die Uhr kostenlos unter der Rufnummer 142 an die Telefonseelsorge wenden. Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt ÄrztInnen, Beratungsstellen oder Kliniken. www.suizid-praevention.gv.at